Karriere-Blog für Zeitsoldaten der Bundeswehr

Januar 2016: „Mini-Pension“ für SaZ 25:

Seit Einführung von Verpflichtungszeiten für Zeitsoldaten von bis zu 25 Jahren scheiden sich daran regelmäßig die Geister. Für die einen Soldaten ist der SaZ 25 total attraktiv, weil er Job-Sicherheit plus gute Bezahlung bedeutet. Für alle anderen Kameraden sind die langen Dienstzeiten hingegen völlig ausgeschlossen, da die späteren Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt entsprechend schlecht sind und eine erfolgreiche Wiedereingliederung nach der Bundeswehr zur Herausforderung wird. Beim Thema finanzielle Absicherung für SaZ 20+ stößt man jedoch immer wieder auf Unwissen.

Mit dem Bundeswehr-Attraktivitätssteigerungsgesetz (BwAttraktStG) wurde am 23. Mai 2015 eine Art „Mini-Pension" für SaZ mit sehr langen Dienstzeiten eingeführt. Das klingt zwar zunächst recht spannend, entpuppt sich bei näherer Betrachtung aber rasch als besseres Hartz IV! So können alle SaZ 20+ nach dem Auslaufen der Übergangsgebührnisse einen so genannten Unterhaltsbeitrag beantragen. Dieser beträgt 75 Prozent der Mindestversorgung eines Soldaten im Ruhestand, welche gerade mal bei 65 Prozent der Endstufe der Besoldungsgruppe A4 liegt. In Zahlen ausgedrückt bedeutet es, dass ein SaZ 20+ aktuell unter dem Strich mit maximal rund 1180 Euro rechnen könnte - und das brutto!

Damit nicht genug, besteht darauf auch kein automatischer Anspruch! Schließlich werden die wirtschaftlichen Verhältnisse des ehemaligen Zeitsoldaten bei der Bewilligung berücksichtigt. Entsprechende Ausführungsbestimmungen liegen derzeit noch nicht vor. Aber man muss hier bestimmt kein Hellseher sein, dass der Unterhaltsbeitrag vermutlich nicht gezahlt wird, wenn ein SaZ 20+ nach DZE in einen neuen Job wechselt oder vielleicht einen Ehepartner mit hohem Einkommen hat.

Kommen wir zu einem weiteren „Haken" der Mini-Pension. Die Zahlung wird spätestens beim Eintritt ins gesetzliche Rentenalter - also mit 67 Jahren - eingestellt, da dann die Altersrente einspringt. Doch auch hier wird es finanziell nicht wirklich besser. Im Gegenteil! Wahrscheinlich wird der staatliche Rentenanspruch recht überschaubar ausfallen, weil die Bundeswehr zwar die bis zu 25 Dienstjahre als SaZ voll nachversichert, aber das Brutto-Einkommen während der Dienstzeit im Vergleich zur zivilen Wirtschaft recht mager gewesen ist. Das bedeutet weniger Entgeltpunkte und damit weniger Rente. Wer hier nicht privat vorsorgt, hat schon verloren.

Alles in allem sollte es sich jeder SaZ sehr genau überlegen, ob er eine Verpflichtungserklärung für mehr als 20 Jahre unterschreibt. Denn trotz den 60 Monaten an BFD-Ansprüchen und Dienstzeitversorgung - die man ebenfalls schon ab SaZ 12 erwirbt - muss man sich später nach DZE auf dem Arbeitsmarkt als knapp 50-jähriger behaupten. Wer hier keine klare Strategie für die Zeit nach der Bundeswehr mitbringt, wird es trotz dem propagierten Fachkräftemangel wirklich schwer haben eine adäquate Stelle zu finden. Und wer allein auf die Mini-Pension baut, der wird schnell sein blaues Wunder erleben!  (sg)

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Geschrieben am von Stefan Geßner in der Kategorie: Absicherung und Versorgung.
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10 Kommentare zu: "„Mini-Pension“ für SaZ 25:"

  1. Ralf Czwikla |

    Ganz wichtig ist für SaZ25 auch, nur dann in die private Pflegepflichtversicherung mit Anwartschaft zu wechseln, wenn eine realistische Chance auf eine zivile Chance Folgebeschäftigung besteht. Sonst wird es später richtig teuer. Tipp: Wenn DZE oberhalb Alter 50 Jahre --> genau überlegen. Alle anderen sind i.d.R privat am besten aufgehoben.

  2. Clemens Witte |

    Die Problematik liegt eigentlich darin das der SaZ 25 oberhalb des 55.LJ nicht mehr in die gesetzliche KV kommt. Es denn er hat eine gesetzliche Anwartschaft, Kostenpunkt hier nach dem Gehalt und nicht gerade billig. Darüber hinaus benötigt er noch eine private Anwartschaft für die 60 Monate BfD. Selbst wenn er mit dem Ausscheidungsalter in die Rente rutschen könnte wäre er ja schon blöd auf die 5 Jahre zu verzichten... Da die Übergangsgebührnisse seine Rente um ein vielfaches übersteigen. Es sollte allerdings auch nicht verschwiegen werden das es unter bestimmten Umständen die Möglichkeit einer Kapitalabfindung gibt. Z.B Bei Aufbau einer Selbstständigkeit!

  3. Dirk Wagner |

    Interessant finde ich folgende Stelle im Text "Wahrscheinlich wird der staatliche Rentenanspruch recht überschaubar ausfallen, weil die Bundeswehr zwar die bis zu 25 Dienstjahre als SaZ voll nachversichert, aber das Brutto-Einkommen während der Dienstzeit im Vergleich zur zivilen Wirtschaft recht mager gewesen ist." Seit 01.01.2016 wurde die Nachversicherung um 20% angehoben. Das heißt für mich ein Soldat der 2700€ Brutto verdient hätte im Zivilen 17xx€ Netto + 20% wären ca. 3200€ Brutto also ca. 19xx€ Netto. Wer verdient denn draußen bitte mal "EBEN" 3200€ Brutto?! So gesehen wird dann in die Rentenkasse eingezahlt als ob man im zivilen 3200€ Brutto verdient hat und das über 25 Jahre. Oder verstehe ich da etwas falsch?

  4. Torsten Meyer |

    Die meisten kommen mit Anfang 20 zur Bw. So, d.h. wer dann während seiner Dienstzeit auf SaZ 25 verlängert ist mit Mitte 40 raus aus der Bw. Dazu kommen die 5 Jahre Übergangszahlung. Am Ende hat er Glück wenn er bis 50 Geld bekommt. Also ist dieses Modell sehr unvorteilhaft. Bei einer Einführung von SaZ 30 wäre dieses Problem mehr oder weniger gelöst. Dazu würde die Bw auf die geplante 170+ kommen.

  5. Tobias Lehmann |

    Sie dürfen bei allen Vor - und Nachteilen nicht vergessen, dass die Bundeswehr nur den Arbeitgeberanteil in die gesetzliche Rentenversicherung nachversichert. Es wird also nur die Hälfte eingezahlt, da kein SaZ während der Dienstzeit freiwillig in die gesetzliche RV einzahlt, geschweige denn nach DZE sein Entlassunggeld dafür opfert. Egal ob Sie Ihr Rechenbeispielt mit 3200 € brutto durchspielen, die Bundeswehr zahlt nur den Arbeitgeberanteil, der Arbeitnehmeranteil fehlt komplett. Ich selber habe als SaZ 8, wunderbar 8 Jahren miese in der gesetzlichen Rente. Zum Glück verdiene ich aktuell gut und kann es ausgleichen, aber wer mit 55 auf den zivilen Arbeitmarkt kommt, hat wenig Chancen zum Ausgleich.

  6. Markus K. |

    Ihre Aussage zum Arbeitgeber-/ Arbeitnehmeranteil entspricht leider nicht den Tatsachen, Herr Lehmann. Es werden beide Anteile durch die Bundeswehr übernommen und für alle Soldatinnen und Soldaten die ab 1. Januar 2016 Dienstzeitende haben gibt noch 20% zusätzlich als Nachversicherung. Nachzulesen unter www.bundeswehr.de in der Rubrik "Steuern und Sozialversicherung": Soldatinnen und Soldaten auf Zeit sind während ihrer Dienstzeit bei der Bundeswehr nicht rentenversichert. Zur Sicherung der Altersversorgung werden SaZ jedoch nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr in der gesetzlichen Rentenversicherung nachversichert, es sei denn, sie nehmen nach der Wehrdienstzeit erneut eine rentenversicherungsfreie Beschäftigung (zum Beispiel als Beamter) auf. Der Bund übernimmt die Beiträge in voller Höhe, und zwar sowohl den Arbeitgeber- als auch den Arbeitnehmeranteil. Die Bundeswehr verbessert die Altersversorgung für Soldatinnen und Soldaten auf Zeit. Diese sollen künftig nach ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst bei ihrer sozialen Absicherung keine Nachteile gegenüber zivilen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern haben. Ab 1. Januar 2016 wird dies durch eine verbesserte Nachversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung erreicht. Das Gesetz sieht eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrundlage um 20 % vor. Maßgeblich für die jeweilige verbesserte Rentenanwartschaft aus der Dienstzeit sind die individuellen Dienstbezüge.

  7. Kai |

    Gilt das auch fuer Soldaten die SaZ 20 sind oder muss ich wirklich SaZ 20 + 1 Monat als Beispiel sein?

  8. DZE-Team |

    @Kai: Gemäß Soldatenversorgungsgesetz kann einem früheren Zeitsoldaten ein Unterhaltsbeitrag "nach einer Gesamtdienstzeit von mehr als 20 Jahren" bewilligt werden. Meines Erachtens reicht deshalb eine Dienstzeit als SaZ von genau 20 Jahren nicht aus. Viele Grüße, Stefan vom DZE-Team

  9. Felicitas |

    Ich bin bereits zehn Jahre im Dienst und bin seit zwei Jahren SaZ 25 und bin bei DZE fast 55, welches durch Nachdienen von Elternzeit und Teilzeit zustande kommt und das obwohl ich keine ZAW gemacht habe. Leider bekomme ich total unterschiedliche Aussagen zu der Versorung danach. Kann mir jemand dazu eine adäquate Aussage geben? Wir haben uns diese Entscheidung nicht einfach gemacht, als Alternative hätte ich mit 36 eine neue Ausbildung anfangen müssen und das mit zwei kleinen Kindern. Alles nicht so einfach.

  10. M.Chebli |

    ......ich muss ehrlich sagen das alles äußerst Spekulativ ist. Man kann einfach nicht sagen wie es in ca. 10-15 Jahren aussieht. Man müsse sich doch auch mal vor Augen halten was sich in denn letzten 7 Jahren alles geändert hat.....vor ein paar Jahren war das undenkbar das ein Mannschaftsdienstgrad SaZ 12 geschweige den ein SaZ 25 wird. KLAR IST: privat Altersvorsorgen muss jeder ob zivil oder Militärisch da kommen wir alle nicht Drumherum. Wer nicht Vorsorgt selber schuld. Ich bin auch SaZ 25 und Sorge auch vor es ist einfach so. Ich würde sagen mal sehen was diesbezüglich noch von Seiten der BW passiert, man sollte aber keine großen Geschenke erwarten wie z.b. alle werden BS das wird nicht passieren.

 
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