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Karriere als Projektleiterin: Ex-Offizier berichtet!
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Karriere als Projektleiterin: Ex-Offizier berichtet!

von Stefan Geßner –

Hauptmann d.R. Julia Sauter war in der Luftwaffe zuletzt als Jägerleitoffizier eingesetzt und für die Koordinierung von Luftfahrzeugen verantwortlich. Heute arbeitet sie als Projektleiterin bei der ESG im Fachbereich Defence + Public Security. Im Interview berichtet sie über ihren Einstieg bei der ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH.

DZE: Als ehemaliger Offizier sind Sie bei der ESG in der Entwicklung und Realisierung von Gefechtsständen tätig. Stellen Sie uns Ihre konkreten Aufgaben doch kurz vor?

SAUTER: Ich bin in der Abteilung „Systemintegration IT“ im Geschäftsfeld „IT- & Landsysteme“ tätig. Hier fühle ich mich sehr wohl. Die Abteilung realisiert als „Endprodukt“ verlegefähige Gefechtsstände für die Truppe. In erster Linie geht es bei der Gefechtsstandausstattung um die IT.  Mir fällt dabei eine ganz besondere Rolle zu, nämlich die Projektleitung. Das heißt ich trage die Gesamtverantwortung für die Abwicklung des Projekts. Das fängt bei der Angebotsphase an und geht über die Konzeption bis hin zur termin- und kostengerechten Auslieferung sowie Abnahme beim Kunden Bundeswehr.

Die ESG hat ein enorm großes Portfolio. Seit fünfzig Jahren entwickelt, integriert und betreibt sie komplexe, sicherheitsrelevante Elektronik- und IT-Systeme für Militär, Behörden und Unternehmen. Mit den Logistiklösungen sorgt das Unternehmen für eine hohe Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit dieser Systeme im Einsatz. Dabei zählt die ESG zu den Top-Arbeitgebern in Deutschland, was ich auf jeden Fall aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Schließlich stehen spannende Innovationen, Raum für persönliche Entwicklung, Kollegialität und gemeinsame Werte als Erfolgsmodell für Zufriedenheit im Fokus der Firma.

DZE: Wie leicht ist Ihnen der Wechsel von der Bundeswehr in die Wirtschaft gefallen?

SAUTER: Der Einstieg fiel mir eigentlich sehr leicht, da ich durch einen ehemaligen Luftwaffen-Kameraden quasi „angeworben“ worden bin und er mir gerade in der ersten Zeit als Ansprechpartner in jeglichen Belangen zur Verfügung stand. Im Übrigen erfolgen die Neueinstellungen in der Regel über das gute Netzwerk der ESG-Kollegen. So arbeiten nicht wenige Ex-Soldaten bei ESG, was besonders in der Einarbeitungsphase vieles einfacher macht. Darüber hinaus hilft ein spezielles Patenkonzept allen neuen Beschäftigten die ersten Schritte mit einem erfahrenen Kollegen an ihrer Seite zu bewältigen. Auch ich war schon zwei Mal Patin und habe die neuen Kollegen nicht nur fachlich, sondern in erster Linie organisatorisch sowie administrativ eingewiesen.

DZE: Helfen Ihnen Ihre militärischen Erfahrungen bei der täglichen Arbeit?

SAUTER: Der militärische Background hilft vor allem bei der Kommunikation mit dem Kunden Bundeswehr. Immerhin kenne ich die internen Rahmenbedingungen der Streitkräfte sowie deren Grenzen. Zudem bin ich in der Lage mich in die Belange des Kunden hineinzuversetzen und kann deren Bedürfnisse sehr gut nachvollziehen. So spricht man die Sprache des Kunden und begegnet sich auf Augenhöhe. In der Dienstzeit war es wichtig, sich schnell an ein veränderliches Umfeld anzupassen. Der deutsche Offizier kann alles, munkelt man. Diese Grundüberzeugung hilft ungemein, sich den „zivilen“ Herausforderungen zu stellen. Gerade vor dem Hintergrund, dass man sich in alles - selbst, wenn es anfangs neu und kompliziert erscheint - einarbeiten kann.

DZE: Wie wurden Sie auf Ihre aktuelle Tätigkeit in der Projektleitung vorbereitet?

SAUTER: Wie vorher erwähnt, wird man bei der ESG nicht allein gelassen. Die Kollegen helfen einem und selbst, wenn der eine mal keine Zeit hat, steht die Tür eines anderen offen. Man muss sich nur bemerkbar machen und rechtzeitig die Hand heben bevor es „brennt“. Davon abgesehen habe ich die Erfahrung gemacht, dass man mit seinen Aufgaben wächst. Zunächst werden einem jungen Projektleiter nur Projekte mit geringerem Umfang übertragen bzw. Projekte, die risikoarm erscheinen. Mit der Zeit wächst sowohl die Expertise, als auch der Anspruch Projekte größeren Umfangs mit sehr viel Verantwortung übernehmen zu können.

DZE: Ist das Projektmanagement bei der ESG mit Tätigkeiten innerhalb der Bundeswehr vergleichbar?

SAUTER: Hier kann ich leider nur wenig Vergleiche ziehen. Schließlich war ich bei der Luftwaffe im operativen Umfeld eingesetzt, welches stets ein sehr spontanes Handeln und rasche Entscheidungen erforderte. Ein Jet, der mit Überschallgeschwindigkeit fliegt, räumte mir als Aircraft Controller keine Denkpausen beim Funken und Lotsen ein. Grundsätzlich glaube ich aber schon, dass die militärische Ausbildung einem das wichtigste Handwerkszeug im Bereich Planen, Umsetzten und Kontrollieren mitgibt, um auch in der Wirtschaft zu bestehen. Zudem kommt es auch immer etwas auf die individuellen Fähigkeiten an, wie schnell man sich in den neuen Aufgabenbereich einarbeiten kann.

DZE: Wo liegen die besonderen Herausforderungen im Projektmanagement?

SAUTER: Die größte Hürde ist die Masse an Arbeit, die in sehr kurzer Zeit bewältigt werden muss. So sind die Angebotsfristen häufig sehr sportlich gesetzt. Das bedeutet für unser Team immer mal wieder Überstunden. Hinzu kommen verschiedenste Reisen, die einen ebenfalls in Zeitnot versetzen können. Das Projektmanagement erfordert daher ein sehr gutes Zeit- und Selbstmanagement, welches einem dabei hilft, die vielen Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten.

DZE: Warum ist die ESG für Sie der ideale Arbeitgeber?

SAUTER: In unserer Abteilung sind wir ein eingespieltes Team. Unsere Führungskraft motiviert uns und spornt uns an das große Arbeitspensum zu stemmen. Die Stimmung ist top, unter anderem, weil bei uns sehr viele ehemalige Soldaten zusammenarbeiten und einander unterstützen. Die ESG hat derzeit rund 2.000 Mitarbeiter und jährlich kommen um die 200 bis 300 neue Kollegen hinzu. Das ist eine aus meiner Sicht sehr angenehme Unternehmensgröße. Denn so sind wir groß genug für einen starken Mittelständer, besitzen aber keine Konzernstrukturen. Dadurch bleibt uns Mitarbeitern viel Raum für Flexibilität in unserem täglichen Denken und Handeln.

DZE: Haben Sie noch ein paar persönliche Tipps, die den Wiedereinstieg erleichtern können?

SAUTER: Bei meinem Wechsel in die Wirtschaft hat mir nach dem Dienstzeitende primär mein weit gespanntes Netzwerk geholfen. Folglich kann ich allen ausscheidenden Kameraden empfehlen, sämtliche Chancen zum Netzwerken zu nutzen und dabei die Augen und Ohren offen zu halten. Denn Chancen dazu bieten sich eine ganze Menge. Von den BFD-Maßnahmen über sonstige Weiterbildungsmöglichkeiten, Praktika, Jobmessen und Recruiting-Events sollte man alle Möglichkeiten nutzen. Darüber hinaus hilft es ungemein, die anfänglichen Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. Es ist besser, eher klein anzufangen und nach der Assimilationsphase mit schnellem Tempo aufzusteigen.

DZE: Vielen Dank für das Interview!

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