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Mein Weg: Auswandern nach der Bundeswehr!

Mein Weg: Auswandern nach der Bundeswehr!

von DZE - Team –

HptFw d.R. Jens Bogisch, zuletzt als Versorgungsdienstfeldwebel in der Panzer­pionier­kompanie 550 eingesetzt, berichtet im Interview über seine Erfahrungen im dualen Bachelorstudium und seine anfänglichen beruflichen Probleme in der Schweiz.

DZE: Stell uns deinen Werdegang doch kurz vor!

BOGISCH: Meine Bundeswehrkarriere habe ich damals als Wehrpflichtiger begonnen. Als ich eingezogen wurde, hatte ich nur die Absicht, meinen Grundwehrdienst abzuleisten. Nach Abschluss meiner Grundausbildung wurde ich nach Donaueschingen versetzt und hatte dort die Chance in einen Auslandseinsatz zu gehen. Also entschied ich mich kurzerhand auf 15 Monate zu verlängern und den Einsatz in Bosnien-Herzegowina mitzumachen. In dieser Zeit beschloss ich eine Ausbildung zum Materialnachweisunteroffizier anzustreben, was mir glücklicherweise auch vor Ort in der Instandsetzungsführung ermöglicht wurde.

Da ich mich für „höheres" berufen fühlte, verpflichtete ich mich als Zeitsoldat für zwölf Jahre, um Materialnachweisfeldwebel werden zu können. Dazu wurde ich ins Bundeswehrkrankenhaus nach Ulm versetzt, wo mir die Krankenhausluft jedoch so ganz und gar nicht bekam. Denn ich wollte mehr. Nach meiner Feldwebelausbildung bemühte ich mich um eine Stelle bei den Panzerpionieren in Immendingen. Zu meinem Glück konnte ich damals den Kompaniechef überzeugen, dass ich genau der Richtige für den Posten des Versorgungsfeldwebels wäre. Hier überhäufte man mich natürlich gleich mit Arbeit. Insbesondere die ganzen Nachbereitungen, Bundeshaushaltsüberprüfungen oder die Umstrukturierung der Kompanie waren sehr spannend und eine neue Herausforderung für mich.

Die Zeit bei der Bundeswehr war, obwohl ich nicht als „Kämpfer" eingesetzt war, insgesamt sehr erfolgreich und interessant. Da ich während meiner ganzen Dienstzeit immer etwas mit Logistik zu tun hatte, war es natürlich naheliegend, dass ich auch nach der Bundeswehr in diesem Bereich tätig sein wollte. Ich hatte bereits im Rahmen meiner Feldwebelausbildung mit der Fortbildung zum Fachkaufmann für Organisation die Voraussetzung geschaffen, um meine BFD-Ansprüche für ein Studium nutzen zu können. So entschloss ich mich nach Beendigung meiner Dienstzeit ein Studium zum Bachelor of Arts zu absolvieren.

DZE: Ist dir die Rückkehr in den zivilen Beruf schwer gefallen?

BOGISCH: Die Rückkehr ist mir keineswegs schwer gefallen. Ich konnte bereits während meiner Zeit in der Bundeswehr viel bewegen und hatte durch die Arbeit als Versorgungsfeldwebel jeden Tag ordentlich zu tun.

DZE: Konntest du auf deine Erfahrung als Ex-Soldat zurückgreifen?

BOGISCH: Genau wegen dieser Erfahrungen wurde ich bei einem großen Postdienstleister für ein duales Studium eingestellt. Das alltägliche Organisieren, die Erfahrungen in den Auslandseinsätzen, aber auch die typischen soldatischen Tugenden wie Fleiß, Ehrgeiz und Pünktlichkeit wurden mir dabei als Vorschusslorbeeren angeheftet. Mir wurde schnell bewusst, dass das Einhalten von Strukturen, Mitdenken, Handeln und Entscheidungen fällen noch Dinge aus meiner Bundeswehrzeit waren, die mir gerade in der Anfangszeit sehr weitergeholfen haben. Auch meine Präsentationsgewandtheit vor Gruppen und fremden Menschen war ein ganz klarer Vorteil, den ich bei der Bundeswehr gelernt hatte.

DZE: Konnte dir der BFD helfen?

BOGISCH: Der erste Kontakt zum BFD war irgendwie ernüchternd. Den Termin hatte ich sorgfältig geplant und wollte meine Ausbildung schon frühzeitig in Angriff nehmen. Ich war aber ziemlich irritiert, als mir im Verlauf einer ziemlich kurzen Beratung eine Ausbildung an der Bundeswehrfachschule angeboten wurde. Daraufhin wollte ich zunächst gar keine BFD-Maßnahme mehr durchführen. Allerdings ist mir eine andere Beraterin empfohlen wurden, die ich gegen Ende der Dienstzeit auch besuchte. Mit ihr konnte ich dann meine Wünsche durchgehen und wir kamen gemeinsam zu dem Ergebnis, dass ich an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) ein duales Studium zum Bachelor of Arts (B.A.) Fachrichtung Logistik/Materialwirtschaft und Controlling beginnen könnte. Die Betreuung nach meiner Entlassung war hervorragend. Der BFD unterstütze mich sehr in dem er mir viel Arbeit und die Koordination während des BFD-Zeitraums abnahm. Es ist mir dadurch deutlich geworden, dass nicht alle BFD-Berater gleich sind und auch nicht jeder Zeitsoldat gleich behandelt werden kann.

DZE: Stell uns dein duales Studium doch kurz vor!

BOGISCH: Das war ein duales Studium mit dem Schwerpunkt Logistik/Materialwirtschaft und Controlling an einer der größten Hochschulen des Landes. Zugelassen wird man allerdings nur, wenn man einen „Ausbildungsbetrieb" findet, der einen dabei unterstützt. Man ist also primär Angestellter eines Unternehmens, der neben dem Einsatz am Arbeitsplatz noch studiert. Das Studium ist so aufgeteilt, dass je ein halbes Semester im Betrieb und die andere Hälfte an der Hochschule absolviert wird. Ziel ist es, dass erlernte Wissen direkt in der Praxis nutzen zu können. Ich hatte das Glück einen Betrieb gefunden zu haben, in dem ich die Masse der Studienschwerpunkte im Rahmen meiner Arbeit gleich praktisch anwenden konnte. Zusätzlich werden während der Praxisphasen zwei Projektarbeiten geschrieben und zum Schluss noch die Bachelorarbeit erstellt. Dadurch wird das Erlernte sowie der tägliche Einsatz im Betrieb auch für die Hochschule transparent.

DZE: Waren die praktischen Anteile für dich eine Bereicherung?

BOGISCH: Ja, ich konnte sehr gut betriebliche Optimierungsmöglichkeiten erkennen sowie deren Potentiale umsetzen und verbessern. Auch die Implementierung einer neuen Software für die bestmögliche Ausnutzung der Arbeitszeit im Betrieb war sehr hilfreich für mein weiteres Berufsleben. Hier konnte ich mehrere kleinere, aber auch ein komplexes Projekt begleiten und leiten.

DZE: Mit welchen Gefühlen bist du damals ins Ausland gegangen?

BOGISCH: Ich bin absichtlich und mit hohen Erwartungen in die Schweiz gegangen. Meine persönliche Nähe zu diesem Land wollte ich nutzen, um dort eine Stelle zu finden. Es gibt hier im Arbeitsleben sicherlich eine andere Mentalität. Und ich kann sagen, dass im Geschäftsleben das Vorurteil der angeblich „langsamen" Schweizer ganz und gar nicht stimmt. Als Projektleiter ist man hier überall dabei und kann sehr viele Veränderungen antreiben. Jeder Tag ist anders. Eine Routine konnte ich bisher noch nicht erkennen.

DZE: Was waren die größten Probleme?

BOGISCH: Im Arbeitsleben überhaupt keine. Es ist nur ein bisschen Merkwürdig, dass man sich auf allen Managementleveln duzt. So hatte mir mein Divisionsleiter sofort das "Du" angeboten. Aber da gewöhnt man sich schnell dran. Ansonsten war es am Anfang sicherlich schwierig eine Wohnung zu bekommen, da ich lediglich eine Arbeitsbewilligung besaß. Zu Anmietung einer Wohnung braucht man aber zwingend eine Aufenthaltsgenehmigung. Diese kann man jedoch ohne Wohnung auch erst gar nicht beantragen. Hier unterstützte mich mein neuer Betrieb außerordentlich und so konnte ich den merkwürdigen Behördenwirrwarr umgehen.

DZE: Hast du noch Tipps für die Kameraden?

BOGISCH: Man sollte sich vorher auf jeden Fall erkundigen, was alles für Unterlagen benötigt werden. Auch wenn die Schweiz sicherlich eine Ausnahme bildet, da sie nicht in der Europäischen Union ist, darf man den Weg zu den Behörden nicht scheuen. Zudem muss man sich bewusst sein, dass man dann zur Gruppe der Ausländer gehört. Die Schweiz hat zum Beispiel einen Ausländeranteil von über 20 Prozent. Es kann daher schon mal vorkommen, dass man deswegen nicht immer positiv ankommt. Zum Glück habe ich dies bisher noch nicht selbst erlebt, aber aus Bekanntenkreisen wurde es mir schon berichtet.

DZE: Würdest du heute etwas anders machen?

BOGISCH: Nein, ich habe das Beste aus meiner Zeit gemacht. Durch das Studium habe ich nach der Bundeswehr einen langsamen Einstieg zurück ins Berufsleben gefunden. Die Entscheidungen waren genau richtig und ich kann diesen Werdegang nur weiterempfehlen.


DZE: Jens, vielen Dank für das Interview!

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