DIENSTZEITENDE - Karriereplattform für Zeitsoldaten
Auch bei der Bewerbung die Initiative übernehmen

Auch bei der Bewerbung die Initiative übernehmen

von Stefan Geßner –
Viele Zeitsoldaten stehen am Ende ihrer Dienstzeit an einem wichtigen Scheidepunkt für die weitere berufliche Zukunft. Doch auch wenn die Bundeswehr dank Berufsförderung und Dienstzeitversorgung eine tolle Unterstützung bei der Wiedereingliederung bietet, kommt kaum ein Soldat auf Zeit um eine erfolgreiche Bewerbung bei einem neuen Arbeitgeber herum.

Was ist eine Initiativbewerbung?

Es gibt viele Vorgehensweisen, sich nach dem Dienstzeitende in der freien Wirtschaft zu bewerben. Eine gute Möglichkeit, die Fühler nach einer Karriere nach der Bundeswehr auszustrecken und sich als geeigneter Kandidat zu präsentieren, ist die Initiativbewerbung. Denn hier bewirbt sich der Bewerber direkt bei einem Unternehmen seiner Wahl - aber eben nicht zwingend auf eine ausgeschriebene Stelle. Es geht vor allem darum sich vorzustellen und ins beste Licht zu setzen. So mancher bewirbt sich daher mit der gesamten Bewerbungsmappe (Deckblatt, Anschreiben und Lebenslauf) - andere nutzen die Form der Kurzbewerbung (Bewerbung auf maximal 2 Seiten ohne Anhänge, Zeugnisse und Co.).

Die Suche nach einem passenden Unternehmen

Grundsätzlich stellt sich bei den meisten ausscheidenden Zeitsoldaten am Anfang der Initiativbewerbung die Frage, wie man bei der Suche nach einem passenden Unternehmen richtig vorgeht. Eine Methode ist, die gängigen Jobbörsen im Internet zu durchsuchen und dort Unternehmen zu finden, die gerade auf der Suche nach neuen Arbeitnehmern sind. Selbst wenn die dort ausgeschriebenen Stellen nicht direkt auf das eigene Profil passen, sind diese Firmen doch daran interessiert neue Mitarbeiter einzustellen. Außerdem haben Sie so den Vorteil den wahrscheinlich richtigen Ansprechpartner finden zu können, so dass Ihre Bewerbung später nicht völlig ins Blaue läuft.

Das passende Unternehmen ist gefunden - was nun?   

Haben Sie sich für ein interessantes Unternehmen entschieden, kommt es nun darauf an, die eigene Bewerbung vorzubereiten. Um dem Personaler den bestmöglichen Einblick in die eigenen Fähigkeiten zu geben, empfehlen wir eine ausführlichere Initiativbewerbung als Soldat.

Das heißt:
  • Lebenslauf: den eigenen Lebenslauf auf max. 1-2 Seiten inklusive ansprechendem Bewerbungsfoto
  • Anschreiben: Ein einseitiges Anschreiben, welches individuell und haargenau auf das Unternehmen eingeht
  • Zeugnisse: Auswahl der wichtigsten Zeugnisse und Weiterbildungen


Der Lebenslauf in einer Initiativbewerbung

Was in einen Lebenslauf gehört ist schnell erfasst: es gibt einen Pflichtteil und die Kür - also freiwillige Angaben, die nicht zwingend notwendig sind. Diese umfassen zum Beispiel das Geburtsdatum, persönliche Interessen und Angaben zum Führerschein.

Grundsätzlich gilt es folgenden Aufbau zu beachten:
  • Persönliche Daten
  • Berufliche Laufbahn (aktuellstes zuerst)
  • Weiter- und Fortbildungen
  • Sonstige Kenntnisse (Sprach- und EDV-Kenntnisse und falls erwünscht: Interessen)
Der Lebenslauf sollte dazu dienen, dem Personaler alle relevanten Informationen über die eigene Person zur Verfügung zu stellen. Das heißt aber auch, dass nicht jedes Detail oder jede winzige Kleinigkeit erwähnt werden soll. Zu viele Informationen erschlagen oft den Personaler und er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

Tipp: Achten Sie darauf, dass der Personaler mit dem Fremdvokabular etwas anfangen kann. Falls Sie eine längere Dienstzeit in der Bundeswehr hatten, dann reicht es nicht aus, die vielen Dienstjahre im Lebenslauf mit einem „2003-2015: Bundeswehr" abzubügeln. Auch das Bewerbungsfoto ist sehr wichtig, selbst wenn der Trend dahin geht der Bewerbung kein Foto beizufügen. Nutzen Sie daher ein qualitativ hochwertiges Foto von sich, auf dem Sie seriös wirken - Urlaubsbilder, bunte Hemden oder ausgewaschene T-Shirts etc. sind daher ein absolutes Tabu. Für Männer gilt Hemd und Sakko, für Frauen Bluse oder ein einfarbiges Oberteil, welches gegebenenfalls mit einem Blazer kombiniert werden kann.

Das Anschreiben - wichtigstes Dokument in der Initiativbewerbung

Beim Anschreiben geht es vor allem darum, dass der Personaler den Bewerber etwas näher kennenlernt. Deshalb sollten darin ein Überblick über Ihre bisherige berufliche Laufbahn sowie Ihre persönliche Motivation, warum Sie sich ausgerechnet für dieses Unternehmen entschieden haben, zum Ausdruck kommen. Denn der individuell formulierte Bezug auf den angeschriebenen Arbeitgeber hat eine hohe Bedeutung. Erwähnen Sie im Anschreiben die Besonderheiten der Firma, dann wird schnell klar, dass es sich hierbei nicht um eine Massenbewerbung handelt. Der Personaler erkennt sofort, inwiefern sich der Bewerber bereits im Vorfeld mit dem Unternehmen auseinandergesetzt hat. Außerdem erleichtert eine eindeutige Bezeichnung wie zum Beispiel: „Initiativbewerbung für den Bereich Vertrieb" die genauere Zuordnung der Bewerbung für einen bestimmten Bereich innerhalb des Unternehmens.

Tipp: Am besten nehmen Sie sich Stift und Zettel sowie 10 Minuten Zeit, um sich darüber bewusst zu werden, warum Sie sich eigentlich genau dort bewerben wollen. Haben Sie einen besonderen Bezug zu dem Unternehmen? Können Sie sich mit den Werten und Zielen des Unternehmens identifizieren? Gibt es Produkte oder Dienstleistungen, die Sie besonders interessieren? Was für Qualifikationen besitzen Sie konkret, um ein potenzielles Problem im Unternehmen lösen zu können? Je spezifischer Ihre Antworten auf diese Fragen ausfallen, desto feingliedriger und präziser wird das Anschreiben und desto höher sind auch die Chancen auf ein anschließendes Vorstellungsgespräch.

Checkliste für ein gelungenes Anschreiben

  • Absender: (Name, Adresse, Telefonnummer (auch mobil), E-Mail-Adresse)
  • Datum (rechts)
  • Betreff (Eindeutige Zuordnung des Fachbereichs)
  • Persönliche Anrede
  • 1. Absatz: Einstieg (Warum interessieren Sie sich für das Unternehmen? Wie sind Sie auf das Unternehmen aufmerksam geworden?)
  • 2. Absatz: Eigendarstellung (Hier wird kurz auf die akademische/berufliche Laufbahn und die Berufserfahrung eingegangen. Auch sonstige Fähigkeiten und Kenntnisse sind hier gerne gesehen.)
  • 3. Absatz: Persönliche Kompetenzen: (Hier sollten Sie versuchen die Frage zu beantworten, warum Sie selbst perfekt in das Unternehmen passen und welche besonderen Fähigkeiten Sie zusätzlich mitbringen. Gegebenfalls kann hier auch auf Kündigungsfristen oder den frühestmöglichen Eintrittstermin eingegangen werden.)
  • Abschlussformulierung
  • Unterschrift
  • Anlagen (Lebenslauf, Zeugnisse)
Mit einem kurzen Schlusssatz, wie zum Beispiel: „Ich würde mich freuen, Sie in einem persönlichen Gespräch von meinen Fähigkeiten zu überzeugen." wird der Personalabteilung indirekt die Aufforderung gegeben, sich mit Ihnen in Verbindung zu setzen.


Verhalten nach einer Initiativbewerbung

Wenn Sie nach einigen Wochen noch nichts vom Unternehmen gehört haben, ist es legitim wieder selbst die Initiative zu ergreifen und sich bei der Personalabteilung telefonisch über den Stand der Bewerbung zu erkundigen. Am Ende des Gesprächs ist es wichtig, dass Sie sich auf einen zukünftigen Ablauf einigen und das weitere Vorgehen besprechen.

Natürlich liefert Ihnen die Initiativbewerbung noch keine Garantie auf einen raschen Wiedereinstieg nach Dienstzeitende. Doch mit dem notwendigen Quäntchen Glück und unseren Tipps steht der Karriere nach der Bundeswehr wieder etwas weniger entgegen.

Gastartikel von Britta Kiwit - Gründerin und Gesellschafterin von www.dein-lebenslauf.com.
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