Zwischen Tradition und Technik

Immer den Blick nach vorne gerichtet: Diplom-Kaufmann Jan Heinze, Geschäftsführer der Technischen Fachschule Heinze, im Gespräch mit DIENSTZEITENDE über Weiterbildung und Chancen in der Luftfahrtbranche.

Die Ausbildung von Menschen gehört bei der TF Heinze quasi schon zur Familientradition. Inwiefern können Ihre Studierenden von diesen Erfahrungen profitieren?

Die Gründung der Technischen Fachschule Heinze geht bereits auf das Jahr 1937 zurück. Dadurch können wir zusammen mit unseren Dozenten sowie den Mitarbeitern der Leitung und der Verwaltung auf viele Jahrzehnte praktische Erfahrung zurückblicken. Ich denke, dass uns das täglich weiterhilft, eine didaktisch und organisatorisch erstklassige Schule zu sein. Außerdem ist es für die Studierenden hilfreich, dass sich die Schule über all die Jahre einen guten Namen gemacht hat. Wir sind deshalb in vielen Branchen bekannt, was die Jobsuche unserer Absolventen enorm erleichtert. Allerdings ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus diesen über 70 Jahren, dass es trotz aller Traditionen darauf ankommt, sich immer wieder den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Schließlich muss man stets bedenken, dass Lehrpläne, Lehrmethoden, Lehrmaterialien oder eingesetzte Medien, die gestern noch brandaktuell waren, morgen schon nicht mehr von Relevanz seien können. Daher ist der Blick nach vorne auch wichtiger als der Blick zurück!

Die Luftfahrtbranche war im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise in einigen Turbolenzen. Heute ist die Stimmung bei den Luftfahrtzulieferern aber schon wieder verhalten optimistisch. Wie bewerten Sie die Zukunftsperspektiven Ihrer Absolventen in diesem viel versprechenden Wirtschaftsbereich?

Wechselhafte Zyklen gibt es natürlich immer und in jeder Branche, so ist die Wirtschaft. Fakt ist aber, dass die Luftfahrtbranche in Deutschland, Europa und der Welt derzeit besser dasteht als sehr viele andere Branchen. Man kann es eigentlich in jeder beliebigen Marktstudie nachlesen, dass in den nächsten Jahrzehnten tausende qualifizierter Fachkräfte für die vielen Einsatzbereiche in der Luftfahrt benötigt werden. Insofern treffen unsere Absolventen des Luftfahrtbereiches schon auf ein sehr günstiges Marktumfeld. Sie werden als Experten geradezu umworben. Wenngleich man aber deutlich sagen muss, von selber geht nichts. Es liegt immer noch in der Verantwortung jedes einzelnen, seine Chance wahrzunehmen und die Bildungskarriere in Angriff zu nehmen.

Luftfahrzeugtechniker ist für viele ein Traumberuf. Welche Voraussetzungen sollte man dafür mitbringen?

Um eine Fortbildung zum staatlich anerkannten Techniker mit Schwerpunkt Luftfahrt absolvieren zu können, gibt es zunächst mal formale Zugangsvoraussetzungen. Bewerber müssen einen Berufsabschluss in einem technischen Beruf haben und mindestens ein Jahr gearbeitet haben. Praxiserfahrung bei der Bundeswehr dürfen wir hier übrigens anerkennen. Abgesehen davon ist es von großem Vorteil, wenn man für seine spätere berufliche Karriere bereit ist, die Arbeitsstandorte zu wechseln. Denn die Luftfahrtbranche ist nun mal eine globale Branche. Damit geht übrigens einher, dass Englisch in vielen Fällen mehr oder weniger zur ersten Sprache werden wird und man daher definitiv auf gute Englischkenntnisse achten sollte.

Haben Zeitsoldaten, die während der Dienstzeit im kraftfahrzeugtechnischen Bereich eingesetzt waren, eventuell einen Vorteil bei der Weiterbildung zum Maschinentechniker mit Schwerpunkt Luftfahrzeugtechnik?

Ich denke schon. Immerhin kommen eine ganze Reihe unserer angehenden Luftfahrzeugtechniker aus kraftfahrzeugtechnischen Bereichen und es hat sich herausgestellt, dass diese Kombination sehr gut funktioniert. Ein Kfz ist zwar kein Fluggerät, aber allein der große Bezug zur Mechanik oder Mechatronik ist von großem Vorteil.

Die Teilnehmer der Technikerausbildung müssen auch ein mehrwöchiges Praktikum absolvieren. Wie wichtig sind diese praxisorientierten Bestandteile für eine erfolgreiche Qualifizierung?

Das Praktikum halten wir für sehr wichtig. Es bietet sowohl Studierenden als auch Arbeitgebern die Möglichkeit, sich kurz vor dem Abschluss in einem noch relativ unverbindlichen Umfeld kennenzulernen. Das ist eine riesige Chance für beide Seiten eine spätere Zusammenarbeit rechtzeitig anzubahnen und sich vor Ort gegenseitig näher kennen zu lernen. Man sieht das allein schon daran, dass die meisten unserer Absolventen nach dem erfolgreichen Abschluss der Technikerfortbildung bei ihrem Praktikumsarbeitgeber einsteigen. Zudem erarbeiten auch viele unserer angehenden Techniker ihre Facharbeiten in Kooperation mit ihren Praktikumsbetrieben. Dadurch entsteht für die Arbeiten ein sehr großer Praxisbezug und ganz nebenbei die Aussicht auf eine erfolgreiche zukünftige Karriere.

Wie groß ist Ihrer Meinung nach der Stellenwert von webbasierten Netzwerken oder Community-Plattformen wie Xing & Co. für Studierende und Absolventen?

Diese Netzwerke oder Plattformen haben den gleichen Nutzen wie ein herkömmliches Beziehungsnetzwerk, persönliche Kontakte, ein Berufsverband, Ehemaligenvereine oder ähnliches außerhalb des Internets. Nur, dass sich durch die Technologie bei richtiger Nutzung die Möglichkeiten vervielfachen. Auf unserer webbasierten TFH-Community vernetzen sich viele ehemalige Jahrgänge und aktive Studierende untereinander. Das fördert nicht nur das Zusammengehörigkeitsgefühl, sondern hilft in vielen Situationen weiter. Stellen Sie sich vor, wie einfach es nun für einen Studierenden im dritten Semester ist, mal ein paar Ehemalige herauszusuchen, die in gehobenen Positionen bei interessanten Arbeitgebern stehen und diese über Facharbeitsthemen, ein Praktikum oder Einstiegsmöglichkeiten zu befragen. (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Bildungspartner für Zeitsoldaten

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