Zukunft in der Luftfahrtbranche

Nicht nur für Fluglotsen: Hauptmann d.R. Sascha Hissler und der Leiter des WIT, Prof. Dr. Thomas Biermann, informieren über das berufsbegleitende Masterstudium Aviation Management und die Chancen im Luftfahrtbereich.

Seit 2006 bietet das Wildau Institute of Technology (WIT) international ausgerichtete Masterstudiengänge an. Herr Prof. Dr. Biermann, in welchen Studienfächern wird bei Ihnen akademische Ausbildung betrieben?

BIERMANN: Wir gehören zur Technischen Hochschule Wildau (FH), der größten Fachhochschule des Landes Brandenburg mit einem breiten Studienangebot aus Wirtschaft und Technik. So reicht das Fächerspektrum in Wildau von Maschinenbau, Logistik, Telematik und Luftfahrttechnik über Biowissenschaften und BWL bis hin zu Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsrecht. Um die zahlreichen Studienmöglichkeiten noch weiter abzurunden haben wir darüber hinaus drei Masterprogramme für Berufstätige aufgesetzt: den Master of Business Administration, den Master of Aviation Management sowie den Master in Renewable Energies. 

Gerade die Luftfahrtbranche hat in den letzten Jahren unruhige Zeiten durchlebt. Ist ein Mastertitel im Aviation-Bereich überhaupt ein Abschluss mit Zukunft?

BIERMANN: Nach meiner Bewertung auf jeden Fall. Schließlich ist und bleibt die Luftfahrt einer der wachstumsstärksten Wirtschaftsbereiche weltweit. Sie wächst im Durchschnitt doppelt so stark wie die Wirtschaft insgesamt - und das wird auch weiterhin so bleiben. Allerdings kann es zwischendurch schon einmal Holprigkeiten und Krisen geben, aber auf lange Sicht sind hier die Karriereperspektiven sehr gut.

Und welche Jobmöglichkeiten eröffnet der erfolgreiche Masterabschluss Ihren Absolventen?

BIERMANN: Wir beleuchten in Aviation Management die gesamte Wertschöpfungskette der Luftfahrt. Angefangen beim Flugzeughersteller über die Wartung bis zu den Fluggesellschaften und Flughäfen. Auch die Luftraumkontrolle und die ganzen Dienstleister Drumherum werden im Rahmen der akademischen Ausbildung betrachtet. Das qualifiziert unsere Absolventen besonders für komplexe Führungspositionen an den Schnittstellen der Luftfahrtbranche. Also genau dort wo man ebenfalls das Geschäft der anderen Akteure verstehen muss. Die Mehrzahl unserer ehemaligen Studenten arbeitet heute im technisch orientierten Management oder im Marketing bei bekannten Unternehmen des gesamten Luftfahrtbereichs.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um bei Ihnen den Master of Aviation Management erwerben zu können?

BIERMANN: Hier verlangen wir einen Bachelor oder ein Diplom, vorzugsweise als Ingenieur oder Wirtschaftsexperte. Darüber hinaus müssen unsere Studenten mindestens ein Jahr qualifizierte Berufserfahrung und sehr gute englische Sprachkenntnisse nachweisen können. Im Übrigen zeigen unsere Erfahrungen, dass Offiziere der Bundeswehr dies alles problemlos mitbringen.

Herr Hissler, wie sind Sie als Zeitsoldat auf die Idee gekommen Aviation Management zu studieren und in die zivile Luftfahrt zu wechseln?

HISSLER: Nach meinem Studium der Staats- und Sozialwissenschaften an der Universität der Bundeswehr in München habe ich an der Technischen Schule der Luftwaffe die Ausbildung zum Flugverkehrskontrolloffizier absolviert und war im Anschluss als Fluglotse tätig. Da meine militärische Ausbildung leider nicht aufs Studium aufgebaut hat, wollte ich meine bis dato in der Luftfahrt gewonnenen praktischen Fähigkeiten nach dem Dienstzeitende mit einem speziell darauf zugeschnittenen Studium ergänzen. Da ich mit meiner Qualifizierung zum Fluglotsen schon eine gute Grundlage für einen Wechsel in die zivile Luftfahrt legen konnte, wollte ich mit dem Masterstudium Aviation Management meine Bewerbungschancen auf dem zivilen Arbeitsmarkt erhöhen. Immerhin steht man zum Dienstzeitende als "Ü30" in Konkurrenz zu den weitaus jüngeren Studienabsolventen. Hier zählt bei den Bewerbungen am Ende jede zusätzliche Qualifikation und besonders ein Masterstudium.

Stellen Sie den Masterstudiengang Aviation Management am WIT doch einmal näher vor.

HISSLER: Das Studium gliedert sich in insgesamt vier Semester, wobei das letzte Semester ausschließlich zum forschen und schreiben der Masterthesis gedacht ist. Im Rahmen von "Präsenzphasen" verbringt man zwei Mal pro Semester jeweils zwei Wochen am WIT. Dazu werden die Räumlichkeiten der südöstlich von Berlin gelegenen Technischen Hochschule Wildau genutzt. Diese Zeit habe ich immer als sehr fordernd empfunden, da der Stundenplan oft von Montag bis Samstag von morgens 8:00 Uhr bis abends 19:00 Uhr mit Vorlesungen vollgepackt wurde. An ein entspanntes Berliner Studentenleben war leider nicht zu denken. Aber das ist gut nachvollziehbar, weil die Mehrzahl der Studenten von sehr weit anreisen und das WIT die Zeit vor Ort so effektiv wie möglich gestalten will. So ist sichergestellt, dass die Studenten eben "nur" vier Wochen pro Semester in Wildau verbringen müssen und die zusätzlichen Unterbringungs- und Verpflegungskosten so gering wie möglich gehalten werden. In den Zeiten zwischen den Vorlesungsblöcken befasst man sich dann unter anderem mit dem lösen von Aufgaben oder dem vorbereiten von Präsentationen. Das geschieht meist im Team zusammen mit den anderen Studenten, mit denen man dann regelmäßig online in Verbindung steht. Als schöner Nebeneffekt haben sich daraus auch Freundschaften entwickelt, die bis heute anhalten und einander verbinden.

BIERMANN: Ich möchte an dieser Stelle hinzufügen, dass wir bei der Benennung des Studiums am liebsten die deutsche Bezeichnung „Wirtschaftsingenieur" genutzt hätten. Doch leider kann man mit diesem Begriff im Ausland nicht viel anfangen. Da die Mehrzahl unserer AVIMA-Studierenden aus fernen Ländern wie Brasilien, Indien, Mexiko, Spanien oder Thailand kommt haben wir uns dann doch für einen englischen Ausdruck entschieden. Was die Studieninhalte anbetrifft, so sind rund die Hälfte der Themen von technisch-operativer Natur. Die andere Hälfte des vermittelten Lernstoffes liegt in den Bereichen Management und soziale Kompetenzen.

Ist es denn schwierig der Ausbildung auf Englisch zu folgen?

HISSLER: Da ich in meiner Tätigkeit als Flugverkehrskontrolloffizier in einem internationalen NATO-Verband sowieso nur englisch gesprochen habe, fielen mir die Diskussionen und Unterhaltungen mit den Kommilitonen nicht so schwer. Aber trotz meiner sehr guten Sprachkenntnisse waren für mich die akademischen Seminararbeiten und speziell die Erstellung der Masterthesis in englischer Sprache schon eine besondere Herausforderung. Trotzdem halte ich einen Englisch-SLP mit 3332 für ausreichend. Die meisten Universitäten, die berufsbegleitende oder weiterführende Studiengänge anbieten, verlangen als ein entsprechendes TOEFL- oder IELTS-Zertifikat als Eingangsvoraussetzung. Zum Glück ist man am WIT schon einen Schritt weiter, da hier auch das militärische SLP-Zertifikat anerkannt wird. Da die meisten Offiziere ein solches SLP-Zeugnis vorweisen können, hat man hier gleich die erste Hürde genommen und muss nicht erst noch mit viel Aufwand ein äquivalentes "ziviles" Zertifikat erwerben.

BIERMANN: Aus meinem bisherigen Erleben kann ich sagen, dass die deutschen Studierenden bisher mit Englisch generell keine Probleme hatten. Die Kommilitonen aus Südeuropa und Südostasien tun sich da schon eher mal schwer. Aber auch das ist kein wirklicher Stolperstein, da wir in den Präsenzwochen über eine längere Zeit voll in die englische Sprache eintauchen und man dadurch schnell voneinander lernen kann.

Hat man nach Ihrer Bewertung als ehemaliger Offizier eher Vor- oder Nachteile gegenüber den zivilen Mitstudenten? 

BIERMANN: Ich kann hier eigentlich nur positives berichten. Unsere Bundeswehrstudenten sind allesamt sehr zielstrebig und überdurchschnittlich gut organisiert. Das hilft natürlich bei der Bewältigung der anstehenden Anforderungen und dem erfolgreichen meistern des Studiums enorm. Hier merkt man, dass die meisten Offiziere über einen großen im Zuge der militärischen Ausbildung gewonnen Erfahrungsschatz verfügen und darüber hinaus auch sehr ausgeprägte soziale Kompetenzen besitzen.

HISSLER: Durch mein Diplom-Studium an der Bundeswehruniversität war ich strukturiertes arbeiten und das Verfassen von akademischen Seminararbeiten gewohnt. Allerdings waren seit Erstellung der Diplomarbeit und dem Studienbeginn am WIT schon wieder sieben Jahre vergangen, so dass ich mich erst wieder einarbeiten musste. Außerdem konnte ich feststellen, dass mittlerweile auch im Hörsaal der technische Fortschritt Einzug gehalten hat. Denn zu meiner Zeit waren Laptops noch kaum verbreitet. Man musste daher alles per Hand mitschreiben oder darauf hoffen, dass der Professor ein Handout zur Vorlesung verteilte. Heutzutage haben alle Studenten ihre Laptops vor sich stehen, schreiben live mit und greifen online auf die Materialen zu, die einem von den Dozenten im online-Speicher zur Verfügung gestellt werden. Für die zivilen Mitstudenten, die kurz nach ihrem bestandenen Bachelorstudium den Masterstudiengang belegt haben, war dies natürlich ganz selbstverständlich. Ich für meinen Teil habe hier eher Neuland betreten und musste mir erst mal ein MacBook kaufen.

Herr Hissler, was hat Ihnen während Ihres Aufbaustudiums am WIT am besten gefallen?

HISSLER: Mich hat insbesondere die Internationalität am WIT begeistert. Während man an der Bundeswehr-Uni eher eine homogene Studentengruppe war, bestand mein WIT-Jahrgang aus interessierten Luftfahrtstudenten aus ganz Deutschland, Österreich, Rumänien, Indien, Australien und Canada. Und genau das habe ich als sehr bereichernd empfunden. Gerade in Fächern wie "Crosscultural Management" oder "Aviation and Society" war es interessant zu sehen, wie Studenten die jeweiligen Aufgabenstellungen durch ihre vorherige gesellschaftliche und kulturelle Prägung mit den unterschiedlichsten Lösungsansätzen gemeistert haben. Viele Master- und Aufbaustudiengänge werden ja speziell für ausscheidende Offiziere konzipiert. Allerdings waren diese nichts für mich, da ich nicht schon wieder mit den gleichen „Artgenossen" zusammensitzen wollte. Der internationale Personenkreis mit Studenten, die teilweise schon über Berufserfahrung verfügten, war sehr bereichernd und hat mir persönlich am besten gefallen.

Inwiefern konnten Sie vom theoretischen Wissen aus den Vorlesungen auch in der Praxis profitieren?

HISSLER: Durch meinen Job als Fluglotse bin ich eher operativ tätig und weniger am Schreibtisch aktiv. Im Verlauf des Studiums hatte ich jedoch mit einer total spannenden Seminararbeit zu tun, so dass ich mich für die praktische Umsetzung des dort aufgearbeiteten theoretischen Sachverhalts interessierte. Also habe ich mich weiter in die Thematik eingearbeitet, Kontakte geknüpft und durch ein ebenfalls vom BFD unterstütztes Berufsorientierungspraktikum bei einem bekannten Flughafenbetreiber die Umsetzbarkeit in die Praxis eruiert. Dort kam mein theoretisches Wissen auf diesem Gebiet so gut an, so dass ich die Thematik vor Ort als Masterthesis ausarbeiten durfte und zum erfolgreichen Abschluss sogar ein Jobangebot bekam.  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Studium nach der Bundeswehr

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