Von der Truppe in die Kita

Experten in der Kindererziehung: Katja Henning von FORUM Berufsbildung und Stabsgefreiter d.R. David Hinz berichten über die Ausbildung zum Erzieher sowie die Perspektiven in der Erziehungsbranche.

FORUM Berufsbildung bildet schon seit vielen Jahren pädagogische Fachkräfte aus. Frau Henning, was sollte ein Interessent möglichst mitbringen, um bei Ihnen eine Ausbildung zum/r „Erzieher/in (staatlich geprüft)" durchlaufen zu können?

HENNING: Als formale Voraussetzung zählt der Schulabschluss und gegebenenfalls eine abgeschlossene Ausbildung oder Berufserfahrung. Es gibt aber eine Vielzahl an Kompetenzen und Fähigkeiten die ein Interessent trotzdem mitbringen sollte. Hierzu zählt unter anderem das Interesse an sozial-beratenden Tätigkeiten, wie zum Beispiel die  Elternberatung oder das Verständnis sowie das Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse einzelner Kinder. Weitere Schwerpunkte hinsichtlich der notwendigen Fähigkeiten der zukünftigen Erzieherinnen und Erzieher liegen im kreativen Gestalten. Tätigkeiten wie das Entwerfen von Anschauungsmaterial wie Bildtafeln und Arbeitsblättern nach eigenen Ideen oder das Gestalten von Freizeitaktivitäten gehören zur Tagesordnung und sollten angehenden Erziehungskräften neben der fachlichen Eignung auch selbst Freude bereiten.

Für die praktisch-konkreten Tätigkeiten benötigen Auszubildende ebenfalls entsprechende Kompetenzen und das richtige Händchen. Hierzu zählt die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen beispielsweise bei der täglichen Körperpflege. Das außerdem auch für verwaltungsorganisatorische Tätigkeiten, wie das Erstellen von Beobachtungsbögen, Berichten über Einzelfallentwicklungen oder Gutachten für Jugendämter. Darüber hinaus werden neben den selbstverständlichen Merkmalen des Arbeits- und Sozialverhaltens wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Kritikfähigkeit sowie angemessene Umgangsformen vor allem einige berufsspezifischen Merkmale benötigt, um den Beruf später möglichst gut ausüben zu können. Das wären aus meiner Sicht: körperliche und psychische Belastbarkeit, Verantwortungsbewusstsein und -bereitschaft sowie hohes Reflexionsvermögen oder Geduld und Einfühlungsvermögen.

Herr Hinz, Sie als ehemaliger Zeitsoldat haben am Ende Ihrer Dienstzeit in der Bundeswehr eine Ausbildung zum Erzieher begonnen. Warum haben Sie sich für diesen Weg entschieden?

HINZ: Ursprünglich wollte ich nach meinem Dienstzeitende in den öffentlichen Dienst wechseln, was allerdings nicht so wie geplant geklappt hat. Eine grundlegende Veränderung meiner familiären Situation war dann der eigentliche Ausgangspunkt für meine berufliche Neuausrichtung. Denn durch den Umgang mit dem Kind meiner neuen Partnerin kam in mir der Gedanke auf, nach der Bundeswehr in den Erziehungsbereich zu gehen. Schließlich habe ich durch den täglichen Umgang mit meinem Ziehkind ziemlich schnell festgestellt, dass mir die Arbeit mit Kindern enorm viel Freude bereitet. Es ist mir ein persönliches Anliegen bei der Erziehung von Kindern mitzuwirken und dabei möglichst pädagogische Hilfe zu leisten.

Natürlich ist die Arbeit als Erzieherin bzw. Erzieher nicht immer ganz einfach. Wo liegen denn die Herausforderungen aber auch Vorzüge in diesem Beruf?

HENNING: Die Vorzüge bestehen meiner Ansicht nach darin, dass man durch sein tägliches Handeln am und mit dem Menschen viel Gutes bewirken kann. Sie ermöglicht uns somit wesentlich zur Entwicklung eines noch sehr jungen Menschen beizutragen. Zudem erlaubt die Erziehungstätigkeit einen hohen Grad an Abwechslung in den täglichen Aufgaben. Nicht vernachlässigt werden dürfen ebenfalls die geregelten und familienfreundlichen Arbeitszeiten. Die Herausforderungen sehe ich vor allem in einer hohen körperlichen Belastung. Zum Beispiel durch die Überbeanspruchung des Rückens durch das Tragen von Kindern oder die Belastung der Körperhaltung durch nicht ausreichend ergonomisch geformtes Mobiliar. Denn das kann auf Dauer zu körperlichen Schäden führen. Auch der hohe Lärmpegel durch die spielenden Kinder stellt eine Gefährdung der Gesundheit dar.

HINZ: Meiner Meinung nach gibt es neben den bereits von Frau Henning genannten Vorzügen auch einige Herausforderungen. Für mich persönlich sehe ich vor allem eine große Herausforderung darin, die verschiedenen Rollen als Erzieher erfüllen zu können und den Ansprüchen aller Beteiligten - sei es den neuen Kollegen, den Kindern aber auch den Eltern - gerecht zu werden. Dabei ist es mir sehr wichtig, potenzielle Konflikte rechtzeitig zu bemerken und noch entsprechend entgegensteuern zu können. Der Erzieherberuf ermöglicht es mir im Gegenzug aber auch, den Eltern eine gute Unterstützung bei der täglichen Erziehung ihrer Kinder sowie bei der Lösung von pädagogischen Problemen zukommen zu lassen. Denn vor allem alleinerziehende Elternteile haben es oft nicht leicht Familie, Erziehung und Beruf unter einen Hut zu bringen. Für mich entsteht hier eine echte „Win-Win"-Situation für alle. Darüber hinaus kann ich den Kindern durch mein persönliches Mitwirken einen guten Start in ihr zukünftiges Leben ermöglichen, was mich mit sehr viel Stolz und Freude erfüllt. 

Wie sieht die Ausbildung zum/r „Erzieher/in (staatlich geprüft)" bei FORUM Berufsbildung im Detail aus?

HENNING: Die Ausbildung findet entweder vollzeitschulisch oder berufsbegleitend statt. Beide Ausbildungen dauern jeweils drei Jahre. In der vollzeitschulischen Ausbildung besucht man natürlich durchgängig die Schule und absolviert drei mehrmonatige Praktika. Die berufsbegleitende Ausbildung ist hingegen dual aufgebaut. Das bedeutet, dass man für die Dauer der Ausbildung eine dreijährige Festanstellung in einer sozialpädagogischen Einrichtung hat. Also zum Beispiel an einer kommunalen oder privaten Kindertagesstätte, einem Betriebskindergarten, einer Erziehungs- oder Wohnheimeinrichtung oder in einer Familien- und Suchtberatungsstelle tätig ist. Parallel zur täglichen Arbeit absolvieren unsere Teilnehmenden dann die theoretische Ausbildung, die in der Regel zwei Tage pro Woche in Anspruch nimmt und zusätzlichen Blockunterricht beinhaltet. Die Inhalte der Ausbildung liegen dabei unter anderem in den Bereichen Pädagogik, Psychologie, Soziologie, Recht, musisch-kreative Gestaltung sowie Bewegung und Spiel, Gesundheit, Ökologie oder in der Kommunikation und der Verwaltung.

Herr Hinz, warum haben Sie sich für FORUM Berufsbildung als Ausbildungsstätte entschieden?

HINZ: Während meiner Berufsfindungsphase habe ich mich intensiv auf die Suche nach einem passenden Bildungsanbieter gemacht. Im Verlauf meiner Recherchen stieß ich im Internet natürlich auf die verschiedensten Unternehmen. Den Ausschlag hat mir aber letztendlich die Agentur für Arbeit gegeben, wo mir meine Beraterin FORUM Berufsbildung vorgeschlagen und mit Nachdruck empfohlen hat. Ein großer Anreiz war für mich natürlich auch die deutlich kürzere Ausbildungszeit im Vergleich zu anderen Ausbildungsangeboten. Denn FORUM Berufsbildung bietet neben der guten Prozess- und Strukturqualität ebenfalls deutlich kürzere Ausbildungszeiten. So beträgt die durchschnittliche Lehrzeit zum Erzieher in Mecklenburg-Vorpommern rund 4 bis 5 Jahre, wohingegen diese bei FORUM Berufsbildung deutlich kürzer ausfällt - und zwar ohne dass die Qualität darunter leidet. Durch den aus meiner Sicht optimal geregelten Ausbildungsplan kann ein Auszubildender bereits nach 3 Jahren sein Zertifikat in den Händen halten. Zumindest wenn alles erwartungsgemäß verläuft.

Was sind eigentlich Ihre persönlichen Erwartungen an die Ausbildung zum Erzieher bzw. was erwarten Sie vom Berufsbild des Erziehers?

HINZ: Ich erwarte mir eine optimale und umfassende pädagogische Vorbereitung, um meine Erziehungsaufgaben künftig einwandfrei und fehlerfrei ausüben zu können. Immerhin ist der Beruf, wie ich bereits im Rahmen meines Praktikums feststellen musste, sehr anspruchsvoll und mit ausgesprochen viel Verantwortung behaftet. Daher ist es mir unheimlich wichtig ein fachlich fundiertes und gleichzeitig praxiserprobtes Rüstzeug an die Hand zu bekommen, mit dem ich die beruflichen Herausforderungen möglichst gut meistern kann. Schließlich möchte ich den Kindern durch mein persönliches Mitwirken später eine optimale Ausgangsbasis für ihr weiteres Leben geben. Meine damalige Entscheidung für die Ausbildung zum Erzieher habe ich deshalb bis heute zu keiner Zeit bereut. Mein nächstes großes Ziel nach dem erfolgreichen Abschluss ist dann der Schritt in die Selbstständigkeit.

Was hat Ihnen bisher an der Ausbildung zum Erzieher am besten gefallen?

HINZ: In dem halben Jahr in dem ich nun Auszubildender bin, war mein dreimonatiges Praktikum in einer Kita das bisher größte Highlight für mich. Das hat mir sehr viel Freude bereitet und mir bis dato auch am besten gefallen. Immerhin ist mir der praktische Anteil an der Ausbildung, also der direkte Umgang mit den Kindern, sehr wichtig. An dieser Stelle möchte ich unbedingt positiv erwähnen, dass ich in der Kindereinrichtung durch meine Erzieherkollegen sowie den Mitarbeitern in allen Bereichen der Einrichtung sofort ins Team integriert wurde. So konnte ich mir während dieser Praxiszeit sehr viel für den theoretischen Teil aneignen und mich dabei immer wieder selbst reflektieren. Darüber hinaus wurde mir enorm viel Freiraum in der Kita gewährt und geboten - gerade bei der Durchführung und Umsetzung von Projekten, wie beispielsweise beim Gestalten von Ausflügen oder ähnlichen Sachen. In der Schule bei FORUM Berufsbildung selbst empfinde ich die strukturierten Abläufe als sehr angenehm, was sich ebenfalls in unserer guten Klassenharmonie wiederspiegelt. Aber auch das Schüler-Lehrerverhältnis ist bei FORUM Berufsbildung echt spitze, so dass Fragen oder Probleme immer offen angesprochen werden können. Die Lehrkräfte leisten hier eine gute Unterstützung und helfen uns bei der Bewältigung der schulischen Herausforderungen.

Frau Henning, gerade in der Erzieherbranche werden händeringend Fachkräfte gesucht. Wie sehen demzufolge die Job-Perspektiven Ihrer Absolventen aus?

HENNING: Die sehr guten beruflichen Perspektiven können wir ganz klar bestätigen. Gerade durch den erst seit August 2013 bestehenden Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Eltern mit Kindern unter drei Jahren gibt es aktuell viele offene Stellen. Geeignete Erzieherinnen und Erzieher zu finden wird für Kitas daher aber immer schwieriger. So kommen auf eine ausgeschriebene Stelle oftmals weniger als zehn geeignete Bewerber. Die zukünftigen Arbeitnehmer können sich deshalb genau aussuchen, welche Stelle sie am Ende annehmen möchten. Die Jobsuchenden haben darüber hinaus den großen Vorteil, dass sie nach den besten Rahmenbedingungen und persönlichen Vorlieben wählen können. Durch die Erhöhung der Stundenanzahl im theoretischen Teil der Umschulung - bezogen auf die berufsbegleitende Ausbildung - sind zukünftig auch die Berliner Ausbildungen bundesweit anerkannt. Das bedeutet, dass unsere Absolventen auf dem Arbeitsmarkt später wirklich gute Karten haben.

Können Sie abschließend noch ganz kurz auf die Verdienstmöglichkeiten im Erziehungsbereich eingehen?

HENNING: Der Verdienst einer Erzieherin oder eines Erziehers richtet sich unter anderem  danach, ob man im öffentlichen Dienst angestellt ist und inwiefern das Gehalt nach einem entsprechenden Tarifvertrag geregelt wird. Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Verdiensthöhe ist die Anzahl an Berufsjahren, die man bereits vorweisen kann. Im öffentlichen Dienst liegt das Einstiegsgehalt bei etwa 2350 Euro brutto für eine Vollzeitstelle.  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Weiterbildung nach der Bundeswehr

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