Vom PersUffz zum Personalleiter

Karriere optimal gestaltet: Der ehemalige Stabsunteroffizier und Dr. Holger Schwarz berichtet über seinen erfolgreichen Weg vom Sachbearbeiter zum Leiter einer Personalabteilung sowie über lebenslanges Lernen.


Als Personalunteroffizier haben Sie die Möglichkeiten des Berufsförderungsdienstes (BFD) voll ausgenutzt und nach der Bundeswehr Karriere im Personalwesen gemacht. Stellen Sie uns Ihren Werdegang doch mal vor.

Zu meinem Dienstzeitende (DZE) hatte ich zunächst das Interesse noch einmal eine bodenständige Berufsausbildung zu absolvieren. Denn ich wollte nicht mehr in meinen alten Beruf als Kaufmann im Einzelhandel zurück. Ein guter Freund ging damals direkt nach der Schule diesen Weg und bekleidet heute als Bürovorsteher in einer Anwaltskanzlei eine verantwortungsvolle Führungsposition. Daher hatte ich mir ein ähnliches Karrieremodell für mein DZE zurecht gelegt, so dass ich zum BFD-Beginn mit der Umschulung zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten in einer größeren Kanzlei in Darmstadt begann. Als ich aber zum Ende der verkürzten Umschulung mit dem Übernahmeangebot der Kanzlei die Höhe meines letzten Bundeswehrgehalts nicht mehr halten konnte, entschied ich mich die Kanzlei zu verlassen.

Es bot sich mir dann im Januar 2001 die Chance in Darmstadt als Personalsachbearbeiter und Assistent der Geschäftsleitung bei einem Personaldienstleistungsunternehmen zu starten. Hier konnte ich erstmalig Erfahrung im Personalwesen in der freien Wirtschaft sammeln. Es war mir sehr schnell bewusst, dass ich mich beruflich weiterentwickeln möchte, um als Personalreferent die nächste Stufe im Bereich Human Ressources (HR) erklimmen zu können. Dazu war jedoch mindestens eine Aufstiegsfortbildung zum Personalfachkaufmann erforderlich. Aus diesem Grund nahm ich von 2001 bis 2002 an der IHK Darmstadt erfolgreich an einer entsprechenden Fortbildung teil. Mit dem Abschluss als Personalfachkaufmann in der Tasche eröffnete sich mir im Oktober 2002 die Möglichkeit, bei einem mittelständischen Sondermaschinenbauer als Personalreferent zu arbeiten.

Doch auch in dieser Funktion fragte ich mich schon nach geraumer Zeit, was wohl der nächste logische Schritt auf der Karriereleiter sein könnte. Mir wurde klar, dass ich Personalleiter mit Führungsverantwortung werden wollte. Wegen der starken Akademisierung von Leitungsstellen im HR-Bereich war dafür allerdings ein Studienabschluss erforderlich. Also begann ich im Oktober 2004 mit einem berufsbegleitenden Studium an einer Fachhochschule, um diese formelle Karrierevoraussetzung frühzeitig überwinden zu können. Das mit acht Regelsemestern ausgelegte Studium verkürzte ich auf sieben Semester und war dann im Januar 2008 fertig ausgebildeter Diplom-Wirtschaftsjurist (FH). Mit dem akademischen Abschluss wertete die Geschäftsführung meine Funktion als Personalreferent zum Personalleiter auf. Doch leider fehlte mir die notwendige Führungsverantwortung. Aus diesem Grund wechselte ich im Dezember 2008 als Director Human Ressource zu einem internationalen Anlagenbauer und übernahm dort die Leitung einer aus sieben Mitarbeitern bestehenden Personalabteilung.

Bereits im Februar 2008 startete ich mit dem Doktoratsstudium, an welches ich über eine Kooperation meiner FH mit einer Universität gelangte. Dieses absolvierte ich in erster Linie, um mich selbst auf den Prüfstand zu stellen und ein wenig für meine persönliche Selbstverwirklichung. Immerhin muss man bedenken, dass ich damals „nur" mit einem schlechten Realschulabschluss ins Berufsleben gestartet bin. Nach rund zwei Jahren habe ich es durch die Verteidigung meiner Dissertation erfolgreich abgeschlossen. Fünf Jahre nach Start als Director Human Ressource hatte ich bereits einige wichtige HR-Projekte gemeistert und die Abteilung lief erfolgreich. Mit dem Gefühl hier das Ziel erreicht zu haben, wollte ich mich erneut verändern und neuen Aufgaben zuwenden. Deshalb wechselte 2014 zu einem produzierenden Unternehmen nach Müllheim. Hier habe ich als Head of Human Resources jetzt die Aufgabe, die Strukturen einer eher auf Personalverwaltung ausgelegten Abteilung zu verändern, moderne Personalprozesse einzuführen und das Unternehmen in der Vorwärtsausrichtung HRseitig zu begleiten.

Was ist der Grund dafür, dass Sie ständig neue Studienabschlüsse sammeln und sich beruflich immer weiterqualifizieren?

Nun, das hatte verschiedene Gründe. Innerlich habe ich den steten Drang mich weiter zu entwickeln. Neben dem sehr wichtigen Erfahrungslernen und einer damit verbundenen Weiterentwicklung war es mir immer wichtig, auch die theoretische Basis fundiert aufzubauen und neben dem Wissen Handlungskompetenzen zu erwerben. Denn die Türöffner in vielen Unternehmen sind nun mal die im Wesentlichen aus Qualifikationen gespickten Bewerbungsunterlagen. Hierauf stützt sich auch der äußere Druck, die jeweiligen Nachweise zu erwerben. Der Wettbewerb ist hart und wer nicht bestimmte Zeugnisse vorweisen kann, hat im Rennen um die besten Jobs einfach die schlechteren Karten. So wurde mir bei meiner Diplomierung klar, dass im Rahmen des Bologna-Prozesses zukünftig die Master-Absolventen als Mitbewerber um offene Stellen mit mir ins Rennen gehen werden. Im Vergleich zum FH-Diplom haben sie in Bezug auf die reine Qualifikation natürlich die Nase vorn. Daher war es mir neben dem Ausbau meiner eigenen Fähigkeiten wichtig, Formalqualifikationen zu erwerben und im Wettbewerb um offene Stellen eine gute Ausgangsbasis zu haben. Eines war dabei immer sehr wertvoll. Mit jeder Qualifizierung habe ich für die Praxis enorm wichtige Kenntnisse und Handlungskompetenzen erwerben dürfen. Und Kompetenzen sind heute wichtiger als Qualifikationen.

Und haben sich die zusätzlichen Qualifikationen im Hinblick auf die Studiengebühren in finanzieller Hinsicht gelohnt?

Durchaus. Ich kann sagen, dass sich durch die höher dotierten Positionen die von mir gezahlten Studiengebühren sehr schnell amortisierten. So musste ich für das FH-Studium rund 14.000 Euro an Studien- und Prüfungsgebühren bezahlen. Noch im gleichen Jahr wechselte ich aber in die HR-Director-Funktion. Das dortige Jahresgehalt war deutlich höher als beim Vorarbeitgeber, so dass ich die Studiengebühren der sieben Semester durch das höhere Gehalt innerhalb von 12 Monaten wieder hereinholen konnte. Es ist natürlich immer auch ein wenig mit „Glück" verbunden, tatsächlich so schnell eine deutlich höher dotierte Stelle zu bekommen. Eines aber ist klar: Das geht nur mit einem Arbeitgeberwechsel. Bei einem Verbleib im Unternehmen ist auch bei vergleichbarer Qualifikation die Entwicklung bezüglich Gehalt und Hierarchie in der Regel langsamer.

Wie wichtig ist daher Ihrer Meinung nach „lebenslanges Lernen" für eine erfolgreiche Karriere?

Das ist absolut essentiell! „Stillstand ist Rückschritt" ist in diesem Zusammenhang ein bekannter Slogan und aus meiner Perspektive ist das für die Karriere ohne Zweifel so. Wer beruflich Karriere machen möchte muss investieren. Das ist wie bei anderen Wirtschaftsgeschäften. Aber auch hier gilt, dass nur wer säht auch erntet. Das Lernen im Sinne von eigener Kompetenzentwicklung darf für die Karriere also niemals aufhören. Die Entwicklung von Kompetenzen ist übrigens nicht mit Qualifikation gleich zu setzen. Mit jedem Arbeitgeberwechsel, mit jedem Projekt usw. lernt man hinzu und reift mit dem Erfahrungslernen weiter.

Werden Ihnen die Teilnahmen an weiteren Bildungsmaßnahmen nicht manchmal zur Belastung?

Ja, ohne Zweifel. Doch auch hier gilt - und da wiederhole ich mich gerne - dass nur wer säht auch erntet. Ohne eine entsprechende zeitliche und finanzielle Investition funktioniert eine erfolgreiche Karriere gewöhnlich nicht. Trotz der Geburt meiner Tochter waren bis zum Abschluss des Masterstudiums Personalentwicklung 2013 mehr als zehn Jahre meines Lebens auf berufsbegleitende Weiterbildungen bzw. Studiengänge ausgelegt. Das war sowohl für mich als auch für meine Frau und Tochter ziemlich anstrengend. Seit Oktober 2013 bin ich jetzt aber „ohne Studium" und widme mich nur noch dem Job und der Familie, was ein tolles Gefühl ist. Im Gegenzug bin ich dafür seit 2008 auf Führungspositionen tätig, bei denen ich nicht nur entsprechend gut bezahlt werde, sondern auch führen und gestalten darf. Und genau das motiviert mich. Denn nicht jeder Arbeitnehmer kann in der zivilen Wirtschaft von sich sagen, dass er innerhalb sehr großer Freiräume eigenverantwortlich mitgestalten darf, das Vertrauen der Geschäftsführung genießt und mit seiner Arbeit dem Unternehmen hilft, sich erfolgreich nach vorne zu entwickeln.

Wurden Sie bei Ihrer Wiedereingliederung vom BFD unterstützt?

Um ehrlich zu sein, nein. Da ich wusste, was ich wollte, hatte ich nur wenig Kontakt zum BFD. Ich erlebte diesen damals eher als Verwaltungsapparat, der meine BFD-Maßnahmen „verwaltet". Als Berater, Sparringspartner, Ideengeber etc. habe ich den BFD nicht erlebt, obwohl ich mir das gewünscht hätte.

Welchen Ratschlag würden Sie allen Zeitsoldaten geben, die kurz vor ihrem Dienstzeitende stehen?

Man sollte den zivilen Arbeitsmarkt nicht unterschätzen, aber auch keine Angst davor haben. Ich erinnere mich noch an einige Kameraden, die auf die Übergangsgebührnisse scharf waren und die BFD-Zeit möglichst stressfrei hinter sich bringen wollten. Diese hatte nach dem Dienstzeitende aber auch die größten Probleme. Sie waren der Meinung, dass die Wirtschaft jeden Tag auf deren Ausscheiden als Oberfeldwebel etc. wartet. Daher kann ich als ehemaliger Soldat auf Zeit und natürlich als Personaler nur dringen raten, sich sehr früh darüber Gedanken zu machen, welche Karriere man nach der Bundeswehr einschlagen möchte. Dabei ist es wichtig sich eigeninitiativ zu informieren, den Arbeitsmarkt zu analysieren und sich durch Aus- und Weiterbildungen so „wettbewerbsfähig" wie möglich zu machen. Personalentscheider ohne Bw-Hintergrund können mit den Dienstzeiten, den Verwendungen und damit verbundenen Erfahrungen früherer Zeitsoldaten nun mal nichts anfangen. Deshalb müssen ausscheidende SaZ noch ein Stück weit mehr als vergleichbare zivile Mitbewerber überzeugen.  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Ehemalige Zeitsoldaten berichten

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