Voll im Trend

Beste Karten auf dem Arbeitsmarkt: Hauptfeldwebel d.R. Marcus Seidel und der bsw-Regionalbereichsleiter Peter Braumandl berichten über die Weiterbildung zum staatlich geprüften Maschinentechniker und ideale Beschäftigungschancen.

Das Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft (bsw) hat sich auf die Ausbildung von Technikern spezialisiert. Herr Braumandl, stellen Sie Ihr Bildungsangebot doch einmal näher vor.

BRAUMANDL: Das Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft ist sachsenweit an 20 Standorten aktiv. Neben Fortbildungsmaßnahmen für Arbeitssuchende sowie der Ausbildung von Lehrlingen für Partnerunternehmen führt das bsw für Schülerinnen und Schüler von Mittelschulen und Gymnasien Berufs- und Studienorientierung durch. Die Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Firmen verschiedener Branchen sowie die Durchführung von geförderten Projekten stehen bei uns ebenso auf dem Programm. Die Kernkompetenzen unserer Bildungszentren in Westsachsen, von Chemnitz über das Erzgebirge bis ins Vogtland, liegen jedoch im technischen Bereich. Aber natürlich bieten wir auch auf dem Gebiet der kaufmännischen Ausbildung entsprechende Inhalte, wie beispielsweise SAP- oder Lexware-Fortbildungen, an. Insgesamt bilden die Zentren Westsachsens jährlich weit über 200 Auszubildende aus der Metallbranche im Rahmen einer Verbundausbildung für die Unternehmen der Region aus.

Studienabschlüsse liegen ja derzeit voll im Trend. Doch wo liegen Ihrer Meinung nach die Vorteile einer guten Technikerausbildung?

BRAUMANDL: Die Vorzüge eines Technikers liegen klar auf der Hand. Denn auf Basis der in der Berufsausbildung erworbenen Kenntnisse in Verbindung mit der geforderten mindestens einjährigen Berufserfahrung sowie einer absolut praxisnahen Umsetzung der Lehrplaninhalte werden die Fachschülerinnen und Fachschüler in die Lage versetzt selbst komplexe technische Prozesse zu beherrschen. Diese große Praxisnähe ist unschlagbar und zeichnet den Technikerabschluss besonders gegenüber dem Bachelor an einer Hochschule aus. Hinzu kommt, dass der staatlich geprüfte Techniker als hochqualifizierte Fachkraft von Unternehmen oft eindeutig bevorzugt wird. Die Einstellungs- und Beschäftigungschancen liegen nach unserem Erleben bei stolzen einhundert Prozent! Ich selbst kenne keinen arbeitsuchenden staatlich geprüften Techniker. Und das aus gutem Grund: Schließlich ist die Nachfrage wesentlich höher als das Angebot, zumal ein Einsatz im gesamten Bundesgebiet und ebenso in ganz Europa möglich ist.

Wäre eine Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker der Maschinentechnik auch für ehemalige Zeitsoldaten interessant?

BRAUMANDL: Gerade ehemaligen Zeitsoldaten mit den passenden fachlichen Vorkenntnissen sowie den während der Dienstzeit erworbenen Führungserfahrungen bietet die Fortbildung zum staatlich geprüften Techniker eine sehr gute Chance, um auch nach der Bundeswehr in eine spannende Führungsposition bei einer zivilen Firma wechseln zu können. Die bisherigen sehr guten Erfahrungen bestätigen, dass ehemalige Zeitsoldaten mit umfassenden sozialen Kompetenzen ausgestattet sind, die ihnen einen guten Start als Führungskraft in einem Wirtschaftsunternehmen ermöglichen.

Wie läuft denn die Maschinentechnikerausbildung beim bsw im Detail ab?

BRAUMANDL: Wichtigste Basis für unsere Aufstiegsfortbildung sind die staatlichen Lehrpläne. Neben allgemeinen Grundlagenfächern, wie zum Beispiel Mathematik (bis zur Fachhochschulreife), Englisch (als Fachenglisch mit technischem Bezug), betriebswirtschaftlichen Basics oder Personalführung stehen natürlich die zahlreichen Fachinhalte im Vordergrund. Mit einem Stundenvolumen von insgesamt 2.800 Unterrichtstunden liegt der Umfang fast doppelt so hoch, wie bei der traditionellen Ausbildung der Meister durch die Handwerkskammer oder der IHK. Im Verlauf der fachbezogenen Schwerpunkte müssen beispielsweise Materialeigenschaften geprüft und bewertet, mechanische Bauelemente und Baugruppen konzipiert oder Produktionsanlagen analysiert und Fertigungsprozesse ausgewählt werden. Um das Ganze weiter abzurunden müssen die Teilnehmer außerdem betriebswirtschaftliche Prozesse sowie Fertigungsabläufe planen, steuern und kontrollieren. Aber auch die Personalplanung und -führung sowie das Qualitäts- und Projektmanagement kommen im Rahmen der Ausbildung nicht zu kurz. Der Abschluss kann übrigens in Vollzeit über zwei Jahre oder in Teilzeit, das heißt berufsbegleitend, über 4 Jahre erworben werden. Die Fortbildung endet mit einer staatlichen Prüfung in vier Lernfeldern sowie dem Anfertigen einer Facharbeit, die danach noch zu verteidigen ist.

SEIDEL: Nach meiner Bewertung sind die Ausbildungsinhalte gut strukturiert und werden von den Ausbildern klar und verständlich vermittelt. Die Fachlehrer sowie freien Dozenten stellen zunächst einen einheitlichen Wissenstand unter den verschiedenen Fachschülern her und beginnen erst danach mit der eigentlichen Fachausbildung. Das hat den großen Vorteil, dass keiner in der Gruppe benachteiligt wird. Ich selbst habe das als sehr angenehm empfunden, da meine Schulzeit bereits lange zurück lag und ich dadurch keinerlei Probleme hatte dem Unterrichtsgeschehen zu folgen. Die Dozenten geben sich zudem große Mühe und man kann sie solange fragen bis man die einzelnen Themen am Ende verstanden hat. Zusätzlich werden oft praktische Anteile in die Ausbildung eingeflochten. Zu bestimmten Fachthemen wurden auch Exkursionen zu Firmen oder Messen durchgeführt. Das lockert nicht nur den Tagesablauf deutlich auf, sondern durch die Praxisnähe wird das Erlernte noch zusätzlich gefestigt. Bei der Erstellung der Facharbeit wird man ebenfalls nicht allein gelassen, da man die Fachlehrer jederzeit kontaktieren kann.

Und welche Voraussetzungen müssen für die Ausbildung erfüllt werden?

BRAUMANDL: Die Aufnahmevoraussetzungen für den Start der Aufstiegsfortbildung sind ein Abschluss in einem einschlägigen Beruf und eine Berufstätigkeit von mindestens einem Jahr. Branchenfremde müssen den Abschluss der Berufsschule sowie eine für die Fortbildung einschlägige förderliche Berufstätigkeit von fünf Jahren nachweisen können.

SEIDEL: Dank meiner Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker habe ich den notwendigen Eingangsberuf als Zugangsvoraussetzung mühelos vorweisen können. Allerdings habe ich damals noch kein Jahr Berufspraxis bis zum Ausbildungsbeginn als Techniker nachweisen können. Das stellte sich beim Berufsförderungsdienst als etwas problematisch dar, da ich nach Sachlage nicht alle Voraussetzungen besaß. Nach Rücksprache mit dem BFD erklärte man mir jedoch, dass es verschiedene technische Tätigkeiten bei der Bundeswehr gibt, die als Berufspraxis anerkannt werden. Glücklicherweise bestätigte mir meine ehemalige Kompanie, dass ich bei der Wartung von Material und Fahrzeugen maßgeblich beteiligt war. Mit dieser Bestätigung in der Tasche hat der BFD die Zugangsvoraussetzung letztlich anerkannt und die Bildungsmaßnahme bewilligt.

In den meisten Branchen werden Fachkräfte händeringend gesucht. Wie bewerten Sie daher die Berufsperspektiven Ihrer Absolventen?

BRAUMANDL: Wie schon erwähnt, kenne ich keinen einzigen arbeitslosen Techniker. In Zeiten fehlender Fachkräfte findet jeder unserer Absolventen einen entsprechenden Arbeitsplatz. Zumal der Abschluss als staatlich geprüfter Techniker auch über die Grenzen Deutschlands hinaus anerkannt und gefragt ist. Besonderer Bedarf besteht hier im mittleren Management und in innovativen Unternehmen der Metall- und Elektrobranche. Viele Firmen nutzen die Möglichkeit, ihren aktuellen Personalbedarf in der Fachschule darzustellen und den Fachschülern konkrete Angebote zu unterbreiten. Besuche bei regionalen Unternehmen im Rahmen der Fortbildung ermöglichen den Teilnehmer zudem tiefere Einblicke über die jeweiligen Anforderungen der zukünftigen Arbeitgeber zu bekommen und sich dort gezielt zu bewerben.

Herr Seidel, was hat Ihnen während Ihrer Ausbildung am bsw besonders zugesagt?

SEIDEL: Mit der Ausbildung durch das bsw-Team bin ich total zufrieden. Am meisten haben mir die praxisnahe Ausbildung, die klar strukturierte Unterrichtsgestaltung sowie das hohe Engagement der Fachlehrer und Dozenten gefallen.

Haben Sie sich mit dem Technikerabschluss in der Tasche gut auf den ersten Einsatz im zivilen Berufsleben vorbereitet gefühlt? 

SEIDEL: In meinem konkreten Fall war es letztlich nicht meine erste Verwendung in der zivilen Arbeitswelt. Schließlich hatte ich schon vor meiner Bundeswehrzeit eine Ausbildung absolviert und konnte somit fleißig Erfahrungen sammeln. Der Abschluss zum staatlich geprüften Techniker eröffnet einem ein wirklich breites Beschäftigungsspektrum. Ich für meinen Teil kann aber definitiv sagen, dass man im Verlauf der Ausbildung mit den erworbenen Kenntnissen und Fertigkeiten sehr gut auf den ersten Einsatz in der Praxis vorbereitet wird.

Wie sieht eigentlich der Arbeitsalltag als Maschinentechniker in der Praxis aus?

SEIDEL: In meinem Unternehmen bin ich im Bereich Engineering eingesetzt. Zu meinen Tätigkeiten gehört es deshalb die Programme für Fertigungsmaschinen zu optimieren. Desweiteren muss ich ständig den reibungslosen Ablauf in der Fertigung gewährleisten, da jeder Ausfall der Maschinen bares Geld kostet. Hierzu sind Kenntnisse über die Programmierung sowie die Funktionsweise der Maschinen entscheidend. Zum Optimieren der Fertigung gehören ebenfalls Werkzeugtests, für die ich unter anderem mit verantwortlich bin. Dabei werden neue Werkzeuge erprobt, Schnittparameter festgelegt sowie die Einhaltung der Qualität der neuen Werkzeuge kontrolliert und dokumentiert. Das erfolgt natürlich im Schulterschluss mit den jeweiligen Werkzeug- oder Maschinenherstellern. Man steht also durchaus im regelmäßigen Kundenkontakt, so dass einem der Umgang mit Kunden nicht fremd sein sollte.

BRAUMANDL: Wie von Herrn Seidel bereits geschildert ist das Arbeitsfeld einer Maschinentechnikerin bzw. eines Maschinentechnikers recht umfangreich. Sie planen, projektieren, entwerfen, berechnen und konstruieren. Darüber hinaus koordinieren sie die Beschaffung sowie Bereitstellung von Fertigungsmitteln und Maschinen. Die Planung und Überwachung der Produktion steht ebenso auf dem Programm wie die Montage und Qualitätssicherung. Kurz gesagt sind es die Maschinentechniker, die die gesamten Produktionsanlagen in Betrieb nehmen, ständig überwachen und damit in einem besonderen Maße für den Gewinn im Unternehmen Sorge tragen. Werden die staatlich geprüften Techniker im Vertrieb eingesetzt, so erstellen sie Angebote, kalkulieren Kosten, beraten Kunden und übernehmen den Service. Der Maschinentechniker kann definierte Aufträge erfüllen, aber auch eigenverantwortlich planen und mit Augenmaß handeln. Dabei beachten sie stets technische, betriebswirtschaftliche und ökologische Aspekte, ebenso wie Gesetze, Sicherheitsbestimmungen und Normen.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit dem Berufsförderungsdienst der Bundeswehr (BFD) gemacht?

SEIDEL: Ich habe eigentlich durchweg positive Erfahrungen mit dem BFD gemacht, da ich durch die zuständigen Mitarbeiter stets umfassend beraten wurde. Bei den aufgetretenen Problemen konnten gemeinsame Lösungsstrategien erarbeitet und ein Ausweg gefunden werden. Auch meine Beraterin habe ich jederzeit telefonisch kontaktieren können. Und genau das ist meiner Meinung nach unerlässlich. Aus eigenem Erleben kann ich sagen, dass man einen guten Kontakt zum BFD pflegen sollte. Nur so kann man das Optimale aus seinem Förderungszeitraum rauszuholen. Denn wer miteinander spricht, kann die eine oder andere Klippe umfahren und muss am Ende keinen Schiffbruch erleiden.  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Bildungspartner für Zeitsoldaten

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