Studieren ohne Abitur

Ohne Abitur studieren: Stabsunteroffizier d.R. und angehende Gesundheitsmanagerin Jana Peise und der Kanzler der bbw Hochschule Jürgen Weiß im Dialog über Ausbildung und Chancen in der Gesundheitsbranche.

Die Studiengänge der bbw Hochschule sind schon seit geraumer Zeit akkreditiert. Inwiefern sehen Sie in der akademischen Ausbildung den Schlüssel zum beruflichen Erfolg Ihrer Absolventen?

WEISS: Fachkräfte mit akademischem Abschluss werden dringend von der Wirtschaft benötigt. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren noch dramatisch verstärken.

Studieren ohne Abitur? Geht das überhaupt?

WEISS: Mit dem Studienangebot der bbw Hochschule fördern wir nicht nur den fachlichen Nachwuchs, sondern wir geben Berufspraktikern die Chance - auch ohne Abitur, aber mit nachweislicher Berufserfahrung - einen akademischen Abschluss zu erwerben. Etwa die Hälfte aller Studierenden konnte bisher auch ohne Abitur zugelassen werden, weil sie gemäß den Zulassungsvoraussetzungen nach § 11 des Berliner Hochschulgesetztes (BerlHG) über einen einschlägigen Berufsabschluss und die erforderliche Berufspraxis verfügen. Bemerkenswert dabei ist, dass sich nach unseren bisherigen Erfahrungen die Prüfungsleistungen berufsbegleitend Studierender mit Abitur von Berufspraktikern ohne Abitur nicht unterscheiden.

Wo liegen denn die großen Vorteile eines Bachelor-Studiums an einer privaten Hochschuleinrichtung?

WEISS: Kurz gesagt in den kleinen Gruppen, denn jeder hat hier seinen Sitzplatz. Unsere Hochschule zeichnet sich durch eine hohe Kundenorientierung aus, die auch nach Vorlesungsschluss nicht endet. Professorinnen und Professoren sowie Studienbetreuer / -innen stehen den Studierenden und Unternehmen während des Studienbetriebs als Berater / -innen und Mentorinnen und Mentoren zur Verfügung. Hier gilt das Prinzip der offenen Tür für alle Studierenden - Sprechzeiten sind deshalb unnötig.

Die bbw Hochschule bietet unter anderem den Studiengang Wirtschaftswissenschaften mit der Spezialisierung Gesundheitsmanagement an. Können Sie darauf einmal näher eingehen?

WEISS: Das Gesundheitswesen hat sich in den letzten Jahren zum größten Arbeitgeber in Deutschland entwickelt. Bis 2030 wird prognostiziert, dass rund 200.000 bis 400.000 neue Jobs entstehen sollen, viele davon im privaten Gesundheitsmarkt. Haben früher nur die medizinische Diagnose und Therapie im Mittelpunkt gestanden, gehören heute ökonomische und rechtliche Faktoren zum Alltag. Der international anerkannte Hochschulabschluss „Bachelor of Arts" mit der Spezialisierung Gesundheitsmanagement ermöglicht fundiertes Wissen mit Berufs- und Praxiserfahrung zu verbinden. Die Mitarbeiter / -innen des Gesundheitssektors werden künftig neben medizinischem Wissen verstärkt betriebswirtschaftlichen Sachverstand benötigen. Die bbw Hochschule ist Partnerin der Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Wirtschaftsjahr 2011 - Forschung für unsere Gesundheit.

Wie läuft denn das Studium zum Gesundheitsmanager ganz konkret ab?

WEISS: Die Regelstudienzeit an unserer Hochschule beträgt drei Jahre für das Vollzeitstudium mit Praxisprojekten und vier Jahre für das berufs- oder ausbildungsbegleitende Studium. Egal, für welches Studium Sie sich entscheiden, jedes bbw-Studium ist in drei Studienphasen unterteilt: Grundlagenstudium, Spezialstudium und Anwendungsstudium. Die Prüfungen in Form von Klausuren, Projektarbeiten, Case Studies und Seminarvorträgen werden studienbegleitend durchgeführt und nach einem an europäischen Hochschulen standardisierten Creditsystem bewertet. Das Bachelorstudium schließt mit einer unternehmensbezogenen Bachelorabschlussarbeit ab, die thematisch an die im Spezialstudium angefertigte Projektarbeit anknüpfen kann und in einem Kolloquium verteidigt wird.

Und welche Karrieremöglichkeiten eröffnen sich den angehenden Gesundheitsmanagern dann später in der Praxis?

WEISS: Unsere Absolventen qualifizieren sich für anspruchsvolle Positionen wie beispielsweise in der Führung von Kranken- und Ärztehäusern, in der Stations- und Pflegedienstleitung, in der Personalabteilung, in der Pharmazie-Industrie, bei Versicherungen, Krankenkassen und Verbänden, in der Prävention, als Qualitäts-Manager oder in der kaufmännischen Leitung von Kur- und Wellness-Einrichtungen.

Frau Peise, Sie sind Studentin an der bbw Hochschule. Was reizt Sie denn persönlich an Ihrer akademischen Ausbildung zum Gesundheitsmanager?

PEISE: Der Beruf des Gesundheitsmanagers ist noch sehr neu und somit ist die Chance hoch, nach Beendigung des Studiums einen guten Job zu finden. Schließlich baut sich der Bereich des Gesundheitsmanagements gerade erst auf. Im zweiten Semester müssen wir ein Praktikum absolvieren. Doch leider stellte ich rasch fest, dass die meisten Einrichtungen noch nicht so richtig etwas mit dem neuen Berufsfeld anfangen können. Dadurch ist es für uns Studenten nicht immer einfach, die passenden Einrichtungen zu finden. Die bbw Hochschule unterstützt uns aber sehr gut, um in dieser Situation schnell einen geeigneten Praktikumsplatz zu finden.

Und wie schwer ist es Ihnen nach Ihrer achtjährigen Dienstzeit bei der Bundeswehr gefallen, sich beruflich neu zu orientieren und noch zu studieren?

PEISE: Es ist ein komisches Gefühl nach acht Jahren auf einmal mit dem Dienstzeitende konfrontiert zu werden. Man denkt sich ja immer: „Es ist noch so lang hin!" Aber die Zeit vergeht schnell. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass ich aus der Bundeswehr entlassen werde, ohne irgendetwas geleistet zu haben. Man sagt dazu wohl auch „Zukunftsangst". Im Zivilen wird der Beruf der Arzthelferin nicht gut bezahlt. Eine Weiterbildung zur Facharzthelferin kam trotz der etwas besseren Bezahlung wegen der geringen Unterschiede zu meinem erlernten Beruf auch nicht infrage. Durch die Arbeit als Abteilungsfeldwebel der Abteilung Psychiatrie, Psychotherapie und Psychotraumatologie im Bundeswehrkrankenhaus Berlin habe ich so viel an Erfahrung gewonnen, die ich natürlich weiterhin einsetzen wollte. Ich konnte mir nicht mehr vorstellen, nach meiner Dienstzeit wieder als Arzthelferin mit weniger Verantwortung zu arbeiten. Dafür bin ich das eigenständige Arbeiten und Organisieren zu sehr gewohnt. Durch eine Internetrecherche habe ich erfahren, dass ich trotz meines Realschulabschlusses und meiner Ausbildung zur Arzthelferin studieren kann. Ich habe mich informiert und über das Internet bin ich auf die bbw Hochschule gestoßen. Es ist aber schon schwer, nach acht Jahren wieder lernen zu müssen. Man muss sich an die Menge der Stoffverarbeitung gewöhnen und ebenfalls daran, über mehrere Stunden still zu sitzen. Das Studium ist nicht mit der Schule zu vergleichen, denn der Aufwand zum Lernen ist ein ganzes Stück höher.

Frau Peise, in welchem Maße unterstützt eigentlich der Berufsförderungsdienst (BFD) Ihr privates Hochschulstudium?

PEISE: Ich empfinde die Arbeit mit dem BFD als etwas schwierig. Ich habe zwar eine sehr nette Sachbearbeiterin, doch ist der Aufwand, um an die finanziellen Ansprüche zu gelangen, unheimlich kompliziert. Um meine monatlichen Studiengebühren für die bbw Hochschule erstattet zu bekommen, muss ich jedes Mal meine Kontoauszüge kopieren und ein Formular ausfüllen. Gerade am Anfang hätte ich mich da über ein wenig mehr Unterstützung gefreut. Die meisten Ratschläge und Ideen zu meiner beruflichen Weiterbildung habe ich von Freunden und ehemaligen Kameraden bekommen. Damit konnte ich wirklich etwas anfangen.

Wie wichtig sind moderne Unterrichtsmethoden, wirtschaftsnahe Praktika und die Möglichkeit des E-Learnings für eine zeitgemäße Hochschulausbildung?

PEISE: Die modernen Unterrichtsmethoden sind schon sehr wichtig, da sich das Lernen stark verändert hat. Besonders das E-Learning ist für uns Studenten äußerst praktisch. Man bekommt vom Dozenten die Möglichkeit, kleine Arbeiten von zuhause aus zu schreiben und eigenständig Informationen aus Büchern und dem Internet zu recherchieren, und somit das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Des Weiteren kann man den Dozenten von zuhause aus kontaktieren und Fragen stellen.

WEISS: E-Learninganteile ergänzen das Studium, um hochschulische Lern- und berufliche Arbeitswelten näher zusammenzuführen und ein orts- und zeitunabhängiges Studium neben dem Engagement im Unternehmen zu fördern. Auch ein hoher curricularer Anteil von Kursen zur Vermittlung von Führungs-, Sozial- und Sprachkompetenzen prägt das Studium an der bbw Hochschule.  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Bildungspartner für Zeitsoldaten

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2 Kommentare zum DZE-Interview: "Studieren ohne Abitur"

  1. Roberto Borroto Hernandez |

    "Es ist aber schon schwer, nach acht Jahren wieder lernen zu müssen. Man muss sich an die Menge der Stoffverarbeitung gewöhnen und ebenfalls daran, über mehrere Stunden still zu sitzen. Das Studium ist nicht mit der Schule zu vergleichen, denn der Aufwand zum Lernen ist ein ganzes Stück höher." - Zitat Ende Ich habe ebenfalls nach meiner 8-jährigen Dienstzeit ein "Fachschulstudium" durchlebt. Zwei Jahre an einer einer Fachschule in Leipzig. Zum Schluss war ich dann staatl. gepr. Betriebswirt (eingestuft gemäß DQR auf Niveaustufe 6 - also Bachelor). Das was Jana da beschreibt ist vollkommen richtig und auch nicht zu unterschätzen. Es ist eine sehr gute Chance, für einen zivilen Einstieg auf einem "vergleichbaren" Niveau, wie es bei der Bundeswehr ist. Aber nach 8 Jahren wieder zu büffeln (...vor allem Mathe sollte man da erwähnen ... ) ist kein Pappenstiel. Man sollte in jedem Fall wissen, in welche Richtung es danach geht, denn kein genaues Ziel vor Augen zu haben, hat in Unserem Studium, bei vielen zum Aufgeben geführt. Trotz dessen kann ich es jedem empfehlen über diese Möglichkeit nachzudenken. MkG StUffz d.R. Borroto Hernandez

  2. Mario Ring |

    Den Ausführungen von Roberto schliess ich mich gern an..jedoch sollte man viel Zeit in die Vorbereitung und hoffentlich kompetente Beratung stecken..denn daran liegt es bei der Masse der Teilnehmer die abbrechen.wer mehrere Jahre "raus ausm Zivilleben ist" wird viele Neuerungen in der Berufswelt feststellen und merken dass er nicht mehr auf dem aktuellen Stand ist..auch die richtige Bewerbung gehört dazu..ich kann nur jedem raten eine vollwertige Aus & Weiterbildung zu absolvieren um reale Chancen am Arbeitsmarkt zu erhalten..MkG HFw d.R. Ring

 
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