Sicherheitsmanagement für Offiziere

MBA „Security & Safety Management": Der stellv. Sicherheitschef der Siemens AG Johannes Strümpfel und der THI-Studiengangleiter Prof. Dr. Knoppe informieren über die Anforderungen von Sicherheitsmanagern aus Sicht der Wirtschaft.


Die Technische Hochschule Ingolstadt (THI) bietet mit dem MBA „Security & Safety Management" ein neues Studium für die Sicherheitsbranche. Wie wichtig sind solche Studiengänge?

KNOPPE: Aktuell gibt es keinen vergleichbaren Studiengang in Deutschland, obwohl die Unternehmen mit immer komplexeren, strategischeren und operativeren Sicherheitsproblemen  konfrontiert werden. Unsere Absolventen erlangen daher eine ganzheitliche und umfassende Sichtweise auf die sich ständig ändernde Sicherheitslandschaft. Gleichzeitig vermitteln wir im Rahmen von Best Practice auch in der Praxis erprobte Verfahren, die sie in die Lage versetzen, unternehmensindividuelle Lösungen zu entwickeln und dadurch Wettbewerbsvorteile sowie neue Sicherheitsstandards für ihre zukünftigen Arbeitgeber zu schaffen.

STRÜMPFEL: Das Bild eines Mitarbeiters im Bereich „Corporate Security" und die damit verbundenen Anforderungen haben sich sehr verändert. Noch vor wenigen Jahren rekrutierten sich die Sicherheitsabteilungen internationaler Unternehmen vor allem aus Polizei und anderen Sicherheitsbehörden. Das ist mittlerweile anders geworden. So werden fundierte Kenntnisse beispielsweise in den Bereichen Risiko- und Krisenmanagement, innerbetrieblicher Rechtsfragen sowie in den Schnittstellen zu anderen sicherheitsnahen Themen immer wichtiger. Der MBA „Security & Safety Management" gewinnt damit im Sicherheitsumfeld zunehmend an Attraktivität.

Welche Qualifikationen werden heute von der Wirtschaft von angehenden Führungskräften im Bereich Security & Safety erwartet?

STRÜMPFEL: Natürlich ist einschlägige Berufserfahrung nach wie vor eine wichtige Grundlage, um im Bereich Security & Safety Karriere machen zu können. Englisch ist eine zentrale Voraussetzung und natürlich werden Integrität, Führungsfähigkeiten und eine hohe Leistungsbereitschaft erwartet. Immer bedeutender ist zudem ein breites und ganzheitliches sicherheitsspezifisches Fachwissen. Gewiss benötigt man stets auch Fachexperten. Aber von einer angehenden Führungskraft wird in diesem anspruchsvollen Themenkomplex vor allem erwartet, im Sinne eines ganzheitlichen Denkansatzes über den eigenen Tellerrand zu sehen. Darüber hinaus müssen sie als Vorbild vorangehen und über das notwendige Gespür für die Anforderungen des Business in einer immer schnelllebigeren Zeit verfügen.

KNOPPE: Neben den von Herrn Strümpfel angesprochenen Grundvoraussetzungen ist ein vernetztes und strategisches Denken von hoher Bedeutung. Es geht nicht darum tiefes Fachwissen in einzelnen Bereichen aufzubauen, sondern um die Fähigkeit einen strategischen Überblick zu haben, Probleme aktiv und schnell zu erkennen, die notwendigen Maßnahmen und Entscheidungen zu treffen sowie besonders die richtigen Spezialisten an den Tisch zu holen und zu koordinieren. Hier hat aus meiner Sicht ein Wechsel von der operativen Führungskraft zum strategischen Manager stattgefunden.

Herr Strümpfel, als früherer Offizier kennen Sie die Vorzüge von Soldaten sehr genau. Können ausscheidende Bundeswehroffiziere diesen Anforderungen überhaupt gerecht werden?

STRÜMPFEL: Nach meiner Bewertung bringen sie bereits ein gutes berufliches Grundgerüst mit, an das sich nach dem Ende der Dienstzeit weiter anknüpfen lässt. Denn Offiziere der Bundeswehr durchlaufen gerade zu Beginn ihrer Karriere, aber auch später an den Offiziersschulen und im Studium anspruchsvolle Auswahlverfahren - nicht jeder schafft es bis zum Offizier. Darüber hinaus lernen Offiziere bereits früh Führungsverantwortung zu übernehmen. Zudem ist ihnen eine hohe Affinität zu Sicherheitsfragen gegeben. Das Studium an den Universitäten der Bundeswehr erfordert durch die vorgegebene maximale Dauer und die Trimester-Regelung auch ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Außerdem ist die Vermittlung sprachlicher, methodischer und rhetorischer Fähigkeiten ein elementarer Bestandteil der Ausbildung. Das alles macht ausscheidende Offiziere der Bundeswehr aus Sicht der Unternehmenssicherheit sehr attraktiv. 

Und wie muss man sich die tägliche Arbeit eines Security Managers in der Konzernsicherheit bei der Siemens AG vorstellen?

STRÜMPFEL: Das Aufgabenspektrum des Managers im Bereich der Unternehmenssicherheit bei Siemens ist sehr groß. Es reicht von der Definition verbindlicher Vorgaben (Governance) über die Sicherstellung der Implementierung dieser Vorgaben im Unternehmen (Implementation Support) und die Umsetzungskontrolle (Controlling) bis hin zur Wahrnehmung operativer Aufgaben im In- und Ausland. Er arbeitet eng mit anderen Unternehmensfunktionen zusammen, wie zum Beispiel Legal, Communication, Data Protection, Information Security oder Product Security. Nicht selten ist er auch schon mal als „Feuerwehrmann" unterwegs, wenn es - zumindest fachlich - irgendwo brennt. Allen Security Managern gemein ist, dass sie morgens meist nicht wissen, was der Tag bringen wird. Aber genau das macht die Arbeit hier so überaus spannend und abwechslungsreich.

Welche Karriereperspektiven bietet die Sicherheitswirtschaft qualifizierten Bewerbern, wie den Absolventen des THI-Masterstudiengangs „Security & Safety Management"?

STRÜMPFEL: Der Einstieg in die Wirtschaft bietet den Absolventen dieses Studiengangs eine breite Palette von beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten. Nach ihrem Start haben sie die Möglichkeit - natürlich in Abhängigkeit von der Größe des Unternehmens - die jeweilige Sicherheitsabteilung intensiv kennenzulernen und sich dort mit ihren neuerworbenen Kenntnissen, aber auch ihren bisherigen Erfahrungen aus der Berufspraxis, einzubringen. Durch die intensive Zusammenarbeit der Sicherheitsabteilungen mit den operativen Einheiten des Unternehmens ergeben sich öfters gute Optionen, die einen Wechsel in eine operative Einheit oder eine Region möglich machen. Persönliche Neigung, Eignung und praktische Erfordernisse spielen hier eine große Rolle.

KNOPPE: Nicht nur Konzernunternehmen bieten im Bereich Security & Safety hervorragende Berufschancen. Denn insbesondere größere Mittelständler haben an dieser Stelle einen starken Nachholbedarf, um sich am Weltmarkt zu behaupten und ihre Innovationskraft vor dem Zugriff der Konkurrenz zu schützen. Darüber hinaus entstehen auch weiterhin vielfältige und neue Berufsoptionen - vom leitenden Vertriebsmanager von Sicherheitsprodukten und -dienstleistungen bis hin zu Geschäftsführerpositionen in unterschiedlichen Unternehmen der Sicherheitsindustrie.

Als Experten sind Sie auch für die Weiterentwicklung von Bildungs- bzw. Studienangeboten im Sicherheitsumfeld aktiv. Warum engagieren Sie sich hier so intensiv?

KNOPPE: Ich konnte als Geschäftsführer viel Erfahrung mit meinen damaligen Kunden in diesem Bereich sammeln und habe festgestellt, dass das Thema Sicherheit in vielen Unternehmen nur als Kostenfaktor betrachtet wird. Häufig werden die strategischen Konsequenzen bis zum Risiko des Unternehmensuntergangs fast vollständig vernachlässigt. Ich halte es für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland für entscheidend, sich an dieser Stelle konsequent weiterzuentwickeln und bestehendes Know-how an Nachwuchskräfte weiterzugeben.

STRÜMPFEL: Ich für meinen Teil kann diese Frage damit beantworten, dass ich selbst in jungen Jahren von einigen älteren Kollegen und Vorgesetzten gezielt gefördert und auf meinem Weg begleitet worden bin. Nun habe ich das Bedürfnis, dies an die junge Generation weiterzugeben. Dies ist mir nicht nur ein ganz persönliches Anliegen, sondern hilft letztlich uns allen.  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Studium nach der Bundeswehr

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