Profis für Qualitätsmanagement

Karriere im QM-Bereich: Der frühere Jet-Pilot Robert Schulz und der Geschäftsführer der H&S QM-Service Limited Karl-Heinz Schuster berichten über die Ausbildung zum Qualitätsmanager sowie die Bedeutung von QM-Systemen.


Die H&S QM-Service Limited bietet bereits seit Jahren verschiedene Qualifizierungen im Bereich Qualitätsmanagement an. Herr Schuster, was genau zeichnet Ihr Unternehmen aus?

SCHUSTER: Wir bieten vor allem Qualitätsmanagement aus einer Hand. Wir können bei unseren Kunden den gesamten QM-Prozess von der Einführung und individuellen Anpassung über die Umsetzung bis hin zur Zertifizierung der entsprechenden Qualitätsmanagement-Systeme übernehmen. Als Autoren verschiedener Musterhandbücher, wie zum Beispiel das VDAB-QM-Handbuch, unterstützen wir Unternehmen mit unseren langjährigen Erfahrungen bei der Umsetzung oder Weiterentwicklung von QM-Systemen. Darüber hinaus sind uns die Qualifizierungsmaßnahmen der jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr wichtig, da unsere Kunden auf personalzertifiziertes Qualitätsfachpersonal zur Aufrechterhaltung und Verbesserung ihrer QM-Systeme setzen. Immerhin werden in allen Funktionsbereichen und Ebenen innerhalb der Unternehmen Mitarbeiter und Führungskräfte mit der Zusatzqualifikation „Qualitätsmanagement" gesucht. Die Inhalte unserer Ausbildung sind übrigens im Leitfaden zur Zertifizierung von QM-Fachpersonal abgebildet und in mehr als 176 Ländern anerkannt. In Deutschland werden diese Zertifikate mit dem DAkkS-Siegel gekennzeichnet, welches ausschließlich von akkreditierten Zertifizierungsgesellschaften vergeben und geprüft werden darf.

Gerade im globalen Wettbewerb gewinnt die Qualität von Produkten immer stärker an Bedeutung. Inwiefern spielt ein gutes Qualitätsmanagement eine zunehmend gewichtige Rolle?

SCHUSTER: In vielen Branchen, wie zum Beispiel im Automobilbereich oder in der Luft- und Raumfahrtbranche, fordern die Hersteller heute entsprechende ISO-Zertifizierungen, damit die Zulieferer überhaupt eine Chance auf eine Zusammenarbeit bekommen. Hier werden von Anfang an bestimmte ISO-Zertifizierungen gefordert, ohne die eine Auftragsvergabe erst gar nicht möglich ist. Im Gesundheits- und Sozialwesen gibt es sogar eine gesetzliche Verpflichtung zum Aufbau und zur Umsetzung eines Qualitätsmanagementsystems. Nach diesem müssen die Beschäftigten im Unternehmen die verschiedenen Grundlagen des Qualitätsmanagements verstehen und anwenden können. Ein einheitliches Ausbildungsprogramm sowie ein QM-System - beispielsweise nach der ISO 9001 - sind insbesondere auch durch die Globalisierung unverzichtbar geworden. Im Zuge des ständig steigenden Komplexitätsgrads von Produkten oder wachsender betriebswirtschaftlicher und haftungsrelevanter Effekte profitiert jedes Unternehmen vom Anforderungskatalog der ISO 9001. Denn nur mit diesem Zertifikat gelingt es dem Unternehmen die eigene Qualitätsfähigkeit sowie die seiner Produkte bzw. seiner Dienstleistungen nachzuweisen. Aus diesem Grund ist diese Zusatzqualifikation in modernen Firmen heute unverzichtbar geworden.

Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen einem QM-Beauftragten, internem und externem QM-Auditor oder Qualitätsmanager?

SCHUSTER: Der QM-Beauftragte lernt in 80 Unterrichtseinheiten (UE) den Aufbau, die Struktur und die Umsetzung eines QM-Systems nach ISO 9001 kennen. Der interne Qualitätsauditor baut auf der Ausbildung des QM-Beauftragten mit weiteren 20 UE auf und kann eine Bewertung und Nachweisführung der Wirksamkeit eines eingeführten und gelebten QM-Systems mittels einer Auditdokumentation durchführen. Daneben steht der Qualitätsmanager, der ebenfalls aufbauend auf dem QM-Beauftragten innerhalb von weiteren 60 UE erlernt, wie ein bestehendes QM-System mit Qualitäts- und Managementwerkzeugen hin zu einem Total Quality Management (TQM)-System weiterentwickelt werden kann. Dieses umfassende QM-System mit seinen komplexen Anforderungen wird später von allen Mitarbeitern angewandt und gelebt. Am Ende der Ausbildungsreihe kann sich der Qualitätsmanager mit weiteren 40 UE zu einem „externen" Qualitätsauditor qualifizieren, um zum Beispiel auch eigenständig Lieferantenaudits durchführen zu dürfen.

Muss man bestimmte Voraussetzungen oder Vorkenntnisse mitbringen, um an Ihren QM-Seminaren teilnehmen zu können?

SCHUSTER: Der Leitfaden zur Zertifizierung von QM-Fachpersonal gibt Auskunft über die notwendigen Eingangsvoraussetzung, Ausbildungsinhalte und Nutzen der einzelnen Titel im Qualitätswesen. Nachdem in vielen Unternehmen bereits ein QM-System eingeführt und umgesetzt wurde, wird beispielsweise für den Titel  „Qualitätsmanager" eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium bzw. Fachschule und mindestens sechs Jahre Berufserfahrung in Vollzeit gefordert. Als Eingangsvoraussetzung für den Qualitätsmanagement-Beauftragten wird eine abgeschlossene Berufsausbildung mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung gefordert. Absolventen ohne abgeschlossene Ausbildung müssen ersatzweise eine mindestens fünfjährige Berufserfahrung nachweisen. Somit ist die Erlangung dieses Titels für jedermann auch ohne eine abgeschlossene Ausbildung oder einen höherwertigen Abschluss möglich.

Herr Schulz, als früherer Jet-Pilot der Luftwaffe haben Sie den Qualitätsmanager bei H&S QM-Service Limited absolviert. Warum haben Sie sich für diese Ausbildung entschieden?

SCHULZ: Natürlich hat mir die Fliegerei während meiner aktiven Zeit immer sehr viel Spaß gemacht. Aber nach meinem Dienstzeitende wollte ich eine völlig andere berufliche Richtung einschlagen und hatte mich schon sehr frühzeitig für den Bereich Qualitätsmanagement entschieden. Mein Ziel war daher ein Abschluss als externer Auditor mit DAkkS-Siegel, um mich mit einer fundierten und vor allem zertifizierten Ausbildung in der Tasche bewerben zu können. Meine praktischen Erfahrungen aus meiner Bundeswehrzeit haben mir dabei gerade am Anfang der Ausbildung sehr geholfen. Auf Empfehlung von Kameraden bin ich auf das Angebot von H&S QM-Service Limited gestoßen, die bereits sehr positive Erfahrungen bei der QM-Ausbildung in Augsburg gemacht hatten. Deshalb habe ich damals im Rahmen der Berufsförderung durch den Berufsförderungsdienst (BFD) die verschiedenen Stufen bis zum Qualitätsmanager bei H&S durchlaufen. Hier wurde ich ebenfalls sehr gut unterstützt. Gerade das fachliche Wissen der Dozenten und die vielen Querverweise waren für mich äußerst hilfreich.

Wie läuft die Ausbildung zum Qualitätsmanager bei der H&S QM-Service Limited in der Praxis ab?

SCHUSTER: Da man für die Ausbildung zum Qualitätsmanager als Eingangsvoraussetzung einen Abschluss als Qualitätsbeauftragter benötigt, müssen unsere Teilnehmer die Struktur und die Inhalte der ISO 9001 beherrschen. Mit der Anwendung der ISO 9004 als Leitfaden zur Leistungsverbesserung werden im Unterricht dann die Maßnahmen eines umfassenden Qualitätsmanagementsystems diskutiert und die dazu passenden Anwenderkompetenzen vermittelt. Die Lehrgänge der H&S zeichnen sich dabei vor allem durch einen hohen Praxisbezug aus. So wird in den verschiedenen Workshops die Anwendung der Qualitäts- und Managementwerkzeuge anhand von zahlreichen Beispielen aus der Praxis eingeübt. Damit soll die Norm für eine bestmögliche Umsetzung interpretiert werden können. Ganz nach dem Motto: „Aus der Praxis für die Praxis". Die hohe Erfolgsquote von 98,4 Prozent bestandener Prüfungen innerhalb der letzten zehn Jahre gibt uns dabei Recht.

SCHULZ: Das kann ich so auf jeden Fall bestätigen. Denn meine im Zuge von Praktika und verschiedenen militärischen Verwendungen erworbenen Vorkenntnisse konnte ich im späteren Lehrgang bestens verwerten. Durch den hohen Praxisbezug der einzelnen Workshops konnte ich mein Wissen zudem fortlaufend vertiefen und Stück für Stück ausbauen. Ein großer Pluspunkt war dabei ebenfalls, dass unsere Dozenten individuell auf die Belange der jeweiligen Vorbildungen der verschiedenen Teilnehmenden eingegangen sind und die Lehrgangsinhalte dadurch optimal abgebildet werden konnten. Schließlich war unsere Gruppe bunt gemischt, so dass zunächst erst einmal ein einheitliches Ausbildungsniveau zu schaffen war. Darauf aufbauend wurden dann im Rahmen von praxisnahen Fällen alle wichtigen QM-Tools vermittelt.

Herr Schulz, in welchem Maße haben Ihnen die erworbenen Kenntnisse bei Ihrem späteren Arbeitgeber geholfen?

SCHULZ: Durch die stringente Ausbildung aus einer Hand konnte ich nach meinem Wechsel in die Wirtschaft in einem hohen Maße von den vermittelten Inhalten profitieren. Schließlich waren meine QM-Qualifikationen zentraler Bestandteil der ersten und zweiten Runde meines Bewerbungsprozesses auf Stellen im QM-Umfeld. Doch dank meiner guten Ausbildung und dem fundierten QM-Fachwissen hat der Einstieg insgesamt ganz gut geklappt. Und auf Basis der in erster Linie von H&S vermittelten Kenntnisse habe ich mich bei meinem jetzigen Arbeitgeber, der ATLAS-ELEKTRONIK GmbH, recht zügig als kompetente Ansprechstelle unter anderem für interne Audits, Lieferantenaudits oder unterschiedlichste QM-Systemfragen positionieren können.

Gibt es Ihren Erfahrungen nach auch Wirtschaftszweige, in denen man ohne eine entsprechende QM-Ausbildung heute gar nicht mehr auskommt?

SCHULZ: Durch QM-Zertifikate wird in einem Unternehmen ein einheitlicher Standard sichergestellt, welcher sich im täglichen Berufsleben schnell offenbart! Vor allem neuen Mitarbeitern bieten standardisierte Abläufe eine gewisse Handlungssicherheit und gewährleisten gleichzeitig eine gleichbleibende Arbeitsqualität. Hier helfen profunde Kenntnisse der Materie natürlich weiter. Gerade anspruchsvolle Produkte aus dem Rüstungssektor kommen ohne Standards wie EN 9100/DIN EN ISO 9001 oder AQAP2110 heute gar nicht mehr aus. Zumal gerade internationale Kunden immer stärker nach diesen Zertifizierungen fragen. Das bedeutet aber gleichzeitig auch, dass prozessorientierte Unternehmen aus Wirtschaftszweigen wie dem Automotive-Bereich, der Medizin oder der Logistik nach meinen Erfahrungen gar nicht am Thema Qualitätsmanagement oder TQM vorbeikommen. Aus diesem Grund fordern nicht nur die Personaler, sondern ebenso die Fachstellen eine entsprechende Qualifizierung im QM-Bereich. Natürlich unterstützen die Recruiter der Personalabteilung hier nur bei der Auswahl und Beurteilung der bereitgestellten Bewerberdaten. Das letzte Wort in Punkto Einstellung haben aber immer öfter die Fachverantwortlichen der betreffenden Fachabteilung.  (sg)

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