Nach dem DZE in den Personalbereich

Vom Jägeroffizier zum Personalleiter: Der Hauptmann d.R. und Leiter des Bereichs Personal der HEGEMANN-Gruppe Martin Damm berichtet über seinen Wiedereinstieg sowie die Unterschiede von SaZ gegenüber „zivilen" Bewerbern.


Herr Damm, als ehemaliger Heeresoffizier führen Sie heute den Zentralbereich Personal bei der Hegemann Gruppe. Stellen Sie uns Ihren Werdegang doch bitte kurz vor.

Nach drei Jahren Offizierausbildung in der Jägertruppe habe ich in München mein Studium der Wirtschafts- und Organisationswissenschaften absolviert. Während dieser Zeit durfte ich bei der MAN Nutzfahrzeuge AG sowohl als Ferienjobber als auch während meiner Diplomarbeit schon etwas HR-Praxis-Luft schnuppern. Nach dem Studium ging es aber zunächst zurück an „meinen" Standort Hammelburg. Als Zugführer, stellvertretender Kompaniechef und S2-Offizier habe ich das Jägerlehrbataillon zwei Jahre bis 2006 begleiten dürfen und musste den Verband mit auflösen. Anschließend verschlug es mich nach Koblenz ins Heeresführungskommando, wo ich - unterbrochen von einem Auslandseinsatz - als Personaloffizier tätig war.

Bei meinem Ausscheiden aus der Bundeswehr im Jahr 2008 hatte ich das Glück direkt in eine Führungsposition bei der mittelständischen Unternehmensgruppe PRETTL einsteigen zu dürfen. Den Inhabern bin ich heute noch dankbar, dass sie so viel Vertrauen hatten und mich direkt als Personalleiter einsetzten. Schließlich ist das so nicht unbedingt üblich. Nach sehr intensiven fünf Jahren mit vielen neuen Personalthemen, Bewältigung der Automobilkrise und Integration neuer Unternehmen zu PRETTL bin ich 2013 zur mittelständischen HEGEMANN Gruppe gewechselt. Ausschlaggebend für den Wechsel waren vor allem private Gründe. Als Arbeitgeber hat mich aber die HEGEMANN Gruppe sofort durch das klare Wertebild innerhalb des Unternehmens begeistert. Die Tugenden und ehrbaren Verhaltensweisen des „hanseatischen Kaufmanns" sind Leitbild und in der täglichen Arbeit gelebtes Selbstverständnis. Rückblickend lief es für mich bisher ziemlich geradlinig und glatt. Allerdings war mir das an den einzelnen Wendepunkten in meiner Karriere bei weitem nicht immer so klar. 

War der Wechsel von der Jägertruppe in den Personalbereich eines zivilen Unternehmens damals eine große Umstellung für Sie?

Definitiv. Denn eine zivile Firma ist doch eine andere Welt, deren Regeln man nicht kennt. Gerade die Bedeutung von informellen Strukturen musste ich erst lernen. Der Blick ins Organigramm reicht eben nicht aus, um genau zu wissen, wen man bei bestimmten Projekten zwingend einbinden muss. Darüber hinaus habe ich erfahren, dass viele Themen im Unternehmen mit einer relevanten Vorgeschichte belastet sind. Dies kannte ich aus der Bundeswehr nicht.

Es gibt aber natürlich noch weitere Unterschiede, die mir auffielen und die Umstellung herausfordernder machten. Da wäre ebenso der deutlich größere Arbeitsumfang zu nennen. Ich war davon ausgegangen, dass ich bereits als Offizier schon ein recht fleißiger Soldat war. Aber die Arbeitsbelastung im Unternehmen, zumindest auf einer Führungsposition, ist doch noch einmal um einiges höher. Doch trotz dieser Punkte muss ich klar sagen: man braucht vor dem Wechsel in die Wirtschaft keine Angst zu haben. Mit Bescheidenheit, Fleiß und Entscheidungsfreude, die jeder militärische Vorgesetzte mitbringen sollte, schafft man diese Phase locker. Schon nach einem halben Jahr fühlt es sich so an, als hätte man nie etwas anderes gemacht.

Als Personalentscheider haben Sie täglich mit Jobsuchenden zu tun. Gibt es Unterschiede zwischen ausscheidenden Soldaten auf Zeit und den „zivilen" Bewerbern?

Hier sehe ich im Wesentlichen drei Unterschiede, sofern man gleichaltrige Bewerber vergleicht. Erstens haben ehemalige Soldaten häufig einen etwas weiteren Blick auf ihr Arbeitsfeld. Man ist es als Soldat gewohnt über den eigenen Tellerrand hinaus auch für die nächste Führungsebene mitzudenken. Und diese Gewohnheit legt man nicht einfach ab. Darüber hinaus habe ich beobachtet, dass ehemalige Soldaten bei auftretenden Problemen meist ruhiger und besonnener reagieren. Ohne Aufregung wird die Lage analysiert und die notwendigen Handlungen abgeleitet. Der dritte Punkt betrifft die Art der Kommunikation. Viele ehemalige Zeitsoldaten kommunizieren für das zivile Umfeld ungewohnt direkt und klar. Dies schließt für mich auch ein, dass man selbst verschuldete Fehler ohne Ausreden zugibt. Diese Art der Gesprächsführung verwirrt bisweilen auch gestandene Führungskräfte, wenn sie ehemalige Soldaten führen.

Nicht in allen Unternehmen sind frühere Soldaten als neue Mitarbeiter willkommen. Haben Sie hier vielleicht schon von Vorurteilen anderer Recruiter oder Personalleiter gehört?

Natürlich gibt es eine Reihe von Vorurteilen, denen ich immer mal wieder begegne. Allerdings beobachte ich auch, dass diese zunehmend weniger werden. Aber meine drei geraden dargestellten positiven Unterschiede zu den zivilen Bewerbern haben natürlich auch immer eine negative Komponente. So kann der Blick über den Tellerrand rasch als Einmischung in die Bereiche anderer Kollegen verstanden werden. Eine bedachte Reaktion auf ein Problem könnte ebenfalls als mangelndes Verständnis für die Wichtigkeit der Situation verstanden werden. Und schließlich birgt eine offene und geradlinige Kommunikation die Gefahr, unangemessen, unfreundlich oder wenig wertschätzend zu sein. Insofern ist es wie bei allen Stärken, die ein Mensch haben kann: sind die Stärken zu stark ausgeprägt, so können sie umgekehrt auch zu Schwächen werden.

Beim Thema Gehaltsvorstellung liegen ehemalige Zeitsoldaten und zukünftige Arbeitgeber oft weit auseinander. Können Sie das so bestätigen?

Nein, das habe ich so nicht beobachtet. Natürlich ist die Frage, wie man „weit" definiert. Aber durch Internet oder soziale Netzwerke haben ehemalige Soldaten heutzutage schon ein realistisches Bild von den Verdienstmöglichkeiten. Ich glaube lediglich das Konzept, dass man in manchen Branchen und Regionen Deutschlands deutlich mehr Geld für die gleiche Leistung bekommt, ist regelmäßig noch nicht ganz im Bewusstsein der soldatischen Bewerber angekommen.

Unvollständige Unterlagen lassen auch gute Bewerber scheitern. Welche Bedeutung haben ein gutes Anschreiben sowie fehlerfreie Bewerbungsmappen?

Die Bewerbungsunterlagen sind unheimlich wichtig, da sie die Visitenkarte des Bewerbers sind. Das gleiche gilt auch für die Art der Ansprache, die der Schreiber an den Tag legt. Und diese kann beim verantwortlichen Recruiter sehr gut ankommen oder natürlich auch ins Gegenteil verkehren. Immerhin muss man sich bewusst machen, dass sich auch Soldaten an die normalen Gepflogenheiten im Bewerbungsprozess halten müssen. Dies gilt insbesondere in der geschäftlichen Kommunikation über das Internet. Fehlende Ansprache, unklare Fragestellungen und Rechtschreibfehler sind absolute No-Go‘s. Wer meint, im geschäftlichen Kontext genauso zu kommunizieren wie unter Freunden, der hat wesentliche Grundzüge des gesellschaftlichen Umgangs nicht verstanden.

Was sind aus Ihrer Erfahrung noch weitere „Probleme", die Ihnen im Umgang mit früheren Zeitsoldaten immer wieder begegnen?

Es gibt meinen Erfahrungen nach eigentlich nur einen wiederkehrenden Fehler. Viele ehemalige Soldaten auf Zeit akzeptieren beim Wechsel in die zivile Wirtschaft nicht ihren Status als Anfänger. Da werden völlig absurde Vergleiche zu den Erfahrungen aus der Dienstzeit in der Bundeswehr gezogen und sehr selbstbewusst auf einen nicht vorhandenen Expertenstatus beharrt. Etwas mehr Bescheidenheit würde hier in einigen Fällen gut tun. So sollten diese Kameraden einfach akzeptieren, dass diejenigen Personaler, die ihnen im Bewerbungsgespräch gegenüber sitzen und vielleicht noch nie im Leben im Auslandseinsatz waren, einen Einzelkämpferlehrgang durchgestanden haben oder mit einem Fallschirm abgesprungen sind, dennoch ihren Job können.

Könnten Sie als „Insider" noch einen Tipp abgeben, den Soldaten für eine erfolgreiche Karriere nach der Bundeswehr unbedingt beherzigen sollten?

Aus meiner Sicht kann ich vor allem eines raten: Den Kollegen gut zuhören, bescheiden bleiben, fleißig sein und weiterhin stets mit gutem Vorbild führen. Kurz gesagt: die alten bewährten Tugenden aus der Bundeswehrzeit nicht vergessen und das neue ohne Vorbehalte kennenlernen.  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Ehemalige Zeitsoldaten berichten

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