Nach dem Bund in die Schweiz

Zum Wiedereinstieg ins Ausland wechseln: Hauptfeldwebel d.R. Jens Bogisch berichtet über sein duales Bachelorstudium und seine anfänglichen beruflichen Probleme in der Schweiz.

Sie haben im Anschluss an Ihre zwölfjährige Dienstzeit den erfolgreichen Wiedereinstieg ins Zivilleben geschafft. Können Sie uns Ihren individuellen Werdegang bitte einmal näher darstellen?

Meine Bundeswehrkarriere habe ich damals als ganz normaler Wehrpflichtiger begonnen. Als ich zum Militärdienst eingezogen wurde, hatte ich anfangs nur die Absicht, meine zehn Monate Grundwehrdienst abzuleisten. Nach dem Abschluss meiner Grundausbildung wurde ich nach Donaueschingen versetzt und hatte dort die Chance in einen Auslandseinsatz zu gehen. Also entschied ich mich kurzerhand meine Wehrdienstzeit auf 15 Monate zu verlängern und den Einsatz in Bosnien-Herzegowina mitzumachen. Während dieser Zeit beschloss ich erneut mich weiter zu verpflichten und eine Ausbildung zum Materialnachweisunteroffizier anzustreben, was mir glücklicherweise auch vor Ort in der Instandsetzungsführung ermöglicht wurde.

Da ich mich für „höheres" berufen fühlte, verpflichtete ich mich als Zeitsoldat für zwölf Jahre, um Materialnachweisfeldwebel werden zu können. Dazu wurde ich ins Bundeswehrkrankenhaus nach Ulm versetzt, wo mir die Krankenhausluft jedoch so ganz und gar nicht bekam. Denn ich wollte mehr. Nach der erfolgreichen Absolvierung meine Feldwebelausbildung bemühte ich mich um eine Stelle bei den Panzerpionieren in Immendingen. Zu meinem Glück konnte ich damals den Kompaniechef überzeugen, dass ich genau der Richtige für den Posten des Versorgungsfeldwebels wäre. Hier überhäufte man mich natürlich gleich mit Arbeit. Insbesondere die ganzen Nachbereitungen, Bundeshaushaltsüberprüfungen oder die Umstrukturierung der Kompanie waren sehr spannend und eine neue Herausforderung für mich.

Die Zeit bei der Bundeswehr war, obwohl ich nicht als „Kämpfer" eingesetzt war, insgesamt sehr erfolgreich und interessant. Da ich während meiner ganzen Dienstzeit immer etwas mit Logistik zu tun hatte, war es natürlich naheliegend, dass ich auch nach der Bundeswehr in diesem Bereich tätig sein wollte. Ich hatte bereits im Rahmen meiner Feldwebelausbildung mit der Fortbildung zum Fachkaufmann für Organisation die Voraussetzung geschaffen, um meine BFD-Ansprüche für ein Studium nutzen zu können. So entschloss ich mich nach Beendigung meiner Dienstzeit ein Studium zum Bachelor of Arts zu absolvieren.

Ist Ihnen denn die Rückkehr in den zivilen Berufsalltag anfangs schwer gefallen?

Die Rückkehr ist mir keineswegs schwer gefallen. Ich konnte bereits während meiner Zeit in der Bundeswehr viel bewegen und hatte durch die Arbeit als Versorgungsfeldwebel jeden Tag ordentlich zu tun.

Haben Sie eigentlich auf Ihren Erfahrungsschatz und die Ausbildung als ehemaliger Zeitsoldat zurückgreifen können?

Genau wegen dieser Erfahrungen wurde ich bei einem großen Postdienstleister für ein duales Studium eingestellt. Das alltägliche Organisieren, die Erfahrungen in den Auslandseinsätzen, aber auch die typischen soldatischen Tugenden wie Fleiß, Ehrgeiz und Pünktlichkeit wurden mir dabei als Vorschusslorbeeren angeheftet. Mir wurde schnell bewusst, dass das Einhalten von Strukturen, Mitdenken, Handeln und Entscheidungen fällen noch Dinge aus meiner Bundeswehrzeit waren, die mir gerade in der Anfangszeit sehr weitergeholfen haben. Auch meine Präsentationsgewandtheit vor Gruppen und fremden Menschen war ein ganz klarer Vorteil, den ich bei der Bundeswehr gelernt hatte.

Konnte Ihnen in der Phase der Wiedereingliederung der Berufsförderungsdienst (BFD) mit Rat und Tat zur Seite stehen?

Der erste Kontakt zum BFD war irgendwie ernüchternd. Den Termin hatte ich sorgfältig geplant und wollte meine Ausbildung schon frühzeitig in Angriff nehmen. Ich war aber ziemlich irritiert, als mir im Verlauf einer ziemlich kurzen Beratung eine Ausbildung an der Bundeswehrfachschule angeboten wurde. Daraufhin wollte ich zunächst gar keine BFD Maßnahme mehr durchführen. Allerdings ist mir eine andere Beraterin empfohlen wurden, die ich gegen Ende der Dienstzeit auch besuchte. Mit ihr konnte ich dann meine Wünsche durchgehen und wir kamen gemeinsam zu dem Ergebnis, dass ich an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) ein duales Studium zum Bachelor of Arts (B.A.) Fachrichtung Logistik/Materialwirtschaft und Controlling beginnen könnte. Die Betreuung nach meiner Entlassung war hervorragend. Der BFD unterstütze mich sehr in dem er mir viel Arbeit und die Koordination während des BFD-Zeitraums abnahm. Es ist mir dadurch deutlich geworden, dass nicht alle BFD-Berater gleich sind und auch nicht jeder Zeitsoldat gleich behandelt werden kann.

Würden Sie uns dieses duale Studium zum Bachelor of Arts kurz vorstellen?

Das war ein duales Studium mit dem Schwerpunkt Logistik/Materialwirtschaft und Controlling an einer der größten Hochschulen des Landes. Zugelassen wird man allerdings nur, wenn man einen „Ausbildungsbetrieb" findet, der einen dabei unterstützt. Man ist also primär Angestellter eines Unternehmens, der neben dem Einsatz am Arbeitsplatz noch studiert. Das Studium ist so aufgeteilt, dass je ein halbes Semester im Betrieb und die andere Hälfte an der Hochschule absolviert wird. Ziel ist es, dass erlernte Wissen direkt in der Praxis nutzen zu können. Ich hatte das Glück einen Betrieb gefunden zu haben, in dem ich die Masse der Studienschwerpunkte im Rahmen meiner Arbeit gleich praktisch anwenden konnte. Zusätzlich werden während der Praxisphasen zwei Projektarbeiten geschrieben und zum Schluss noch die Bachelorarbeit erstellt. Dadurch wird das Erlernte sowie der tägliche Einsatz im Betrieb auch für die Hochschule transparent.

Und sind die praktischen Ausbildungsanteile für Sie eine Bereicherung gewesen?

Ich konnte sehr gut betriebliche Optimierungsmöglichkeiten erkennen sowie deren Potentiale umsetzen und verbessern. Auch die Implementierung einer neuen Software für die bestmögliche Ausnutzung der Arbeitszeit im Betrieb war sehr hilfreich für mein weiteres Berufsleben. Hier konnte ich mehrere kleinere, aber auch ein komplexes Projekt begleiten und leiten.

Herr Bogisch, Sie arbeiten ja heute für ein großes Vertriebsunternehmen in der Schweiz. Mit welchen Gefühlen sind Sie damals ins Ausland gegangen?

Ich bin absichtlich und mit hohen Erwartungen in die Schweiz gegangen. Meine persönliche Nähe zu diesem Land wollte ich nutzen, um dort eine Stelle zu finden. Es gibt hier im Arbeitsleben sicherlich eine andere Mentalität. Und ich kann Ihnen sagen, dass im Geschäftsleben das Vorurteil der angeblich „langsamen" Schweizer ganz und gar nicht stimmt. Als Projektleiter ist man hier überall dabei und kann sehr viele Veränderungen antreiben. Jeder Tag ist anders. Eine Routine konnte ich bisher noch nicht erkennen.

Und was waren die größten Probleme mit denen Sie dort zunächst konfrontiert gewesen sind?

Im Arbeitsleben überhaupt keine. Es ist nur ein bisschen Merkwürdig, dass man sich auf allen Managementleveln duzt. So hatte mir mein Divisionsleiter sofort das Du angeboten. Aber da gewöhnt man sich schnell dran. Ansonsten war es am Anfang sicherlich schwierig eine Wohnung zu bekommen, da ich lediglich eine Arbeitsbewilligung besaß. Zu Anmietung einer Wohnung braucht man aber zwingend eine Aufenthaltsgenehmigung. Diese kann man jedoch ohne Wohnung auch erst gar nicht beantragen. Hier unterstützte mich mein neuer Betrieb außerordentlich und so konnte ich den merkwürdigen Behördenwirrwarr umgehen.

Haben Sie noch ein paar Ratschläge für diejenigen, die sich vielleicht mit dem Gedanken tragen nach dem Dienstzeitende auch im Ausland arbeiten zu wollen?

Man sollte sich vorher auf jeden Fall erkundigen, was alles für Unterlagen benötigt werden. Auch wenn die Schweiz sicherlich eine Ausnahme bildet, da sie nicht in der Europäischen Union ist, darf man den Weg zu den Behörden nicht scheuen. Zudem muss man sich bewusst sein, dass man dann zur Gruppe der Ausländer gehört. Die Schweiz hat zum Beispiel einen Ausländeranteil von über 20 Prozent. Es kann daher schon mal vorkommen, dass man deswegen nicht immer positiv ankommt. Zum Glück habe ich dies bisher noch nicht selbst erlebt, aber aus Bekanntenkreisen wurde es mir schon berichtet.

Wenn Sie heute noch mal kurz vor dem Dienstzeitende stünden. Würden Sie dann irgendetwas anders machen?

Nein, ich habe das Beste aus meiner Zeit gemacht. Durch das Studium habe ich nach der Bundeswehr einen langsamen Einstieg zurück ins Berufsleben gefunden. Die Entscheidungen waren genau richtig und ich kann diesen Werdegang nur weiterempfehlen.  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Ehemalige Zeitsoldaten berichten

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