Mit Franchise in die Selbständigkeit

Franchise mit System: Der Schülerhilfe-Partner und frühere Zeitsoldat Michael Leinemann sowie Schülerhilfe-Expansionsleiter Michael Ganschow informieren über die Vorteile von Franchise und den Weg in die Selbständigkeit.


Die Schülerhilfe unterstützt Kinder und Jugendliche seit über 40 Jahren mit schulischen Förder- oder Nachhilfeprogrammen. Herr Ganschow, was bietet Ihr Unternehmen genau?

GANSCHOW: Die Schülerhilfe eröffnet seit der Unternehmensgründung im Jahr 1974 Lebens-Chancen - für Schülerinnen und Schüler, aber auch für unsere Partner. Im Kern unseres Konzeptes steht die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern in kleinen Gruppen und zu fairen Preisen. Dieses Modell überzeugte und setzte sich schnell durch, zumal auch ein großer Markt für professionelle Nachhilfe vorhanden ist. So leben in Deutschland rund 11 Millionen Schülerinnen und Schüler, von denen rund 1,1 Millionen pro Jahr Nachhilfe-Unterricht in Anspruch nehmen. Dabei entscheidet sich die Hälfte dieser Nachhilfesuchenden für die Förderung durch ein Institut. Und an dieser Stelle kommen wir ins Spiel. Denn unser Franchise-Modell bietet Unternehmern die Möglichkeit, sich erfolgreich mit einer eigenen Franchise-Schülerhilfe selbständig zu machen. Bereits seit 1983 vergibt die Schülerhilfe ihr erfolgreiches Konzept als Franchise-System an interessierte Partner. Dieses System hat sich quantitativ und qualitativ konsequent weiterentwickelt. Heute verfügt die Schülerhilfe über rund 300 eigene Institute und rund 350 Franchise-Partner, die mit großem Engagement über 700 lokale Schülerhilfen zum pädagogischen und wirtschaftlichen Erfolg führen. Damit ist die Schülerhilfe sowohl die bekannteste Marke für Nachhilfe als auch der drittgrößte Franchisegeber in Deutschland.

Können Sie das System „Franchise" bitte ganz kurz erläutern?

GANSCHOW: Franchising ist ein auf Partnerschaft basierendes System. Der sogenannte Franchisegeber übernimmt die Planung, Durchführung und Kontrolle eines erfolgreichen Betriebstyps. Er erstellt ein unternehmerisches Gesamtkonzept, das von seinen Geschäftspartnern, den Franchisenehmern, selbstständig an ihrem Standort umgesetzt wird. Das Risiko für den neuen Unternehmer wird auf ein Minimum reduziert, da es sich hier um ein langjährig erprobtes, erfolgreiches Konzept handelt und Fehler in der von uns begleiteten Startphase vermieden werden.

Herr Leinemann, als ehemaliger Soldat auf Zeit sind Sie nach Ihrem Dienstzeitende bei der Schülerhilfe als Franchisenehmer gestartet. Wie ist es damals dazu gekommen?

LEINEMANN: Im Prinzip bin ich zur Schülerhilfe gekommen wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind. Es war ein schöner Sommertag an dem ich mit Freunden gegrillt habe. Wir redeten über den Sinn des Lebens und ob man in der Mitte seines Lebens eben dieses ändern sollte. "Wenn nicht jetzt, wann dann?" stand im Raum. Und nach über zwölf Jahren Bundeswehr und bald neun Jahren INFO AG war es für mich Zeit für eine Veränderung. Eine Bekannte fragte mich ernsthaft, ob wir uns nicht mit einem Nachhilfeinstitut selbstständig machen wollen. Ich lachte sie zunächst noch aus. Doch das war eine Idee, die gesetzt wurde, und nach und nach in mir reifte. Ich durchforstete das Internet, las mich ein und suchte entsprechende Informationen. Das Franchise-Konzept der Schülerhilfe gefiel mir besonders. Es war irgendwie interessanter und auch anspruchsvoller als andere vergleichbare Angebote. Kurzum: Ich bewarb mich in Gelsenkirchen, hatte ein tolles Beratungsgespräch und im November 2003 unterschreib ich meinen Vertrag.

Wo liegen die konkreten Vorteile und Chancen von Franchisesystemen gerade im Vergleich zur „klassischen" Selbständigkeit?

GANSCHOW: Wenn man sich an einem Franchise-System beteiligt, profitiert man von den zahlreichen Fehlern, die andere bereits gemacht haben und einen selbst viel Geld kosten können. Denn dank dem Know-how des Franchise-Gebers lassen sich Gründungsfehler vermeiden. Das ist sicher der wichtigste Erfolgsfaktor beim Thema Franchise. Die Integration in ein erfolgreiches System bringt noch einen weiteren wichtigen Vorteil mit sich: Die stärkere Verhandlungsposition bei den Banken. Gerade in den letzten Jahren ist es immer schwieriger geworden als Existenzgründer einen Kredit zu bekommen. Als Franchise-Nehmer hat man einen starken Partner an seiner Seite, so dass sich das Unternehmerrisiko deutlich reduziert. Zudem liefert der Franchise-Geber Vergleichszahlen und schlüssig aufgearbeitete Konzepte, was die Verhandlungsposition gegenüber dem Kreditinstitut stärkt.

Neben eben diesen Vorzügen ist ein weiterer wichtiger Faktor das Marketing. Schließlich ist Werbung teuer und bindet viel Zeit. Vor allem dann, wenn in der Anfangszeit nicht die finanziellen Mittel vorhanden sind, um eine teure Werbeagentur einzuschalten. Darüber hinaus bietet Franchise seinen Partnern einen schnelleren Marktzugang bei einem gleichzeitig geringeren Unternehmerrisiko. Schließlich fängt man nicht bei null an, sondern greift auf ein bereits erprobtes Marken- oder Dienstleistungssortiment zurück. Zudem bieten das Image des dahinter stehenden Großunternehmens, geschützte Markennamen, gemeinsame Werbestrategien und bessere Einkaufskonditionen weitere strategische Vorteile und reduzierte Kosten. Davon abgesehen unterstützt der Franchisegeber bereits bei der Standortwahl und -analyse, so dass man als Unternehmer quasi in einen „schlüsselfertigen" Betrieb einsteigen kann. Auch über notwendige Schulungen oder regelmäßige Weiterbildungen muss man sich keine Gedanken machen. Denn die werden gewöhnlich ebenfalls durch den Franchisepartner organisiert.

LEINEMANN: Neben den von Herrn Ganschow aufgezählten Punkten liegt ein wichtiger Vorteil klar auf der Hand: Es gibt ein komplett durchdachtes Konzept - faktisch schon einen fertigen Business Plan. Viele Fehler, die man ansonsten gerade zu Beginn einer Selbstständigkeit machen kann, können so vermieden werden. Die gute Betreuung des Außendienstes stand mir besonders am Anfang kompetent zur Seite, so dass der Start für mich relativ reibungslos verlief.

Inwiefern kann man als Franchisenehmer überhaupt seine eigenen Entscheidungen treffen?

LEINEMANN: Im Prinzip entscheide ich alles allein. Mir redet da wirklich keiner irgendwie rein. Das bedeutet aber ebenfalls, dass das auch niemand für mich tut, wenn ich Mal an etwas nicht gedacht und daher keine Entscheidung getroffen habe. Man ist also buchstäblich seines eigenen Glückes Schmied. Natürlich gibt es in bestimmten Bereichen strikte Vorgaben durch die Schülerhilfe. Aber die halte ich fast alle für absolut sinnvoll und für den Betrieb einer eigenen Filiale unabdingbar. Das geforderte Qualitätsmanagement zum Beispiel hilft mir dabei, alle Abläufe in der Firma strukturiert zu gestalten und miteinander zu verzahnen. Aber am Ende entscheide ich wer beispielsweise Büroleiter wird. Ich stelle die Nachhilfelehrer ein und bin bei der Preisgestaltung total flexibel. Die Kursorganisation und der Ablauf unterliegen ebenso meiner Verantwortung. Ich fühle mich frei!

GANSCHOW: Unsere Partner genießen ein Maximum an unternehmerischer Freiheit. Wir stehen als Systemgeber flankierend zur Seite und unterstützen bei allen relevanten Themen. Wichtig für uns ist, dass unsere Corporate Identity - also unsere Marke - erhalten bleibt, da diese ein großer Faktor für den Erfolg ist.

Wie läuft der Einstieg als neuer Franchisepartner bei der Schülerhilfe ab?

GANSCHOW: In der Regel ist der Einstiegsprozess in drei Phasen gegliedert. Nach einer Anfrage nehmen wir Kontakt mit dem Interessenten auf und versenden unverbindlich unser Informationsmaterial. Danach treten wir in telefonischen Kontakt, um erste Fragen zu beantworten. Als nächsten Schritt laden wir die Interessenten in unsere Zentrale nach Gelsenkirchen ein, bei diesem Treffen präsentieren wir umfänglich die Schülerhilfe als Franchisepartner und lernen uns persönlich kennen. Danach bieten wir die Möglichkeit einer Hospitation in einer Schülerhilfe mit dem Ziel, Einblick in das Tagesgeschäft zu bekommen und sich mit einem erfolgreichen Franchisepartner auszutauschen. In der dritten Phase übernimmt dann der jeweils zuständige Regionalpartner und begleitet unseren neuen Partner intensiv vor sowie während der Eröffnungsphase. Für den Einstieg benötigt man übrigens ein Eigenkapital von etwa 10.000 bis 15.000 Euro. Die Kosten für die Eröffnung einer Schülerhilfe liegen mit zwischen 50.000 und 75.000 Euro jedoch noch etwas darüber. Allerdings ist hier als größte Variable sicherlich der Unternehmerlohn zu nennen, der je nach den persönlichen Umständen stark voneinander abweichen kann.  

Natürlich spielt das Einkommen eine wichtige Rolle. Was kann man im Franchisesystem der Schülerhilfe ungefähr verdienen?

GANSCHOW: Perspektivisch gesehen bietet eine Partnerschaft mit der Schülerhilfe lukrative Verdienstmöglichkeiten. Hierbei muss aber natürlich eine gewisse „Anlaufzeit" mit einkalkuliert werden. Mittelfristig sieht das Geschäftsmodell die Möglichkeit vor, mehrere Schülerhilfen in einer Region zu betreiben. Betreiber von zwei bis drei Schülerhilfen erwirtschaften in der Regel einen Ertrag im deutlich sechsstelligen Euro-Bereich.

LEINEMANN: Meine Schüler fragen mich öfters: "Das ist hier echt teuer. Sie müssen bestimmt sehr reich sein?". Ich antworte dann immer, sie mögen sich doch einfach mal mein Auto anschauen - einen kleinen Daihatsu. Aber Spaß beiseite: Man kann davon leben! Ich habe zwei Kinder, die beide studieren ohne nebenbei jobben zu müssen. Aber, und das ist mir persönlich ganz wichtig: Geld ist nicht alles! Ich habe den besten Job der Welt. Jeden Tag schaffe ich es, dass aus relativ schlechten Schüler bessere Schüler werden. Schüler, die ein besseres Zeugnis, einen besseren Job und ein besseres Leben haben werden - Dank meiner Hilfe. Und wenn man dann ab und zu zum Abschied ein kleines Kärtchen mit "Mathe macht glücklich! Ohne Sie hätte ich dies wahrscheinlich nie erkannt!" oder mit "Vielen Dank, dass Sie mir die Faszination an der Mathematik geschenkt haben!" bekommt, dann kann man das nicht mit Geld aufwiegen.

Herr Leinemann, würden Sie sich wieder für Ihren Weg als Franchisepartner bei der Schülerhilfe entscheiden?

LEINEMANN: Als Consultant war ich es gewohnt, relativ selbstständig zu arbeiten und meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Und als ehemaligem Offizier fällt es mir selbst heute noch leicht schnelle oder komplexe Entscheidungen zu treffen. Daher bin ich wirklich gerne selbstständig. Ich entscheide! Ich bin Herr über mein eigenes Schicksal. Und diesen Schritt habe ich bis heute nicht bereut! Zu Beginn des Jahres habe ich daher erneut für alle meine Schülerhilfen-Standorte neue 10-Jahres-Verträge abgeschlossen.

Vielleicht abschließend noch ein Tipp von mir: Diesen Job muss man mit Leidenschaft machen, denn Lehren bedeutet, ein Leben für immer zu berühren! Egal, ob man „nur" der Chef ist, selbst unterrichtet oder das Büro leitet. Man muss Kinder mögen, man muss mit den Eltern empathisch reden können und man muss seine Nachhilfelehrer streng, aber freundlich sowie fair führen können. Zudem braucht man eine erstklassige Büroleitung! Darüber hinaus muss man aber vor allem lehren wollen. Schließlich hat bereits schon Heraklit festgestellt: "Lehren heißt, ein Feuer entfachen, und nicht, einen leeren Eimer füllen."  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Existenzgründung & Sonstiges

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