MBA zum Sicherheitsmanager

Angebotslücke geschlossen: Prof. Dr. Marc Knoppe, Studiengangleiter der TH Ingolstadt, informiert über den neuen Masterstudiengang „Security & Safety Management" sowie über die Vorzüge von Offizieren in der Sicherheitsbranche.

Die Technische Hochschule Ingolstadt (THI) hat zahlreiche berufsbegleitende Bachelor- und Masterstudiengänge im Programm. Stellen Sie die Studienmöglichkeiten doch bitte kurz vor.

Die TH Ingolstadt bietet seit ihrer Gründung 1994 ein breites Portfolio an richtungsweisenden Studiengängen in den Bereichen Wirtschaft und Technik an, die unsere Studierenden dazu befähigen sollen wissenschaftliche Methoden im täglichen Berufsleben anzuwenden. Die Palette unseres Studienangebotes umfasst derzeit 16 Bachelorstudiengänge in Vollzeit sowie sechs berufsbegleitende Bachelorstudiengänge. Hinzu kommen insgesamt neun darauf aufbauende Masterstudiengänge sowie weitere 13 berufsbegleitende Masterabschlüsse. Im Rahmen der berufsbegleitenden Studienmöglichkeiten liegt ein Schwerpunkt unserer Hochschule auf den wirtschaftswissenschaftlichen Masterstudiengängen, zu denen auch der neu konzipierte MBA „Security & Safety Management" zählt.

Die Studienangebote für die Sicherheitsbranche waren in Deutschland bisher recht überschaubar. Inwiefern bietet Ihr brandneuer MBA-Studiengang „Security & Safety Management" eine interessante Alternative?

Der Studiengang ist aus einer fachlichen Initiative von namhaften Sicherheitsexperten entstanden, die bei bekannten Unternehmen wie Astrium, EADS Deutschland, Siemens oder Deutsche Telekom tätig sind. Immerhin existiert im europäischen Raum kein ganzheitlicher Studiengang „Security & Safety Management", der das Berufsbild eines strategisch denkenden Sicherheitsmanagers in Konzernen, mittelständischen Unternehmen oder öffentlichen Institutionen abbildet. Die Notwendigkeit dafür ist jedoch klar gegeben. Schließlich sind Risiken und Bedrohungen sowie die nationalen wie internationalen Sicherheitsanforderungen für Unternehmen und öffentliche Institutionen in den vergangenen Jahren immer vielschichtiger geworden. Als Reaktion darauf müssen Sicherheitsabteilungen heute weniger isoliert, sondern verstärkt mit einem ganzheitlichen Sicherheitsverständnis und in Netzwerken agieren können. Aufgrund fehlender adäquater Studienangebote sind gerade die Sicherheitsabteilungen großer Unternehmen zuletzt immer wieder an ihre Grenzen gestoßen. Deshalb wurde von den Initiatoren ein neuer MBA entwickelt, um das State-of-the-Art-Wissen von Unternehmenssicherheit und Wirtschaftsschutz zu vermitteln. Er soll den wachsenden Bedarf an spezifisch ausgebildeten Sicherheitsmanagern decken, die über ein vernetztes strategisches Denken verfügen.

Warum ist dieses Studium gerade für ausscheidende Offiziere interessant?

Der MBA  „Security & Safety Management" richtet sich besonders an ausscheidende Offiziere der Bundeswehr, da sie wegen ihren einschlägigen Erfahrungen bereits über sehr gute Voraussetzungen für die Übernahme leitender Führungsfunktionen im Umfeld der Konzern- und Unternehmenssicherheit sowie dem Risk Management mitbringen. Diese Berufsgruppe ist es gewohnt, an sicherheitsrelevanten Themen zu arbeiten und mit schwierigen oder außergewöhnlichen Situationen umzugehen. Außerdem bietet sich besonders für ausscheidende Offiziere die Chance, die umfangreichen Fördermöglichkeiten des Berufsförderungsdienstes (BFD) während und nach ihrer Dienstzeit zu nutzen, um im Anschluss an das Dienstzeitende nahtlos auf einen interessanten Posten in die Wirtschaft zu wechseln.

Wie läuft der berufsbegleitende MBA „Security & Safety Management" in der Praxis ab?

Ziel des weiterbildenden Masterstudienganges „Security & Safety Management" ist es unsere Absolventinnen und Absolventen zu befähigen, strategische und operative Bedrohungslagen oder Sicherheitslücken in Unternehmen und öffentlichen Organisationen zu erkennen und zu bewerten. Darüber hinaus sollen sie operative und strategische Entscheidungen im Rahmen der Unternehmenspolitik treffen sowie ganzheitliche Sicherheits- und Risikostrukturen in Organisationen gestalten können. Der Studiengang selbst beansprucht grundsätzlich vier Semester plus Masterarbeit. Diese kann bereits im vierten Semester begonnen und abgeschlossen werden. Im ersten Semester muss man jedoch zunächst zwei Wahlpflichtmodule absolvieren. Die folgenden Semester setzen sich dann aus insgesamt neun weiteren Modulen zusammen, von denen eins im Ausland abgelegt werden kann. Bundeswehroffiziere dürften den klaren Vorteil haben, dass sie in der Regel im zweiten Semester einsteigen können und sich ihr Studium dadurch nicht unerheblich verkürzt. Denn ich gehe davon aus, dass sie die Kompetenzen der Wahlpflichtmodule bereits im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit erworben haben.

Und welche konkreten Studieninhalte werden im Rahmen des Studiums vermittelt?

Den Kern des Studiums bilden die Grundlagenfächer Allgemeine Managementmethoden, Security & Safety Fachterminologie sowie Grundlagen Security & Safety Management. Außerdem sind auch politisches und rechtliches Basiswissen sowie Normen & Standards Bestandteil der akademischen Ausbildung. In den Modulen des dritten Semesters werden dann Themen wie Sicherheitstechnik, technologische Möglichkeiten zum Schutz der Infrastruktur, Corporate Investigations, Krisenmanagement und Strategisches Risikomanagement vertieft. Im letzten Semester liegt der Schwerpunkt auf spezifischen Anforderungen von Leadership und Unternehmensführung sowie Security Strategien. Bundeswehroffiziere haben bei diesen Themen erneut den Vorteil, dass sie darin schon während ihrer Dienstzeit Erfahrungen sammeln konnten. Weitere Studienschwerpunkte liegen auf dem Business Continuity Management und branchenspezifischen Fallstudien.

Welche Zulassungsvoraussetzungen müssen angehende Studenten mitbringen?

Für die Zulassung zu unserem MBA-Studium ist ein wirtschaftsorientierter, technischer oder geisteswissenschaftlicher Hochschulabschluss im In- oder Ausland mit mindestens 210 ECTS-Leistungspunkten erforderlich. Bei qualifizierten Berufserfahrungen können bis zu 30 ECTS angerechnet werden, was für interessierte Offiziere gewöhnlich keine Hürde darstellt. Außerdem muss eine mindestens zweijährige einschlägige qualifizierte Berufserfahrung aus dem beruflichen Umfeld der inneren öffentlichen Gefahrenabwehr, der Konzernsicherheit oder als Offizier der Bundeswehr nachgewiesen werden. Parallel dazu gelten die Zulassungsvoraussetzungen nach dem Bayerischen Hochschulgesetz.

Die Studiengebühren können durch die Förderansprüche des Berufsförderungsdienstes (BFD) für studierte Offiziere nicht ganz abgedeckt werden. Könnte das aus Ihrer Sicht ein Problem darstellen?

Meiner Meinung nach sollte man bei einem guten MBA-Studium nicht zu sehr auf die Studiengebühren schielen. Denn eine akademische Ausbildung muss als langfristige Investition in die persönliche Zukunft verstanden werden. So ist der Studiengang einerseits mit einem Auslandsaufenthalt verbunden, was den Studenten die einzigartige Chance eröffnet, fernab des Campus völlig neue Bereiche sicherheitsrelevanter Unternehmen einzusehen und sich entsprechende Kontakte zu schaffen. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Industrie in diesem Bereich besonders ausgebildete Fachkräfte sucht und es sich in der Regel um sehr gut dotierte Führungspositionen bei namhaften, weltweit agierenden Unternehmen handelt. Das Spektrum erstreckt sich von Dax-Konzernen über mittelständische Unternehmen bis hin zur Sicherheitsindustrie mit einem Jahresumsatz von ca. 35 Milliarden Euro allein in Deutschland. Davon abgesehen dürfte der BFD bereits einen beachtlichen Teil der anfallenden Studienkosten  übernehmen. Und wer den Master schon während der aktiven Dienstzeit beginnt, kann weitere Fördergelder nutzen.

Wie bewerten Sie die Karriereperspektiven Ihrer zukünftigen Absolventen?

Der „MBA Security & Safety Management", der gemeinsam mit hochrangigen Fachleuten aus Industrie und öffentlicher Verwaltung entwickelt wurde, ist eine Antwort sowohl auf die Forderungen führender Industrieverbände wie BDI, ZVEI und BMI als auch der Sicherheitsforschung selbst, passende akademische Aus- und Weiterbildungsprogramme zum Wirtschaftsschutz und der Unternehmenssicherheit zu etablieren. In Industrie und Politik wird der Studiengang daher mit großem Interesse wahrgenommen. Zumal bei der Konzeptionierung des MBA auch viel Know How von Sicherheitsexperten führender deutscher Unternehmen eingeflossen ist. Daher bin ich fest davon überzeugt, dass unsere Absolventen hervorragende Berufsaussichten haben. Schließlich kommt heute kein Unternehmen mehr an der Thematik Sicherheit vorbei.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Vorzüge, die Offiziere nach dem Dienstzeitende für eine Zukunft im Security & Safety Management mit sich bringen?

In erster Linie sind es die meist langjährigen Führungserfahrungen in sicherheitsrelevanten Gebieten sowie die Erfahrung im Umgang mit kritischen Situationen, die ausscheidende Offiziere für eine Karriere in der Sicherheitsbranche prädestinieren. Diese erleichtern eine ganzheitliche Betrachtung beim Schutz und der Absicherung von Unternehmen oder Organisationen erheblich und fördern vernetzte Denkansätze in diesem recht speziellen Bereich. Viele Zeitoffiziere verfügen zudem über Auslandserfahrung beziehungsweise vielfältige Einsatzerfahrung in unterschiedlichen Ländern oder Projekten. Darüber hinaus sind sie Krisenerprobt und sehr gut ausgebildet und verfügen dadurch uneingeschränkt über alle Studien- und Berufsvoraussetzungen für eine Karriere auf dem Gebiet der Sicherheit.  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Studium nach der Bundeswehr

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