Master in Systems Engineering

Für Offiziere mit technischem Studium: Hauptmann d.R. Martin Weber berichtet über Inhalte und Erfahrungen während des berufsbegleitenden Master-Studiums Systems Engineering (M.Sc.) an der Universität der Bundeswehr München.


Herr Weber, Sie waren einer der ersten Absolventen des berufsbegleitenden Master-Studiengangs „Systems Engineering" an der Universität der Bundeswehr München (UniBwM). Stellen Sie sich sowie das Studium zunächst kurz vor.

Im Anschluss an meine militärische Ausbildung zum Offizier und mein Elektrotechnik-Studium in München war ich als Elektronikoffizier im Jagdbombergeschwader 32 eingesetzt. Nach einem Dienstpostenwechsel zur Firma EADS in Manching folgten dort in den kommenden Jahren weitere Verwendungen als Programmieroffizier und später auch als Projektleiter. Im Jahr 2015 bin ich nach 12-jähriger Dienstzeit im Dienstgrad Hauptmann aus der Bundeswehr ausgeschieden.

Da ich als Zeitsoldat vor allem in der Softwareentwicklung sowie der Projektsteuerung von EloKa-Systemen tätig gewesen bin, wollte ich hier nach meinem Dienstzeitende anknüpfen und habe nach einem passenden Master-Studiengang gesucht. Rasch bin ich auf das Studium Systems Engineering der Universität der Bundeswehr in München aufmerksam geworden. Denn es befasst sich mit der Entwicklung von komplexen Systemen und verbindet Technik, Planung, Steuerung sowie Controlling auf allen Ebenen der Entwicklung. Als Student erlernt man Methoden und Prozesse, die einem den Einstieg in das Leben eines Systemingenieurs erleichtern. Für dieses berufsbegleitende Programm sind rund 2 Jahre und 3 Monate notwendig, wobei der Studienfortschritt immer nah an der täglichen Praxis im Betrieb ist. Die Präsenz- sowie die Prüfungsphasen finden in München an der UniBw statt. Die Prüfungen werden dabei überwiegend mündlich durchgeführt, die darüber hinaus durch Projekt- und Studienarbeiten ergänzt werden.

Warum haben Sie sich für den Masterstudiengang Systems Engineering an der Universität der Bundeswehr München entschieden?

Zum einen handelt es sich beim Thema Systems Engineering um ein brandaktuelles Thema, welches in vielen Betrieben und Konzernen immer mehr Bedeutung einnimmt. Schließlich kommt in der heutigen Zeit so gut wie kein großes Entwicklungsprojekt ohne eigenes System Engineering aus. Um allerdings in einer SE-Abteilung mitwirken zu können, ist neben einem fundierten Grundwissen in Elektrotechnik, Maschinenbau oder Luft- und Raumfahrttechnik auch eine Vertiefung der Fähigkeiten mit speziellen Aspekten des Systems Engineering notwendig. Das Studium an der Universität der Bundeswehr München bietet an dieser Stelle genau diese vertiefenden Aspekte, die einem in der Arbeitswelt wirklich weiterhelfen.

Zum anderen ist der Studiengang an der UniBw extrem flexibel konzipiert und komfortabel aufgebaut. Als Student kann man sich voll auf sein Studium konzentrieren, ohne dabei seine beruflichen Verpflichtungen zu vernachlässigen. Dies war mir ebenfalls sehr wichtig und einer der ausschlaggebenden Punkte für meine Studienauswahl.  

Konnte das berufsbegleitende Masterstudium Ihre Erwartungen rückblickend erfüllen?

Mittlerweile bin ich seit zwei Jahren erfolgreich als Systemingenieur in einer größeren Firma tätig und kann mir somit erlauben ein erstes Resümee zu ziehen. Natürlich kann man das im Hörsaal erlernte Wissen nicht immer eins zu eins in der Praxis umsetzen. Aber ich glaube, diese Erfahrung hat jeder Student während seiner akademischen Ausbildung schon einmal gemacht. Trotzdem stoße ich in meiner täglichen Arbeit immer wieder auf Probleme, die ich mit Hilfe der im Verlauf des Masters erlernten Methoden lösen kann. Vor allem aber hat das Studium bei mir das Bewusstsein geschärft, wie wir komplexe Systeme in deren Umwelt betrachten können und wie sich daraus Problemlösungsverfahren ableiten lassen.

Meine Erwartung war ehrlich gesagt, dass mir das Studium hilft eine gute Anstellung in der Wirtschaft im Anschluss an meine Bundeswehrzeit zu erlangen. Aber Spaß beiseite, ich wollte mich beruflich weiterentwickeln und gleichzeitig meinen technischen Background nicht aus den Augen verlieren. Das Studium zum Systems Engineer hat mir in beiden Fällen definitiv geholfen und meine Erwartungen voll und ganz erfüllt.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am Studium an der Universität der Bundeswehr München?

Insgesamt hat mir das Studium in München sehr gefallen. Zwei Aspekte möchte ich jedoch an dieser Stelle besonders hervorheben. So trägt die Nähe zwischen den Professoren und Studenten maßgeblich zum Studienerfolg bei. Statt auf monotonen Frontalunterricht zu setzen, werden die Themen im Plenum intensiv diskutiert, Lösungsansätze entwickelt und miteinander erörtert. Dozenten und Studierende begegnen sich dabei auf Augenhöhe. Darüber hinaus ermöglichen die im Verhältnis zu anderen Universitäten sehr kleinen Studiengruppen eine maximale Lehrstoffvermittlung. Immerhin sind nur etwa 6 bis 12 Studenten in einem Studienjahrgang. Dadurch kann auf mögliche Wissensdefizite oder auch auf Fragen aus dem Studienkreis sehr individuell eingegangen werden.

Inwieweit hilft Ihnen das erworbene Wissen heute in Ihrem beruflichen Alltag?

Wie schon erwähnt, profitiere ich in meiner täglichen Arbeit vor allem von den Konzepten und Betrachtungsweisen, die ich während des Studiums kennengelernt habe. Das Schöne an so einem Studium ist schließlich, dass hier neue Verfahren und Methoden diskutiert werden, die erst noch ihren Weg in die Wirtschaft finden müssen. Zum Beispiel haben wir im Rahmen der Vorlesungen einige Zeit über das Thema „Model Based Systems Engineering" (MBSE) diskutiert. Die dort gewonnen Erfahrungen helfen mir gerade dieses Thema in meiner Firma voranzutreiben. Immerhin ist die Thematik für einige meiner Kollegen noch recht neu. Hier ist es auf jeden Fall von Vorteil, wenn man bereits ein paar grundlegende Erfahrungen mitbringen kann. Ich möchte mich jetzt zwar nicht zum MBSE-Profi erklären. Aber durch das im Studium erworbene Wissen stehen mir jetzt fundierte Wege zur Verfügung, um an neue Entwicklungsverfahren heranzugehen und den maximalen Nutzen für die eigene Arbeit heraus zu ziehen.

Wie sind Sie mit der hohen Doppelbelastung durch das berufsbegleitende Studium und Ihrer täglichen Arbeit zurechtgekommen?

Die Mehrbelastung war schon deutlich spürbar und phasenweise nicht immer ganz einfach. Allerdings lässt der Aufbau des Studiums einem die Möglichkeit, kurzfristig Arbeitspakete zu verschieben und damit relativ flexibel auf die aktuellen beruflichen Anforderungen reagieren zu können. Denn natürlich steht neben dem Studium der Arbeitsplatz im Vordergrund. Besonders hilfreich war ebenfalls die gute Unterstützung seitens der UniBw sowie die Möglichkeit zur direkten Kommunikation mit den Professoren. Das hat mir persönlich sehr geholfen, alle beruflich anstrengenden Phasen erfolgreich zu meistern.    

Wie zufrieden waren Sie in diesem Zusammenhang mit der individuellen Betreuung während des Studiums?

Damit war ich sehr zufrieden. So hat mir das Betreuungsteam der Uni neben direkten Fachthemen auch bei administrativen Problemen schnell und überaus kompetent geholfen. Dabei hat immer alles reibungslos geklappt, da meine Probleme - zumindest gefühlt - fast zu jeder Tag- und Nachtzeit beantwortet wurde. Die super Betreuung wurde durch unsere E-Learning Plattform unterstützt. Diese lief fehlerfrei und selbst bei Problemen mit dem Druckerservice konnte ich mich immer an meine Betreuungsperson wenden. An dieser Stelle möchte ich mich daher noch einmal ganz herzlich bei den fleißigen Helfern der UniBw bedanken.

Haben Sie abschließend noch ein paar persönliche Tipps für unentschlossene Kameraden parat?

Das einzig entscheidende ist, dass Ihr Euch frühzeitig um Eure Zeit nach der Bundeswehr kümmert. Spätestens ins den letzten beiden Dienstjahren solltet Ihr einen relativ konkreten Plan haben, was Ihr nach dem Ende der Dienstzeit machen wollt. Immerhin bietet der Berufsförderungsdienst wirklich traumhafte Bedingungen Euch für den zivilen Markt fit und interessant zu machen. Meiner Meinung nach eignet man in sich während seiner Bundeswehrzeit viele tolle Fähigkeiten an. Aber das i-Tüpfelchen ist die Qualifikation am Ende der Dienstzeit. Denn allein „Offizier der Bundeswehr" zu sein reicht heute leider nicht mehr aus, um sich im Bewerberumfeld durchzusetzen.

Außerdem sollte sich jeder Zeitsoldat im Klaren sein, dass es für ihn nie wieder so einfach sein wird, sich beruflich neu ausrichten zu können. Also bitte verpasst diese Chance nicht! Das Studium ist hier zwar kein Allheilmittel, aber ich bin davon überzeugt, dass es Euch hilft eine leitende Ingenieurstelle in der Industrie zu bekommen.  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Studium nach der Bundeswehr

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