Master für Ingenieure

Komplexe Systeme bewältigen: Hauptmann Martin Weber sowie die UniBw-Professoren Kristin Paetzold und Roger Förstner informieren über die Vorzüge des berufsbegleitenden Masterstudiums „Systems Engineering“.

Die UniBw München hat den berufsbegleitenden Master „Systems Engineering" im Programm. Was genau verbirgt sich hinter diesem technischen Studium?

PAETZOLD: Der Masterstudiengang behandelt beide Bedeutungen des Begriffs „Systems Engineering" (SE). Nämlich einerseits den theoretischen Ansatz, der ein System als Gesamteinheit innerhalb der Umgebung betrachtet, in der es sich auf- und verhält. Und andererseits die in der Praxis notwendigen Prozesse, Methoden und Managementmaßnahmen, um komplexe Systeme zielgerichtet entwickeln und betreiben zu können.

FÖRSTNER: Wir legen besonderen Wert auf spezifisches Problembewusstsein im Umgang mit komplexen Systemen und Systemdenken. Dadurch können die Teilnehmenden später situationsangepasste Vorgehensweisen besser definieren und initiieren. Zudem lassen sich potentielle Fehlentwicklungen frühzeitig erkennen, um ihnen dann gezielt entgegenzusteuern.

An welchen Teilnehmerkreis richtet sich Ihr Master-Studiengang?

FÖRSTNER: Wir bieten den SE-Master als weiterbildenden Masterstudiengang an, da für das Verständnis von komplexen Systemen in der Praxis eine gewisse Vorerfahrung der unternehmerischen Abläufe und Strukturen notwendig ist. Deshalb richtet sich der SE-Master vorwiegend an Ingenieurinnen und Ingenieure, die einen ersten Hochschulabschluss und drei Jahre berufliche Erfahrung vorweisen können.

PAETZOLD: Die Inhalte des SE-Masters können aber nicht nur in ingenieurswissenschaftlichen Unternehmungen eingesetzt werden. Denn komplexe Systeme finden sich überall, zum Beispiel in naturwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen, in der Informationsverarbeitung oder der Stadtplanung. Daher lohnt sich die Teilnahme auf jeden Fall auch für Berufstätige aus anderen Bereichen.

Können Sie kurz auf die Inhalte eingehen, die den Studierenden im Verlauf des 27-monatigen Modulstudiums vermittelt werden?

PAETZOLD: Das Studium besteht aus drei Modul-Clustern. In den Grundlagenmodulen werden zunächst mal allgemeine theoretische Inhalte erarbeitet. Beginnend mit der Frage „Was ist ein System?" findet eine Einführung in Systemtheorie und Prinzipien des Systems Engineering statt. Im Anschluss werden Methoden des Managements behandelt, zum Beispiel auch entsprechende Besonderheiten sicherheitskritischer Systeme, und Methoden der Modellbildung und Simulation für die Entwicklung komplexer Systeme.

Die Vertiefungsmodule behandeln spezifischere theoretische Themen des Systems Engineering, zum Beispiel das (technische) Entwicklungsmanagement, die Integration von SE im unternehmerischen Umfeld, Fehlerentstehung und Kognitives SE. In den Praxismodulen finden konkrete Fälle aus der Praxis Betrachtung, das heißt übliche Problemstellungen und Herausforderungen werden anhand von case studies analysiert. Die Teilnehmenden stellen auch Aufgaben aus den militärischen Bereichen oder Unternehmen vor, in denen sie tätig sind. So wird die große Bandbreite an Aufgaben und Lösungen im Systems Engineering verdeutlicht und Vorgehensweisen, Chancen und Risiken kennengelernt. Dadurch werden die Teilnehmenden optimal vorbereitet, um anhand eines aktuellen Themas ihres beruflichen Einsatzes die abschließende Masterarbeit zu erstellen.

Herr Weber, warum haben Sie sich für das Studium „Systems Engineering" an der UniBw entschieden?

WEBER: Ich wollte ein Aufbaustudium, das meine bereits vorhandenen Kenntnisse im Bereich der Systementwicklung aufgreift und diese weiter vertieft. Als großen Vorteil sehe ich den persönlichen Kontakt der akademischen Leitung und der Modulverantwortlichen zu uns Studentinnen und Studenten. Vor allem in den Pausen entwickeln sich interessante Gespräche quer über alle Fachbereiche. Des Weiteren sind in meinem Studienjahr auch Kommilitonen von Siemens, DLR und weiteren zivilen Unternehmen. Gerade hinsichtlich möglicher Entwicklungsstrategien und Methoden wird der Erfahrungsaustausch entsprechend domänenübergreifend und überaus spannend.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die großen Vorteile bei der praktischen Anwendung von Systems Engineering in komplexen Systemen?                                        

WEBER: In unserer komplexen Welt werden auch sämtliche Systeme, egal welcher Art, immer komplizierter. Während ein Handy vor einigen Jahren nur telefonieren konnte, handelt es sich dabei mittlerweile um höchst diffizile Systeme. Um den Anforderungen in den Entwicklungsdisziplinen gerecht zu werden, müssen auch unsere Prozesse und Verfahren ständig weiter verbessert werden. Systems Engineering stattet uns als Ingenieure genau mit den Werkzeugen und Methoden aus, die wir in den Entwicklungsbereichen zukünftig benötigen werden.

FÖRSTNER: Dem kann ich mich nur anschließen. Ohne geht's einfach nicht. Schließlich bestehen komplexe Systeme heute aus einer großen Anzahl von unterschiedlichen Elementen, die weder in Art noch Anzahl konstant sein müssen und häufig wiederum eigenständige Systeme bilden. Dabei treten viele verschiedene und teilweise nicht mal konstante Wechselwirkungen zur Umwelt auf, in der das jeweilige System angesiedelt ist. Es ist daher ausgesprochen herausfordernd, überhaupt einen möglichst realistischen Überblick über ein komplexes System zu erlangen. Unsere Aufgabe liegt darin, darüber hinaus ein definiertes Ergebnis oder eine definierte Funktion zu liefern. Ohne den Rückgriff auf bewährte und umfangreiche, theoretische und praktische Konzepte ist das nicht zu leisten.

Herr Weber, wie gut können Sie das berufsbegleitende Studieren mit Ihrem täglichen Dienst in Einklang bringen?

WEBER: Als Soldat, der sich speziell mit der Entwicklung von Softwareprojekten beschäftigt, kann ich die Studienthemen sehr gut in meine Arbeit integrieren. Selbst meine erste Studienarbeit habe ich über ein fachliches Thema meiner Abteilung geschrieben. Die Präsenzphasen lassen sich zudem sehr gut mit meiner Dienstzeit vereinbaren, da alle notwendigen Termine bereits frühzeitig feststehen. Auch der zeitliche Ansatz während des Trimesters ist gut planbar. Ich persönlich arbeite etwa 5 bis 7 Stunden wöchentlich für das Studium.

Fällt es Ihnen schwer, sich plötzlich wieder mit vielschichtigen technischen Problemstellungen und wissenschaftlichen Lösungsansätzen auseinandersetzen zu müssen?

WEBER: Ganz im Gegenteil. Oft werden in den Lerneinheiten genau die Fragen beantwortet, die ich mir in den letzten Jahren schon häufiger gestellt habe. Wer bereits ein wenig Erfahrung in der Entwicklung oder im Projektmanagement gesammelt hat, wird im Studium vieles wieder erkennen und dieselben Erfahrungen machen wie ich. Dennoch war es vor der ersten Prüfung zunächst etwas ungewöhnlich, wieder die Skripte zu wälzen und Fachbegriffe nachzuschlagen. Aber bereits bei der zweiten Prüfungsphase war der Prozess bekannt und das Lernen viel mir auch wieder leichter.

Wie reibungslos hat bei Ihnen die Förderung des Masters durch den Berufsförderungsdienst (BFD) geklappt?

WEBER: Das Anerkennen des Studiums war bei meinem BFD-Berater absolut problemlos. Hier spielt natürlich der gute Ruf der UniBw München sowie von casc als Weiterbildungsinstitut eine entscheidende Rolle. Auch die Anmeldung und die Abrechnung verliefen bis jetzt reibungsfrei. Allerdings kann es sein, dass ich drei Monate selbst finanzieren muss, da die Maßnahme nicht ganz synchron mit den geförderten BFD-Zeiträumen verläuft. Folglich müsste ich im schlimmsten Fall einen Betrag von rund 1.000 bis 2.000 Euro aus der eigenen Tasche bezahlen. Das ist aber nicht weiter schlimm, da ich die gleiche Summe noch gut für die Förderung einer weiteren externen BFD-Maßnahme verwenden kann. Deshalb sollte sich niemand durch den Studienbetrag abschrecken lassen. Eine Ausbildung in dieser Qualität ist im Normalfall viel teurer.  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Studium nach der Bundeswehr

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