Know How für Offiziere

Kapitänleutnant d.R. Tilo Schröder und der wissenschaftliche Direktor des IGC der Hochschule Bremen Prof. Dr. Tim Goydke über den Ablauf eines MBA-Studiums sowie den Nutzen internationaler Netzwerke.

Das International Graduate Center (IGC) der Hochschule Bremen bietet seit über zehn Jahren postgraduale Studiengänge für Manager und ehemalige Offiziere an. Herr Prof. Goydke, wo genau liegen denn die Stärken Ihrer Masterprogramme?

GOYDKE: Aufbauend auf unserer langjährigen Erfahrung mit der Durchführung von weiterbildenden Masterprogrammen bieten wir den Teilnehmern eine äußerst praxisorientierte Ausbildung an, die sie zielgerichtet auf die Management- und Führungsaufgaben in einer zunehmend globalen Wirtschaft vorbereitet. Unsere zahlreichen Studenten und Dozenten aus allen Teilen der Welt sowie die Durchführung vieler Vorlesungen in englischer Sprache helfen dabei eine möglichst internationale Atmosphäre zu schaffen. Zu den besonderen Stärken unserer Programme gehören daneben auch die Arbeit in kleinen Gruppen, die konsequente Einbindung von Praktikern, moderne Lehrmethoden, basierend auf höchsten akademischen Standards, sowie eine exzellente persönliche Betreuung.

Inwiefern ist Ihre Hochschulausbildung auf die Bedürfnisse von ehemaligen Offizieren der Bundeswehr zugeschnitten?

GOYDKE: Im Gegensatz zu anderen Hochschulen bieten wir kein eigenes Programm für ehemalige Offiziere an. Vielmehr besuchen diese bei uns die Veranstaltungen gemeinsam mit zivilen Managern und können somit von deren Erfahrungen aus der Praxis profitieren. Durch den Gedankenaustausch zwischen den einzelnen Kommilitonen lassen sich Sichtweisen erweitern und neueste Erkenntnisse aus der Wirtschaft auch über den eigentlichen Vorlesungsstoff hinaus gewinnen. Daneben bieten sich ebenfalls gute Chancen wichtige Kontakte für eine berufliche Zukunft außerhalb der Streitkräfte zu knüpfen. Durch die Wahl eines Studienschwerpunkts können Offiziere zudem ihr Wissen zielgerichtet vertiefen und ihr eigenes Profil weiter schärfen. Die Schwerpunkte werden dabei auf die Bedürfnisse der Teilnehmer zugeschnitten. Denn speziell zu den Berufserfahrungen von Offizieren bieten wir passend die Schwerpunkte Public Management, International Marketing, International Logistics sowie Führungsherausforderungen und Innovation Management an.

Warum wird Ihrer Meinung nach die Integration von Absolventen in internationale Netzwerke in Zukunft immer wichtiger?

GOYDKE: Umfangreiche persönliche Kontakte sind bekanntlich Gold wert. Zumal der Prozess der Globalisierung inzwischen auch so gut wie alle Wirtschafts- und Lebensbereiche erfasst hat. Wer in der zivilen Wirtschaft Karriere machen und seinen Mitkonkurrenten immer eine Nasenspitze voraus seien will, muss global denken und handeln können. Im internationalen Geschäftsalltag ist es daher von zentraler Bedeutung auf kompetente und zuverlässige Partner überall auf der Welt zurückgreifen zu können. Unsere Alumni-Netzwerke bieten unseren Absolventen die hervorragende Möglichkeit, sich weltweit auf gesammelte Erfahrungen und ein breites Beziehungsnetz stützen zu können. Letztlich kann man sich so wichtige Türen öffnen und entscheidende Vorteile sichern.

Und welche Rolle spielen dabei die Studenten aus der freien Wirtschaft, die internationalen Studienteilnehmer oder die zahlreichen Gastdozenten?

GOYDKE: Am IGC studieren momentan Teilnehmer aus weltweit über 40 Nationen. Diese bunte Mischung aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen führt zu einem besonders kosmopolitischen Lernumfeld, in dem man leicht über den eigenen Tellerrand schauen kann. Dadurch werden einzigartige Einblicke in zunächst vielleicht fremde Denkweisen ermöglicht und global ausgerichtetes Handeln gefördert. Darüber hinaus ist das IGC mit Partnerhochschulen in 24 Ländern verbunden. Von dort kommen regelmäßig Gastdozenten, die eine internationale Perspektive in den Unterricht bringen und ständig neue Impulse setzen. Ein besonderer Schwerpunkt unserer akademischen Arbeit liegt zudem auf der Vermittlung interkultureller Kompetenzen. Bei uns ist Internationalität nämlich nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern wird aktiv gelebt. Offiziere können so ihre bisherigen Kenntnisse und Erfahrungen im Hinblick auf eine internationale Karriere zielgerichtet und fundiert weiterentwickeln.

Als renommierte Hochschule verfügt die Hochschule Bremen ebenfalls über ein umfangreiches Alumni-Netzwerk. Inwiefern können die IGC-Studenten auch hiervon profitieren?

GOYDKE: Bereits im Jahr 1995 hat die Hochschule Bremen als eine der ersten in Deutschland mit ihrem berufsbegleitenden MBA-Programm begonnen. Daher können wir heute auf eine beachtliche Zahl von Absolventen blicken, die in einem sehr aktiven Alumni-Netzwerk organisiert sind. Die Ehemaligen profitieren dort von den vielfältigen Karrieren und breiten Erfahrungen anderer Absolventen. Hier können untereinander Kontakte geknüpft und aktuelle Kenntnisse ausgetauscht werden, was insbesondere für die Studenten interessant ist, die auf der Suche nach neuen beruflichen Herausforderungen sind. Schließlich finden nicht wenige unserer Studenten auf diesem Weg auch den passenden Arbeitgeber. Dabei ist unser Alumni-Netzwerk international ausgerichtet und verbindet unsere Alumni, egal ob sie in der Region, in Deutschland oder im Ausland tätig sind.

SCHRÖDER: Aus meiner Sicht ist das Alumni-Netzwerk eine gute Plattform, um sich zum einen mit den ehemaligen Studenten der Hochschule zu verknüpfen und zum anderen mit den Kommilitonen des eigenen Jahrganges in Kontakt zu bleiben. Zahlreiche Events sowie die aktuellen Studienveranstaltungen des MBA sind teilweise auch für die Alumnis offen. Das finde ich sehr gut, da man sich so immer „up to date" halten und an interessanten Veranstaltungen teilnehmen kann. Aus zeitlichen Gründen habe ich allerdings bis dato nur wenige der angebotenen Möglichkeiten genutzt.  

Welche Voraussetzungen muss man zwingend mitbringen, um am IGC ein weiterführendes Studium aufnehmen zu können?

GOYDKE: Abgesehen von einem abgeschlossenen Erststudium sind für ein weiterführendes Studium am IGC mindestens zwei Jahre Berufserfahrung notwendig. Zudem erwarten wir von allen Studenten sehr gute Englischkenntnisse, um die akademische Ausbildung mit Erfolg bestehen zu können. Denn die Teilnehmer müssen nicht nur in der Lage sein, dem Unterricht auf Englisch zu folgen, sondern sollten sich darüber hinaus natürlich auch aktiv einbringen können. Die erforderlichen Fremdsprachenkenntnisse können dabei durch die üblichen Tests wie zum Beispiel „TOEFL" oder andere entsprechende Zeugnisse nachgewiesen werden. Im Zweifelsfall besteht auch die Möglichkeit ein Interview mit einem unserer Englischdozenten durchzuführen, um die eigenen sprachlichen Fähigkeiten belegen zu können. Des Weiteren erwarten wir, dass die Bewerber hochmotiviert, leistungsfähig und belastbar sind, was bei ehemaligen Offizieren aber bisher noch nie ein Problem gewesen ist.

SCHRÖDER: Neben den von Herrn Prof. Dr. Goydke angesprochenen formalen Kriterien sollte man aus meiner Sicht über ein hohes Maß an Eigenmotivation für das Studium parallel zum Beruf verfügen. Denn nach dem fordernden Arbeitsalltag fällt es nicht immer leicht sich in der Freizeit noch auf den Vorlesungsstoff zu stürzen und die Studienliteratur zu wälzen. Auch die bereits erwähnten guten Englischkenntnisse gehören zu den wesentlichen Anforderungen, da rund die Hälfte der Studienmodule auf Englisch stattfinden. Sie werden teilweise durch Muttersprachler im Rahmen der Präsenzveranstaltungen beziehungsweise Auslandsmodulen durchgeführt. Zudem wird die Abschlussarbeit im Regelfall ebenfalls in englischer Sprache verfasst. Ich denke aber, dass man mit einem militärischen Sprachleistungsprofil (SLP) auf dem Niveau drei oder vier gut für das Studium vorbereitet ist. Zudem kann man sich so wie bei mir sein aktuelles SLP-Zeugnis als Nachweis der Sprachkenntnisse anerkennen lassen. 

Gehen Sie bitte einmal etwas detaillierter auf die Möglichkeiten und den Ablauf der Masterprogramme ein.

GOYDKE: Unsere Programme sind so angelegt, dass sie berufsbegleitend studiert werden können. Der Unterricht Business Administration (MBA) findet in der Regel Montag- und Freitagabend sowie am Samstag und im East Asian Management (MBA) nur am Wochenende statt. Beide MBA-Programme decken alle betrieblichen Funktionsbereiche im Sinne eines generalistischen Managementstudiums ab, wobei der Studiengang Business Administration (MBA) dies stärker vertieft, während das East Asian Management (MBA) Studium einen zusätzlichen Fokus auf Ostasien bietet. Die Lehrveranstaltungen selbst sind durch Module strukturiert, die eine oder mehrere Lehrveranstaltungen mit einem Lernziel zusammenfassen. In den ersten drei Semestern besuchen die Teilnehmer jeweils drei Module. Im vierten Semester können sie aus einer Reihe von unterschiedlichen Fächern ein Vertiefungsfach wählen. Außerdem ist im vierten Semester eine Masterthesis vorgesehen. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass Interessenten auch die Möglichkeit haben, im Rahmen unseres Open MBA nur einzelne Module der Studiengänge zu belegen, welche später auf ein MBA-Studium voll angerechnet werden können. Bewerber, die aufgrund dienstlicher oder familiärer Aufgaben die Anforderungen eines berufsbegleitenden Vollstudiums zunächst erst einmal kennenlernen wollen, können so das Studium flexibel gestalten und individuell den eigenen Bedürfnissen anpassen.

SCHRÖDER: Das Masterprogramm des MBA ist modular gestaltet. Die einzelnen Veranstaltungen finden im Regelfall Montag- und Freitagabend sowie am Samstag in Bremen statt. Dieses hohe Maß an Präsenzphasen ist aus meiner Sicht ein echter Vorteil, denn es ermöglicht so eine aktive Kommunikation und Wissenserarbeitung im Gruppenrahmen. Die Größe der Gruppen in den einzelnen Lehrveranstaltungen betrug selten mehr als 15 Studenten, so dass das Kleingruppenkonzept, wie ich es bereits von der Bundeswehruniversität gewohnt war, auch am IGC gelebt werden konnte. Zwar war für mich die Teilnahme an Lehrveranstaltungen gerade am Montagabend auf Grund dienstlicher Abwesenheiten nicht immer realisierbar, aber letztlich konnten die Lehrinhalte durch die Unterstützung der Mitstudenten sowie Dozenten problemlos wieder aufgeholt werden. Wegen der kleinen Gruppengröße war es zudem möglich, flexible zeitliche Vereinbarungen mit den Dozenten zu realisieren. Das war meistens dann der Fall, wenn der Mehrzahl der Teilnehmer der anvisierte Termin nicht richtig gepasst hat. Um die Prüfungen zu bestehen, musste man zum einen klassische Klausuren schreiben, aber auch Ausarbeitungen, Vorträge oder Gruppenleistungen erbringen. Der Mix der Dozenten war stets ausgewogen zwischen klassischen Hochschulprofessoren und erfahrenen Führungskräften aus der freien Wirtschaft.

Herr Schröder, warum haben Sie sich noch vor dem Dienstzeitende für ein zusätzliches postgraduales MBA-Studium am IGC in Bremen entschieden?

SCHRÖDER: Die Entscheidung für das MBA-Studium habe ich zum größten Teil sehr rational gefällt. Denn neben dem technischen Wissen aus dem Erststudium sowie der Erfahrung als militärischer Vorgesetzter hat mir noch der Baustein Wirtschaft und Management gefehlt, um ein gutes Gesamtpaket für den zivilen Arbeitsmarkt zu schnüren. Da ich allerdings kein reines Fernstudium absolvieren wollte, bin ich bei meinen Recherchen im Internet auf das IGC gestoßen. Weil mir der Kontakt zu anderen Kommilitonen von Anfang an sehr wichtig war, habe ich gezielt ein Master-Studium mit möglichst vielen Präsenzphasen gesucht. Und genau das war einer der ausschlaggebenden Pluspunkte des Masters am IGC. Nebenbei war die Nähe der Hochschule zu meinem damaligen Lebensmittelpunkt ebenfalls ein gewichtiger Grund bei der Entschlussfindung. Insgesamt kann ich aber zweifelsohne sagen, dass die Entscheidung für den MBA in Bremen im Nachhinein genau die richtige Wahl für mich gewesen ist.

Und was hat Ihnen im gesamten Studienverlauf letztlich am besten gefallen?

SCHRÖDER: Ein wesentliches „Asset" des MBA-Programmes der Hochschule Bremen ist und war aus meiner Sicht der aktive Erfahrungsaustausch mit Kommilitonen aus den unterschiedlichsten Branchen sowie der hohe Anteil an Präsenzphasen. Und genau das sind klare Vorteile sowohl gegenüber einem Fern-MBA als auch den angebotenen „reinen" Offizier-MBAs. Durch die sehr überschaubare Gesamtgröße meines Studienganges konnten die Dozenten zudem äußerst flexibel auf die Bedürfnisse der einzelnen Studenten eingehen und dadurch zum guten Gelingen des Studiums beitragen.

Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie im Zuge Ihrer Wiedereingliederung mit der Betreuung durch den Berufsförderungsdienst (BFD) machen können?

SCHRÖDER: Die Betreuung durch den BFD im Zuge der Förderung meines Studiums klappte überaus zufriedenstellend. Erfreulicherweise ist die Hochschule Bremen als öffentlicher Bildungsträger zweifelsfrei anerkannt, so dass es zu keinen Akzeptanzproblemen durch den BFD-Berater gekommen ist. Sowohl bei der Beantragung der Förderung als auch bei der Abrechnung gab es daher bei mir nicht die geringsten Probleme.  (sg)

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