Karriere im öffentlichen Sektor

Nach dem DZE in den öffentlichen Sektor: Prof. Dr. Michael Eßig, Professor an der Universität der Bundeswehr, berichtet über das neue Studium und die beruflichen Perspektiven als Master in Public Management.


Herr Professor Eßig, Sie sind akademischer Leiter des neuen MBA-Studiengangs „Public Management" an der Universität der Bundeswehr (UniBw). Stellen Sie sich sowie das Studium doch bittet kurz vor.

Eßig: Wir bieten mit dem Studiengang Public Management einen Studiengang an, der sich disziplinenübergreifend mit der Führung von und in öffentlichen Institutionen auseinandersetzt. Die Perspektiven der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre werden mit denen der Politik- und Rechtswissenschaft zusammengeführt. Der Fokus liegt dabei nicht auf der technischen Ausgestaltung der Verwaltungstätigkeit, sondern auf der strategischen Verwaltungsführung. Wir haben hier in München mit den Schwerpunkten öffentliches Controlling und öffentliche Beschaffung eine bundesweit einmalige Ausrichtung. Mein Kollege Prof. Bernhard Hirsch, der für öffentliches Controlling verantwortlich zeichnet und ich, der den Bereich öffentliche Beschaffung vertritt, haben gemeinsam mit vielen anderen Kolleginnen und Kollegen einen Forschungsschwerpunkt in diesen Feldern aufgebaut. Dadurch wird gewährleistet, dass wir neueste wissenschaftliche Erkenntnisse sowie zusammen mit vielen Praxispartnern erarbeitete Konzepte unmittelbar in den Studiengang einfließen lassen können. Ich selbst lehre und forsche seit über 15 Jahren im Bereich Beschaffung und sehe, dass gerade die öffentliche Hand mit einem Beschaffungsvolumen von über 350 Mrd. Euro pro Jahr enorme Potentiale bietet. Diese können aber nur erschlossen werden, wenn die Aus- und Weiterbildung den Spezifika der öffentlichen Verwaltung Rechnung trägt. Obwohl wir Betriebswirte sind und daher durchaus betriebswirtschaftliche Elemente in den Mittelpunkt stellen, tragen wir gerade diesen Besonderheiten nicht-gewinnorientierter Institutionen im Rahmen unserer Forschung wie auch in diesem Studiengang explizit Rechnung.

Welche konkreten Studieninhalte warten auf Ihre Studierenden?

Eßig: Wir haben drei Studienphasen von der Grundlagen- über die Vertiefungs- bis zur Spezialisierungsphase. Im ersten Teil stehen, wie der Name schon sagt, die Grundlagen der Personalführung, Organisation und Investitionsrechnung im Mittelpunkt. Im zweiten Teil des Masters greifen wir die Besonderheiten der öffentlichen Verwaltung auf, zum Beispiel mit Verwaltungsmanagement, Staats- und Verwaltungsrecht oder politische Systeme. In Teil drei schließlich erfolgt die Spezialisierung in öffentlichem Controlling oder in öffentlicher Beschaffung. Hier stehen entweder Veranstaltungen zur Steuerung von Behörden und zu Planungs- bzw. Kontrollinstrumenten oder etwa zum Vergaberecht und zum strategischen Beschaffungsmanagement im Fokus. Verbindendes Element ist das Modul zu Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen im öffentlichen Sektor. Darüber hinaus gibt es Seminarmodule und Exkursionen nach Berlin oder Brüssel. Wichtig ist uns die Verbindung von wissenschaftlicher Fundierung und anwendungsnaher Gestaltung, so dass die Teilnehmer unmittelbare Rückkopplung mit ihrer täglichen Arbeit erfahren.

Was ist beim MBA Public Management neben der Vermittlung des theoretischen Stoffes aus Ihrer Sicht ganz besonders spannend?

Eßig: Wir haben bei der Konzeption des Studienganges von Anfang großen Wert auf die Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis gelegt. So wurde etwa ein Beirat für den Studiengang eingerichtet, in dem Vertreter großer öffentlicher Institutionen wie Bundesministerien, Bundesbehörden, Stadtwerken, aber auch aus Fachverbänden mitwirken. Zudem ist vorgesehen, die Studienmodule mit Praxisvorträgen bspw. in Form von Kaminabenden zu ergänzen. So können wir neben fachspezialisierten Hochschuldozierenden auch auf hochrangige Fachleute aus der Praxis zurückgreifen, um das Studium möglichst optimal zu gestalten. Hinzu kommt, dass unserer Erfahrung nach gerade berufsbegleitende Studiengänge die Chance bieten, auch von den berufspraktischen Erfahrungen der anderen Studierenden zu profitieren.

Welche Vorteile bietet das berufsbegleitende Studienkonzept im Hinblick auf den Berufsalltag der Studierenden?

Eßig: Die Grundidee ist, dass berufsbegleitend Studierende zum einen ihre eigenen praktischen Erfahrungen einbringen und zum anderen die gelernten Inhalte und Konzepte unmittelbar anwenden beziehungsweise erproben können. Das ermöglicht zum einen gewinnbringende inhaltliche Diskussionen im Studiengang sowohl mit den Lehrenden als auch zwischen den Studierenden selbst. Neben den Studieninhalten ziehen berufsbegleitend Studierende einen wichtigen Nutzen des Studiums aus dem Netzwerk mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen sowie mit den Dozierenden aus Wissenschaft und Praxis, das sie sich im Studium aufbauen können. Wir glauben, dass diese Netzwerke unmittelbare Anknüpfungspunkte für die Umsetzung in der eigenen Arbeit bieten können.

Gibt es spezielle Voraussetzungen, die für die Zulassung zum Studium benötigt werden?

Eßig: Wir haben konkret drei Zulassungsvoraussetzungen. Potentielle Studierende müssen über einen Abschluss eines ersten berufsqualifizierenden Hochschulstudiums verfügen. Also ein Diplom, Diplom (FH) oder Bachelor im Umfang von 210 ECTS-Leistungspunkten. Darüber hinaus muss der Nachweis einer mindestens einjährigen qualifizierten berufspraktischen Erfahrung erbracht werden. Außerdem findet noch ein Auswahlgespräch statt.

Was sind eigentlich die Hauptgründe Ihrer Studierenden, sich für den Master Public Management zu entscheiden?

Eßig: Das ist zum einen die bereits angesprochene Besonderheit der Spezialisierungen öffentliches Controlling und öffentliche Beschaffung. Hier haben wir an der Universität der Bundeswehr München eine bundesweit einmalige Ressource, in der wir Forschung, Lehre und Anwendung verknüpfen. Sowohl Prof. Hirsch als auch ich arbeiten in Forschung und Lehre intensiv mit der Praxis zusammen, so dass der Studiengang und seine Teilnehmer unmittelbar von einem großen Praxisnetzwerk profitieren. Gerade als Universität der Bundeswehr und damit des Bundes steht für uns die Beschäftigung mit den Besonderheiten öffentlicher Organisationen besonders im Fokus. Gleichzeitig profitieren wir von den Vorteilen einer kleinen Campusuniversität hinsichtlich der Infrastruktur und unseren Erfahrungen mit Kleingruppenkonzepten in der Lehre. Zum zweiten sehen wir, dass der öffentliche Sektor in diesen skizzierten Themenfeldern noch enorme berufliche Entwicklungspotentiale für hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bietet. Im Bereich der öffentlichen Beschaffung haben wir geschätzt 30.000 Vergabestellen, die pro Jahr Waren und Dienstleistungen im Wert von 350 Mrd. Euro beschaffen. Dort bieten sich enorme Karrierechancen.

Wie bewerten Sie die beruflichen Perspektiven der Absolventen Ihres Masterstudiums?

Eßig: Neben der inhaltlichen wie persönlichen Weiterentwicklung, die mit einem Studium immer verbunden ist, steht natürlich die weitere konkrete Karriereentwicklung im Vordergrund. Hier bieten sich zwei Wege an: Zum einen handelt es sich beim MBA Public Management um einen vollständigen universitären Masterabschluss, der die formalen Voraussetzungen für den direkten Zugang zum höheren Dienst in der Verwaltung eröffnet - und damit in ein weites berufliches Feld bei Bundes-, Landes- und Kommunalbehörden wie auch in Ministerien. Neben den Karrierechancen im öffentlichen Dienst gibt es zudem eine Vielzahl von Institutionen an der Schnittstelle zwischen öffentlichem Sektor und privatwirtschaftlicher Organisation wie bspw. Stadtwerke, Öffentlich-Private Partnerschaften oder Stiftungen etc. Und drittens stehen schließlich berufliche Perspektiven bei privatwirtschaftlichen Unternehmen offen, die die öffentliche Hand beliefern oder anderweitig mit ihr zusammenarbeiten. Die Potentiale in allen diesen Bereichen sind also enorm groß. Gleichzeitig ist das Angebot spezifisch ausgebildeter qualifizierter Absolventinnen und Absolventen gering - die Chancen sind also aus unserer Sicht exzellent.

Können Sie abschließend noch etwas über die Betreuung Ihrer Studierenden berichten?

Eßig: Berufsbegleitende Studiengänge sind keine „Dopplung" eines grundständigen Studienganges, sondern werden spezifisch für die Zielgruppe Berufstätige didaktisch konzipiert. Dazu hat der Studiengang ein Dozierendenteam, dem erfahrene Professorinnen und Professoren der Fakultäten für Wirtschafts- und Organisationswissenschaften bzw. Staats- und Sozialwissenschaften angehören sowie weitere hochkarätige Dozierende anderer Universitäten. Diese konzipieren die Module entsprechend einer einheitlichen Vorgehensweise: Am Anfang steht die sogenannte Fernlernphase, in der umfangreiches Material zur Verfügung gestellt wird. Die Studierenden werden während des Fernlernens durch ständiges E-Tutorium und Gruppenarbeitsaufgaben unterstützt und motiviert. Die Bereitstellung der Lerninhalte geschieht sukzessiv jeweils in Verbindung mit konkreten Arbeitsaufträgen. Dann folgt die Präsenzphase jeweils Donnerstag bis Samstag. Hier besteht Möglichkeit zur persönlichen Interaktion und Teambildung sowie zur Vertiefung von Inhalten und Fragen. Als Prüfungsformen sind schriftliche Prüfungen sowie Fallbearbeitungen mit Präsentationen in der Gruppe als Leistungsnachweis vorgesehen. Wir steigen zudem mit einem Starterworkshop ein, in dem Studienaufbau, Unterstützungsmaterialien, Vorgehensweisen etc. vorgestellt werden.  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Studium nach der Bundeswehr

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