Kampf gegen die Wirtschaftskriminalität

Für Soldaten mit kriminaltaktischem Gespür: Major d.R. Müller und School GRC-Direktorin Galley berichten über das berufsbegleitende MBA-Studium "Wirtschaftskriminalität & Compliance" an der School GRC in Berlin.

Herr Müller, Sie hatten bereits ein Diplom der Universität der Bundeswehr in der Tasche. Wie kam es damals dazu, sich für den MBA „Wirtschaftskriminalität & Compliance" an der School GRC | Steinbeis-Hochschule Berlin zu entscheiden?

MÜLLER: Nachdem ich mich gegen die Laufbahn als Berufssoldat entschieden habe, beschäftigte ich mich intensiv mit den Möglichkeiten nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst. Mein erfolgreich abgeschlossenes Studium der Wirtschaftswissenschaften lag zu diesem Zeitpunkt bereits rund fünf Jahre zurück. Das Thema Compliance war und ist meiner Ansicht nach von besonderer Aktualität und bot eine ideale Ergänzung zu meinem früheren Studium an der Universität der Bundeswehr. Außerdem hat mich das Konzept des Master-Studiengangs mit den verschiedenen Auslandsaufenthalten und Gruppenarbeiten sehr angesprochen. Im Nachhinein war insbesondere der intensive Austausch mit den Mitstudenten, die teilweise seit 20 Jahren in Führungspositionen großer Unternehmen tätig waren, von Vorteil für meine weitere berufliche Ausrichtung und Entwicklung. Dadurch konnte ich neue Perspektiven gewinnen und meine Erfahrungen innerhalb der Bundeswehr besser auf die Erwartungen von Unternehmen projizieren. Weitere Kriterien für meine Entscheidung waren die gute Reputation der Hochschule, die internationalen Referenten für die einzelnen Module sowie das Schaffen von Möglichkeiten zur Vernetzung auch über das Studium hinaus.

Sie haben den MBA an der School GRC absolviert und sind dort nun selbst als Referent tätig. Hat Ihnen das Studium für Ihre praktische Arbeit geholfen?

MÜLLER: Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit für eine internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft konnte ich die Studieninhalte sehr schnell in der Praxis anwenden. Hierbei kam ich sehr stark mit den Themen Krisenmanagement und Kontinuität in Berührung, die sich auch in den Studieninhalten des MBAs widerspiegeln. Heute kann ich die Chance wahrnehmen, mein Wissen in diesen Bereichen ebenfalls an die Studierenden der Hochschule weiterzugeben. 

Welche Ratschläge würden Sie den ehemaligen Kameraden mit auf den Weg geben, die sich gerade auf „die Zeit danach" vorbereiten?

MÜLLER: Aus meiner Erfahrung gibt es drei wesentliche Punkte, die ausscheidende Zeitsoldaten beachten sollten. Zum einen sollten sie sich rechtzeitig mit dem Thema Diestzeitende beschäftigen. Das letzte Jahr der Dienstzeit ist meinen Erfahrungen nach definitiv zu spät, um die Weichen für einen reibungslosen Übergang in die zivile Karriere zu stellen. Darüber hinaus sollte man eine realistische Bewertung und Einschätzung der eigenen Erfahrungen sowie des persönlichen Fachwissens unter dem Gesichtspunkt der Anforderungen möglicher zukünftiger Arbeitgeber anstellen. Der Studienabschluss liegt meist Jahre zurück und die Entwicklung im fachlichen, technischen und organisatorischen Bereich sind so enorm gestiegen, dass eine Auffrischung oder zusätzliche Wissensbausteine für den Wiedereinstieg mehr als hilfreich sind. In diesem Zusammenhang sollte ebenfalls ein klares Ziel für den Berufsanfang definiert werden: Was möchte ich fachlich bzw. inhaltlich tun? Möchte ich in einer Führungsposition tätig sein? Welche Branchen oder Sektoren sind für mich besonders interessant? Diese Überlegungen haben mir sehr geholfen und mir einen reibungslosen Übergang ermöglicht.

Frau Galley, Sie sind Direktorin der
School GRC sowie der School CIFoS | Institut für Kriminalistik und verantworten diesen MBA in der Spezialisierung Wirtschaftskriminalität & Compliance sowie den Master Kriminalistik. Welche konkreten Studieninhalte werden im Rahmen des Studiums vermittelt?

GALLEY: Wer als Ermittler - ob in Wirtschaft, Organisationen oder der Polizei - tätig sein will, muss neben kriminaltaktischem Gespür auch spezifisches Fachwissen und für besondere Situationen und spezielle Fähigkeiten haben. Wir vermitteln dieses erforderliche Fachwissen, das in Deutschland auch nur bei uns so vereint ist, und trainieren die Fähigkeiten unserer Studierenden. Im Bereich Kriminalistik stehen daher beispielsweise Spurenkunde, Taktik, Forensische Psychologie, Gerichtsmedizin, Recht, Beweisverfahren, Kriminologie und Sonderkommissionen auf dem Lehrplan.

Bei der Spezialisierung Wirtschaftskriminalität und Compliance liegt der Schwerpunkt naturgemäß stärker in den Wirtschaftsthemen, wie Recht, gute Unternehmensführung, Haftungsfragen, Bilanzmanipulation und Umgang mit Ermittlungsbehörden. Beide werden vereint in den Themen aus der Wirtschaftskriminalität, wie Geldwäsche, Kunsthandel, Korruption aber auch in den Softskills wie Stresstraining und Befragungsmethoden, die jeder gute Ermittler regelmäßig üben muss.

Warum sind diese Studiengänge gerade für ausscheidende Zeitsoldaten interessant?

GALLEY: Die Arbeit als Ermittler erfordert viel Disziplin, Ausdauer und taktisches Gefühl. Dies sind meist Eigenschaften, die Zeitsoldaten schon von Haus aus mitbringen. Die Schärfung der Fähigkeiten und das Spezialwissen, das wir vermitteln, müssen natürlich auf die individuellen Interessen stoßen. Unseren Erfahrungen nach bietet ein militärischer Hintergrund besonders spannende berufliche Perspektiven. Wir haben hier bereits wirklich gute Erfahrungen gemacht.

Ihre Studienangebote sind berufsbegleitend ausgelegt. In welchen Bereichen arbeiten die meisten Ihrer Studenten?

GALLEY: Die Studierenden für Wirtschaftskriminalität und Compliance sind überwiegend in Unternehmen (Rechtsabteilung, Revision, Ermittlungsbereich, Compliance-Abteilungen) oder Beratungshäusern (Anwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfung) tätig. Bei den Kriminalisten sind es natürlich Polizisten, aber auch Strafverteidiger, Journalisten, Detektive und Interessierte, die unter anderem in der Unternehmenssicherheit oder in Ermittlungsbereichen eingesetzt sind. Sie sehen also, dass die Mischung unserer Studierenden vollkommen bunt ist. Das macht es sowohl für die Referenten als auch die Studierenden und uns besonders spannend. Und weil wir seit über 12 Jahren entsprechende Weiterbildungen anbieten, sind wir es auch gewohnt, den Studierenden berufsbegleitend den passenden Rahmen zu schaffen, den sie für Beruf, Familie, Freizeit und Studium brauchen.

Stellt es ein Problem dar, wenn Studieninteressierte direkt nach dem Dienstzeitende noch keine Festanstellung besitzen?

GALLEY: Wer bei Steinbeis studiert, studiert berufsbegleitend. Interessenten, die nach ihrer Dienstzeit in der Bundeswehr unbedingt in die Wirtschaft wollen und den beruflichen Einstieg noch nicht gefunden haben, helfen wir gerne weiter. Denn viele Unternehmen suchen heute qualifizierte bzw. geeignete und begeisterte Mitarbeiter, die sie in den eigenen Reihen häufig nicht rekrutieren können. Wir helfen bei der Suche nach passenden Arbeitgebern und qualifizieren die neuen Kollegen dann als sogenannte „Fellows" nebenberuflich bei ihrer Entwicklung in diesen Unternehmen. Das hilft den jeweiligen Firmen sowie den Kandidaten ungemein. Darüber hinaus hilft es natürlich auch, dass qualitativ gute Ermittlungsarbeit und regelkonformes Verhalten nicht in den Kinderschuhen stecken bleiben.  (sg)

Auch interessant für Sie:

Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Studium nach der Bundeswehr

Empfehlen Sie dieses DZE-Interview Ihren Kameraden via:


 
Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!