Mit Sicherheit erfahren

Mehr als nur Türsteher und Nachtwächter: Dr. Lutz Viëtor vom ISG Bildungszentrum berichtet über die Ausbildung und berufliche Perspektiven in der Sicherheitsbranche.

Herr Dr. Viëtor, als international anerkannter Sicherheitsberater haben Sie selbst Staatsbanken betreut. Inwiefern können Sie auf diese umfangreichen Erfahrungen auch beim ISG-Bildungszentrum zurückgreifen?

Die Verbindung von international ausgewiesener Sicherheitsberatung mit mehr als 20 Jahren Erfahrung unter anderem in der internationalen Hochsicherheitsberatung und einem im Sicherheitsbereich spezialisierten Bildungsträger wirkt sich insgesamt sehr günstig aus. So können wir immer auf die tatsächlichen Bedürfnisse des Marktes zugreifen, weil wir diese in unserer Beratungstätigkeit selbst analysieren. Das gleiche betrifft die Sicherheitslösungen, die im Rahmen von Projekten von uns entwickelt und umgesetzt werden. Daraus leiten wir konkrete Bildungsinhalte und praktische Aufgabenstellungen ab. Das ist eine sehr praxisnahe Vorbereitung auf die verschiedenen zukünftigen Tätigkeiten in der betrieblichen und privaten Sicherheit. Zudem nutzen unsere guten Kontakte in den Markt den Absolventen bei der Suche nach anspruchsvollen Herausforderungen.

Bei einer Arbeit im Sicherheitsgewerbe denkt man im ersten Moment nur an Türsteher oder Nachtwächter. Was hat denn die Sicherheitsbranche daneben noch alles zu bieten?

Das Klischee ist bekannt und wird leider nur sehr langsam überwunden. Aber es ist natürlich veraltet, auch wenn es immer noch sehr einfache Bewachungstätigkeiten gibt. Heutzutage sind die Einsatzmöglichkeiten sehr breit gefächert, vom bekannten Pförtner bis zum hochqualifizierten Sicherheitsexperten. Die Mitarbeiter im Sicherheitsbereich werden an vielen „Fronten" eingesetzt. Dazu zählt natürlich der Objektschutz mit seinen vielfältigen Tätigkeiten im Streifendienst, im Tordienst, als Sicherheitsposten, Funkwagenfahrer und Interventionsdienst, um nur einige zu nennen. Wichtig sind weiterhin auch der Geld- und Werttransport mit einer hohen Verantwortung und persönlichen Gefährdung, der Personen- und Begleitschutz mit einem sehr breitem Spektrum, die Einzelhandelsdetektive oder der Veranstaltungsschutz bei Sportveranstaltungen, Events und Großereignissen. Es gibt also viele interessante Einsatz- und Entwicklungsmöglichkeiten in der Sicherheitsbranche. Angefangen beim „einfachen" Wachmann oder der Wachfrau bis hin zum Einsatzleiter, als Spezialist oder gar als Führungskraft. Ein Weg nach oben führt über die Bildung.

Und könnten Sie auch auf die langfristigen Berufsperspektiven eingehen?

Das private Sicherheitsgewerbe und die betrieblichen Sicherheitseinrichtungen bieten langfristige Entwicklungsperspektiven, weil Sicherheitsdienstleistungen immer in unserem Leben benötigt werden. Denn Sicherheit ist ein Zustand, der unser gesamtes privates und geschäftliches Umfeld betrifft. Wobei es tatsächlich dann eher um Unsicherheiten in Form von Bedrohungen und Gefahren geht. Diese gilt es kompetent zu erkennen, vorbeugend zu verhindern oder zumindest rechtzeitig abzuwehren. Mit vielen Restrisiken müssen wir trotzdem leben. Dazu zählen Terrorismus in verschiedenen Facetten, die organisierte und die Alltagskriminalität, Illoyalität und menschliche Schwächen. Der Bedarf an Sicherheit steigt also, zumal der Staat aus Kostengründen seine Schutzleistungen auf hoheitliche Kernbereiche beschränken muss. Es geht um den Schutz von Leben, Gesundheit und Sachwerten. Das alles sind Bereiche, die bereits im Alltag gefährdet sind oder häufig genug direkt angegriffen werden. Vor allem in der Wirtschaft können Unternehmen durch Betriebsspionage, Sachbeschädigung, Diebstahl und Betrug, Korruption oder Angriffe auf die Datensicherheit große Schäden zugefügt werden. Zum Schutz vor derartigen Angriffen reicht aber nicht mehr nur der gute Wille. Hier werden entsprechend ausgebildete Sicherheitsspezialisten benötigt. Daher ist besonders jungen Menschen am Anfang ihrer Karriere, oder beispielsweise Zeitsoldaten am Ende einer längeren Dienstzeit, eine berufliche Ausbildung im Rahmen einer Umschulung zu empfehlen. Diese ist zudem eine gute Grundlage für weitere, darauf aufbauende Spezialisierungen, eine Meisterausbildung oder vielleicht sogar ein Hochschulstudium zum Sicherheitsmanager. Die Qualifizierung zur Fachkraft ersetzt hier nämlich das dafür notwendige Abitur.

Welche Aus- und Weiterbildung würden Sie einem länger dienenden Zeitsoldaten mit Interesse an einer Arbeit im privaten Sicherheitssegment empfehlen?

Es gibt zwei unterschiedliche Einstiegsmöglichkeiten. Zum einen eine Berufsausbildung mit dem Berufsabschluss als „Fachkraft für Schutz und Sicherheit" oder als „Servicekraft für Schutz und Sicherheit". Zum anderen die Fort- und Weiterbildungen mit IHK-Prüfungen oder anderen Abschlüssen für verschiedene spezielle Einsatzrichtungen. Bundesweit einheitlich und anerkannt sind allerdings nur die Berufsausbildungen und die IHK-Fortbildungsprüfung als „Geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft (IHK)". Die Berufsausbildung in Form einer Umschulung ist sicher die solideste Variante. Sie eröffnet vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten bis in das mittlere Management oder in verschiedene Spezialistenpositionen. Wer sein weiteres Leben in der privaten Sicherheitswirtschaft verbringen will, sollte es richtig angehen und eine dieser anerkannten Ausbildungen wählen. Später könnte sie vielleicht noch mit den notwendigen Spezialisierungen ergänzt werden. Mir ist natürlich bekannt, dass die Finanzierung einer Umschulung nicht immer möglich und es für eine Erstausbildung vielleicht schon zu spät ist. Hier wäre als Start die IHK-Sachkundeprüfung gemäß Paragraph 34a der Gewerbeordnung (GewO) optimal.

Als nächster Schritt sollte dann unter Anerkennung der Dienstzeit als Zeitsoldat die Qualifizierung zur „Geprüften Schutz- und Sicherheitskraft (IHK)" oder eine andere Spezialisierung folgen. Allerdings ist dies ein „Mienenfeld", denn es gibt leider viele unseriöse Angebote. Allein im Internet existieren über 100 nicht anerkannte Phantasietitel von diversen Bildungsträgern und selbst ernannten Spezialisten. Besonders oft ist dies bei den Personenschützern und Detektiven der Fall. Diese Ausbildungen sind nur eine Vergeudung von Zeit und Geld. Daher sollte man sich unbedingt vorher zum Beispiel beim Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) erkundigen, welche Qualifizierungen benötigt werden und vor allem branchenweit anerkannt sind. Natürlich kann man auch zum ISG-Bildungszentrum kommen oder sich im Internet auf unserer Seite über die aktuellen anerkannten Bildungswege informieren.

Wie sieht diese Berufsausbildung bei Ihnen im Detail aus?

Beim ISG-Bildungszentrum Berlin gibt es neben den Umschulungen zur „Fachkraft für Schutz und Sicherheit" über 21 Monate mit zwei Praktika sowie zur „Servicekraft für Schutz und Sicherheit" über 16 Monate und einem Praktikum eine weitere anerkannte und einzigartig modifizierte Umschulungsvariante mit Berufsabschluss und Zusatzqualifizierung. Sie ist als „Ser­vice­kraft für Schutz und Si­cher­heit mit Zu­satz­qua­li­fi­zie­rung und IHK-Zer­ti­fi­kat im Personen- und Be­gleit­schutz" zertifiziert. Alle Umschulungen beginnen gemeinsam mit einer ersten Etappe, die mit der IHK-Sachkundeprüfung gemäß Paragraph 34a Gewerbeordnung abschließt. Diese ist nämlich gleichzeitig die Voraussetzung dafür, dass man anschließend im Rahmen von praktischen Ausbildungsanteilen überhaupt erst in einem Sicherheitsunternehmen außerhalb des Bildungszentrums eingesetzt werden darf. Es folgen berufsspezifische Themen und die bereits erwähnten Praktika. Hier lernen die Kursteilnehmer das Sicherheitsgewerbe hautnah kennen und sollen prüfen, welche Einsatzrichtungen oder Entwicklungen ihnen liegen. Danach richten wir dann unsere Vermittlungsunterstützung aus. Alle Umschulungen beinhalten eine umfangreiche Prüfungsvorbereitung und kostenfreie Vermittlungshilfe. Sollte mal eine Prüfung schief laufen, so bieten wir individuelle Vorbereitungen auf die Wiederholungsprüfung an.   

Und was macht die Ausbildung am ISG-Bildungszentrum noch einzigartig?

Neben den bereits erwähnten Einflüssen aus der internationalen Beratungstätigkeit sind es bei den Umschulungen zum Beispiel mehrere Dienstkunde-Module für verschiedene Einsatzrichtungen mit eigenständigen Zertifikaten. So bieten wir bei uns die behördliche Waffensachkundeprüfung, die Qualifizierung zum Einzelhandelsdetektiv, die ÖPNV-Fachkraft oder sogar Fach-Englisch an. Wir sind ebenfalls auf eine zertifizierte Prüfungsbestehensquote von über 80 Prozent im Durchschnitt aller Kurse stolz und das bereits schon seit sechs Jahren. Bei den allgemeinen Bestehensquoten zwischen 45 und 60 Prozent ist das in der Branche sicher einzigartig. Außerdem sind unsere Absolventen auch international gern gesehen, so wie derzeit in der Schweiz.

Wo liegen eigentlich die Verdienstmöglichkeiten Ihrer Absolventen ungefähr?

Auch hier gibt es zwei unterschiedliche Startpunkte: In der betrieblichen Sicherheit, vorrangig dem Werkschutz, erfolgt die Vergütung nach dem im jeweiligen Unternehmen gültigen Tarifvertrag. Also zum Beispiel in einem Autowerk nach den Tarifabschlüssen der Metall- und Elektroindustrie. Und die sind nicht schlecht. Allerdings gibt es immer weniger Firmen mit eigenem betrieblichen Werkschutz. Hier kommen vorrangig private Dienstleister zum Einsatz, für die der Tarifvertrag des privaten Sicherheitsgewerbes gilt. Dieser sollte erst mal eine Orientierung sein, denn verbessern kann man sich immer.

In der privaten Sicherheitsbranche existiert übrigens ein allgemeinverbindlicher Mindestlohn, der je nach Bundesland variiert. Der sollte aber insbesondere für gut qualifizierte Absolventen nicht das Ziel sein. Denn diese steigen mit einem Stundenlohn so zwischen 8 und 12 Euro plus Zuschlägen schon merklich höher ein. Und nach der abgeschlossenen Berufsausbildung kann der Verdienst bei über 10 bis 15 Euro pro Stunde liegen, während Führungskräfte sogar mit einem festen Gehalt rechnen können. Aber auch das ist natürlich nur der Anfang. Denn wir haben Absolventen, die als Soldaten auf Zeit, mit einer Verpflichtungszeit für acht Jahre und länger, eine Umschulung absolvierten und heute Niederlassungsleiter eines Großunternehmens, Objektleiter einer Messe, als Personenschützer in einem bekannten Casino oder selbst in der Schweiz im Objektschutz tätig sind. Natürlich gibt es daneben immer noch den Wachmann mit rund 7,50 Euro pro Stunde, es liegt an jedem selbst.

Reichen körperliche Fitness oder gute Schießergebnisse schon aus, um später in der Sicherheitsbranche erfolgreich zu sein?

Ausreichend ist das eindeutig nicht, denn ein Sicherheitsmitarbeiter soll zuerst mal präventiv wirken und sich weder prügeln noch um sich schießen. Und Notwehr, Nothilfe oder Notstand sind zum Glück die Ausnahmen, da in der Regel die präventive Bewältigung von Konfliktsituationen ohne Gewalt im Vordergrund steht. Körperliche Fitness hat allerdings noch keinem geschadet und ein Personenschützer oder Türsteher benötigt natürlich körperliche Voraussetzungen in Form von Sportlichkeit und Reaktionsschnelligkeit. Dazu kommt die Fähigkeit zur Selbstverteidigung als ein weiteres Element der notwendigen Voraussetzungen. Auch ein Revier- oder Interventionsdienst muss Treppen steigen und schnell sein, während ein Warenhausdetektiv den ganzen Tag auf den Beinen stehen muss. Wachleute sollten ebenfalls körperlich fit sein, aber das alleine reicht nicht aus. Rechtliches, psychologisches und dienstkundliches Wissen sowie dessen sachgerechte Anwendung ist ebenso wichtig.

Wie attraktiv sind ehemalige Soldaten auf Zeit Ihren Erfahrungen nach für das private Sicherheitsgewerbe?

Soweit sie ihren Dienst mit Hingabe und Einsatzbereitschaft erfüllt haben sind Zeitsoldaten sehr interessant. Sie haben eine Grundqualifizierung, auf die im Rahmen der Ausbildung aufgebaut werden kann. Um die behördliche Waffensachkundeprüfung kommt allerdings niemand herum. Selbst für frühere Scharfschützen ist sie zwingend vorgeschrieben. Davon abgesehen bringen ehemalige Soldaten Lebenserfahrung, Disziplin und Fachkenntnisse ein. Sie wissen meist schon, wo sie zukünftig hinwollen und wir helfen auf diesem Weg. Auch den ganzen Lernstress bewältigen sie in der Regel erfolgreicher als andere Teilnehmer.

Inwiefern klappt die Zusammenarbeit mit dem Berufsförderungsdienst (BFD)?

Grundsätzlich können wir nicht klagen, aber wir haben unterschiedliche Erfahrungen mit dem BFD gemacht. Seit der Konzentration auf ausschließlich bundeseinheitliche Abschlüsse als Fördergrundlage gibt es viele Unsicherheiten. So ist im Jahr 2011 die Teilnehmerzahl vom Bund bei vielen Bildungsträgern rückläufig gewesen. Das ist recht bedauerlich, weil der Personalbedarf im privaten Sicherheitsgewerbe derzeit sehr hoch ist. Die Einstiegsbedingungen sind momentan günstig. Das ISG-Bildungszentrum konnte aber Ende 2011 in Eckernförde an einer BFD-Bildungsmesse mit ermutigenden Ergebnissen teilnehmen. Es gab viele Interessenten und eine Menge Fragen, die es zu beantworten galt. Dort müssen wir auch zukünftig gemeinsam ansetzen. So würden wir uns natürlich freuen, die erforderlichen Wege und Möglichkeiten gemeinsam zu ergründen und zu vermitteln sowie diese anschließend in die Tat umzusetzen. Wir sind an direkten Kontakten immer sehr interessiert, weil Interessenten oft viele spezifische Fragen haben, bei deren Beantwortung wir gerne helfen.  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Bildungspartner für Zeitsoldaten

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1 Kommentar zum DZE-Interview: "Mit Sicherheit erfahren"

  1. Gerhardt |

    Hallo Zusammen, also ich bin seit einem Jahr in dem Beruf bei Werkschutz München angestellt und sehr zufrieden. An alle, welche Fragen haben, diese können sich gern an mich wenden. VG Gerhardt

 
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