Im Kampf an der Beulenfront

Über die „Chirurgen" der KFZ-Branche: Stabsunteroffizier Dennis Wehrheim und der Geschäftsführer von Müller Dellentechnik, Thomas Müller, informieren über den Ablauf und die Vorteile der Ausbildung zum Dellentechniker.

Als Vorreiter in der Branche entfernt Müller Dellentechnik seit vielen Jahren lästige Dellen aus Autos. Herr Müller, was macht Ihre Firma eigentlich genau?

MÜLLER: Wir waren damals eines der ersten Unternehmen im KFZ-Bereich, das sich auf das Verfahren der lackschadenfreien Dellenbeseitigung bei Autos spezialisiert hat. Über die Jahre haben wir so einen enormem Erfahrungsschatz aufbauen können, den wir im Rahmen unserer Kurse natürlich gerne an die Teilnehmer weitergeben möchten. Die angehenden Dellentechniker, oder umgangssprachlich auch einfach nur Beulendoktoren genannt, sind nach unserer Ausbildung Spezialisten ihres Fachs. Wir haben seit Jahren ein bewährtes Erfolgskonzept und bilden maximal drei Techniker unmittelbar an echten Fahrzeugen aus. Der Erfolg gibt uns dabei im Übrigen recht. Immerhin gehören die führenden Autohäuser in und um Aschaffenburg schon lange zu unserem Kundenstamm, für den wir die gesamte Hagel- und Parkdellenbeseitigung übernehmen.

Können Sie das Berufsbild des Dellentechnikers zunächst einmal näher vorstellen?

MÜLLER: Dieser Beruf ist von allen Versicherungen anerkannt und wird seit Jahren als kostengünstige Reparaturmethode zur Beseitigung von Park- und Hagelschäden verwendet. Die Teilnehmer werden darauf geschult Hagel- und Parkdellen mit Spezialwerkzeugen aus dem beschädigten Blech zu massieren ohne dabei die Lackschicht zu verletzen. Die aufwändige und vor allem auch kostenintensive Neuteillackierung entfällt somit komplett. Durch die Akzeptanz der Versicherer und Gutachter sowie die ständig steigende Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt kann man die beruflichen Chancen zudem als besonders gut bezeichnen.

Und für welchen Teilnehmerkreis stellt dies eine sinnvolle Ergänzung der bereits vorhandenen Ausbildung dar?

MÜLLER: Insbesondere Zeitsoldaten aus dem KFZ-Bereich sowie ebenfalls technisch versierte Quereinsteiger mit anderen Berufsabschlüssen haben die optimalen Voraussetzungen, um in diesem zukunftsweisenden Handwerk Fuß zu fassen.

Herr Wehrheim, Sie haben die Ausbildung erfolgreich durchlaufen. Was waren denn Ihre Motive sich damals dafür zu entschieden?

WEHRHEIM: Ich habe diese Technik seinerzeit in einer Doku im Fernsehen gesehen. Als gelernter KFZ-Mechaniker hat mich die dort vorgestellte Drücktechnik natürlich besonders interessiert. Von der filigranen Arbeit der Profis war ich total begeistert. Ein kostenloser Informationstag bei Herrn Müller hat mich dann vollends überzeugt.

Wie schaut die Ausbildung zum Dellentechniker im Detail aus?

MÜLLER: Die Ausbildung findet in unserem Reparaturbetrieb praxisgerecht an modernen Fahrzeugen statt. Innerhalb von vier intensiven Tagen schulen wir Teilnehmer sowohl aus der KFZ-Branche als auch Quereinsteiger aus zahlreichen technischen Bereichen, die das Handwerk des Dellentechnikers als Haupt- oder Nebenberuf erlernen möchten. Um einen optimalen Lernerfolg zu garantieren werden bei uns grundsätzlich keine Gruppenschulungen angeboten. Denn nur so können wir uns voll und ganz auf die individuellen Stärken und Schwächen jedes einzelnen Teilnehmers konzentrieren und am Ende unser hohes Ausbildungsniveau erreichen. Als kleines Bonbon können unsere Absolventen das von uns zur Verfügung gestellte Spezialwerkzeug am Ende der Ausbildung behalten.

WEHRHEIM: Das kann ich nur bestätigen. Wie von Herrn Müller angesprochen, ist die Ausbildung absolut praxisorientiert. Bereits nach der ersten Einweisung in die Werkzeuge beginnt man mit der Beseitigung von kleineren Dellen. Der viertägige Intensivkurs findet mit maximal drei Teilnehmern ausschließlich am Fahrzeug statt, wobei dort alle Karosserieteile individuell bearbeitet werden. Auch schwer zugängliche Beschädigungen werden detailliert erklärt und mittels den Ausbeulhebeln sowie dem Klebesystem instandgesetzt. Zugangsmöglichkeiten und durchzuführende Demontagearbeiten wie beispielsweise der Dachhimmelausbau werden direkt am KFZ vermittelt. Aber auch der kaufmännische Bereich wurde nicht außer Acht gelassen. Schließlich ist es wichtig ebenfalls theoretische Kentnisse über die Erstellung von Preislisten, die Kalkulation des Materialbedarfs, den Prozess der Schadensabwicklung oder eine mögliche Gewerbeanmeldung zu haben.

Ein Dellentechniker benötigt sicherlich viel Fingerspitzengefühl. Welche speziellen Fähigkeiten sollte man für diese Arbeit mitbringen?

MÜLLER: Ein gewisses Fingerspitzengefühl wäre schon wichtig. Deshalb sollte man als Voraussetzung definitiv keine zwei linken Hände haben. Und ein wenig Geduld, technisches Verständnis sowie ein gutes Auge haben in diesem Beruf auch noch keinem geschadet.

Können Sie kurz auf die Jobchancen bzw. die Berufsvorteile nach bestandener Prüfung eingehen?

MÜLLER: Mit einer Qualifikation als Dellentechniker steigen die Jobchancen auf jeden Fall, so dass unsere Teilnehmer nach der Bundeswehr schnell und reibungslos zurück in den zivilen Arbeitsmarkt wechseln können. Darüber hinaus ist ein solcher Abschluss ideal für eine Existenzgründung geeignet oder kann als Weiterbildung am Ende einen haupt- bzw. nebenberuflichen Einstieg erleichtern. Ganz davon abgesehen kann die Ausbildung bei uns sowohl während der Wehrdienstzeit als auch nach dem Dienstzeitende durchgeführt werden.

Wie sehen die ungefähren Verdienstmöglichkeiten der angehenden Dellentechniker aus?

MÜLLER: Natürlich kommt es hier immer etwas auf das individuelle Verhandlungsgeschick der jeweiligen Teilnehmer an. Ich kann aber mit Fug und Recht sagen, dass die Verdienstmöglichkeiten überdurchschnittlich gut sind. Angestellte Techniker bekommen in der Regel ein festes Grundgehalt und werden darüber hinaus am Umsatz beteiligt. Auf selbstständiger Basis arbeitende Spezialisten haben vergleichbare Umsätze wie die eines Chirurgen, weshalb sie ja schließlich auch „Beulendoktoren" genannt werden. (lacht)

Herr Wehrheim, was fanden Sie während der Ausbildung bei Herrn Müller besonders gut?

WEHRHEIM: Gerade die tolle Lernatmosphäre hat mir super gefallen. Es war eine kleine Lerngruppe von nur drei Leuten und keine Massenveranstaltung, wie man sie vielfach von anderen Weiterbildungsmaßnahmen kennt. Und das wir an realen Kundenfahrzeugen wirklich praxisnah ausgebildet wurden war richtig motivierend und hat mir persönlich viel gebracht. Leider gibt es meiner Meinung nach genug schwarze Schafe in der Branche. Gerade an den sogenannten internen Lehrgängen nehmen gewöhnlich viel zu viele Leute teil und es wird zumeist nur an ausgebauten Fahrzeugteilen geübt. Für mich ist es aber besonders wichtig, dass man im Rahmen der Ausbildung beigebracht bekommt, wie man die Dellen auch aus schwer zugänglichen Stellen wieder rausbekommen kann.

Sind Sie mit Ihrer Entscheidung sich zum Dellentechniker zu qualifizieren rückblickend zufrieden?

WEHRHEIM: Ich bin sogar sehr zufrieden meine BFD-Ansprüche in diese Weiterbildung investiert zu haben. Außerdem bin ich froh, dass ich die Ausbildung bei Herrn Müller und seinem Team absolvieren durfte. Ich habe in der kurzen Zeit sehr viel gelernt und werde mein Wissen ab jetzt an anderen Fahrzeugen umzusetzen können. Zumal das schöne dabei ist, dass man von Tag zu Tag immer besser wird. Allerdings muss man sich halt im klaren darüber sein, dass man die praktischen Fertigkeiten als Dellendrücker nicht schleifen lassen darf. Hier muss man ständig üben, um das vorhandene Know How nicht wieder zu verlieren.  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Bildungspartner für Zeitsoldaten

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