Ausbildung zum Vermögensberater

Die Finanzen ihrer Kunden fest im Blick: Hauptfeldwebel d.R. Sven Kröger sowie der Direktionsleiter der Deutschen Vermögensberatung Jens Demsat informieren über den Berufsalltag und die Ausbildung zum Vermögensberater.

Der Bundesverband Deutscher Vermögensberater (BDV) repräsentiert schon seit mehr als 40 Jahren als größte berufsständische Vertretung die Interessen der selbständigen Vermögensberater in Deutschland. Herr Demsat, welche Absicht verfolgt der BDV daneben außerdem noch?

DEMSAT: Eines der Hauptziele des Bundesverbandes Deutscher Vermögensberater ist natürlich die tatkräftige Unterstützung seiner vielen Mitglieder in allen beruflichen Belangen. Als politische Interessenvertretung aller Vermögensberater fungiert er zudem als eine Art Sprachrohr und bringt bei allen berufsrelevanten Themen seine jahrzehntelange Erfahrung in die politischen Diskussionen in Berlin und Brüssel ein. Mit seinen Richtlinien für die Berufsausübung und seinen Grundsätzen für die Kundenberatung hat er die Standards für die Tätigkeiten eines Vermögensberaters gesetzt. Darüber hinaus tritt der BDV für eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung seiner Mitglieder ein und hat so das Berufsbild durch seine Arbeit geprägt.

Hat man als ehemaliger Zeitsoldat eigentlich Vorteile gegenüber den „zivilen" Vermögensberatern?

KRÖGER: Um ein guter Vermögensberater zu sein, benötigt man unter anderem auch die Kompetenzen, die von mir als Soldat früher tagtäglich gefordert waren: Disziplin, strukturiertes Arbeiten, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Teamfähigkeit. Diese Fähigkeiten bilden meiner Meinung nach eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Arbeit als Vermögensberater. Und da ich diese Dinge quasi schon von Haus aus „mitgebracht" habe, ist es mir von Beginn an leicht gefallen an meiner jetzigen Karriere zu arbeiten. Sie sind für mich ein guter Garant für meinen zukünftigen beruflichen Erfolgsweg. Ich denke, was das angeht, haben wir Zeitsoldaten neben der finanziellen Förderung  einen weiteren entscheidenden Vorteil gegenüber den Bewerbern aus der zivilen Wirtschaft.

DEMSAT: Dem kann ich nur mit Nachdruck zustimmen. Denn wenn man über die von Herrn Kröger angesprochenen Fähigkeiten verfügt, hat man eine solide Basis für die tollen Aufstiegsmöglichkeiten in unserer Branche - unabhängig vom vorherigen Ausbildungsberuf, dem Geschlecht oder dem Alter. Ich erhalte in meinem Beruf heute eine leistungsgerechte Bezahlung für meine Arbeit und kann mir meine Zeit selbst einteilen. Das erfordert aber natürlich auch eine gewissenhafte Planung und Vorbereitung, also Dinge mit denen viele ehemalige Soldaten bereits während ihrer aktiven Dienstzeit zu tun hatten.

Herr Kröger, wie sind Sie nach Ihrem Dienstzeitende eigentlich zu Ihrer jetzigen Karriere als Vermögensberater gekommen?

KRÖGER: Bereits während meiner aktiven Dienstzeit hatte ich einen Vermögensberater, der sich um meine Finanzen gekümmert hat. Da mich das Thema fasziniert und nicht mehr losgelassen hat, habe ich den Entschluss gefasst meine Eignung zunächst erst mal nebenberuflich zu testen. Dabei habe ich schnell gemerkt, dass mir dieser Beruf echt Spaß macht und mir der Umgang mit den Kunden wirklich liegt. Gemeinsam mit meinem Praktikumsbetrieb und dem Bundesverband Deutscher Vermögensberater e.V. haben wir die Förderungsmöglichkeiten durch den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr geprüft und die ersten Schritte für meine weitere Ausbildung in die Wege geleitet.

Würden Sie uns Ihren Berufsalltag als Vermögensberaters einmal etwas näher skizzieren?

KRÖGER: Im Laufe meiner Ausbildung habe ich gelernt, dass es mir in meiner Berufsausübung freistehen wird, wie ich meinen Tagesablauf planen und meine Arbeit einteilen kann. Als Dienstleister für meine Kunden muss ich aber auch jederzeit flexibel auf deren Terminwünsche reagieren können. Das ausgewogene Zusammenspiel von Bürotätigkeit und Kundenterminen ist extrem wichtig und der Garant für den beruflichen Erfolg. In der Regel beginnt mein Arbeitstag gegen 09.30 Uhr morgens und endet gegen 19.00 Uhr am Abend. Am Vormittag werte ich meistens die Kundenanalysen für die spätere Beratung aus und erledige parallel dazu die anfallende Büroarbeit. Die freie zeitliche Gestaltung meiner Arbeit hat für mich zudem den großen Vorteil, dass ich zwischen 12.00 und 15.00 Uhr die Zeit habe mich meiner Familie zu widmen. Im Anschluss daran nehme ich je nach Absprache die ersten Kundentermine wahr.

Und wie sieht es in Deutschland mit der Ausbildung zum Vermögensberater bzw. Kaufmann für Versicherungen und Finanzen aus?

KRÖGER: Ich habe zunächst die Ausbildung zum Vermögensberater, Fachmann für Versicherungen, Bausparen und Investment durchlaufen und daran anschließend den Fachberater für Finanzdienstleistungen (IHK) begonnen. Möglich ist allerdings auch die Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen (IHK) oder sogar der Abschluss als Bachelor of Arts in BWL-Schwerpunkt Finanzvertrieb.

Welche Voraussetzungen muss ein Soldat auf Zeit überhaupt mitbringen, um erfolgreicher Vermögensberater werden zu können?

DEMSAT: Als Vermögensberater benötigt man ein hohes Maß an Leistungs- und Lernbereitschaft. Ganz wichtig sind insbesondere Kontaktfähigkeit und Offenheit sowie eine ausgeprägte soziale Kompetenz. Ohne die würde man im Berufsleben nicht weit kommen, da man täglich mit einer Vielzahl an unterschiedlichsten Kunden zu tun hat und auf jeden möglichst individuell eingehen muss. Eine gute Portion Menschenkenntnis ist hierbei außerdem sehr hilfreich.

Die Finanz- und Versicherungsbranche ist ja ein stark umkämpfter Markt. Wie sehen denn die beruflichen Perspektiven in der Branche aus?

DEMSAT: Nicht zuletzt aufgrund der demografischen Entwicklung werden die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland in den kommenden Jahren immer mehr unter Druck geraten. Der privaten Vorsorge in der Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung kommt in den nächsten Jahren eine immer größere Bedeutung zu, da der Staat wohl künftig nur noch eine „Grundsicherung" bieten kann. In Zeiten knapper Haushaltsmittel mit schrumpfenden Bevölkerungszahlen und damit immer weniger Beitragszahlern sowie gleichzeitig immer mehr Leistungsempfängern mit längeren Leistungsphasen kommt man um eine vernünftige Vorsorge nicht mehr herum. Und genau hier setzt die Arbeit des Vermögensberaters ein. Als Mittler zwischen Bürger und Staat sorgen wir dafür, dass unsere Kunden einer drohenden Altersarmut durch eine vernünftige Vermögensplanung entgegenwirken können. Sie sehen also, dass es auch in der Zukunft spannend bleibt und wir sicher alle Hände voll zu tun haben werden, dieses Ziel zu erreichen.

Im Rahmen der Aus- und Weiterbildung arbeitet der BDV bereits seit einigen Jahren eng mit dem Berufsförderungsdienst der Bundeswehr (BFD) zusammen. Erläutern Sie doch kurz die Zusammenarbeit mit dem BFD.

KRÖGER: Die Hauptaufgabe des Berufsförderungsdienstes der Bundeswehr ist es ja ausscheidenden Soldaten den Wiedereinstieg in das zivile Berufsleben nach dem Dienstzeitende zu ermöglichen und die Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten im Rahmen der individuellen Ansprüche zu fördern. Und genau hier arbeiten der BFD und der Bundesverband Deutscher Vermögensberater seit vielen Jahren eng zusammen, da dem BDV die große Bedeutung einer qualifizierten Ausbildung für die spätere Existenz der Soldaten bewusst ist. Im Fokus unserer Bemühungen steht immer der Mensch und der spätere Erfolg im Beruf.  (sg)

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Bildungspartner für Zeitsoldaten

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