Arbeiten auch nach Dienstschluss

Nach Feierabend noch im Nebenberuf schaffen: Stabsunteroffizier d.R. Daniel Werner spricht mit DIENSTZEITENDE über die zusätzliche Arbeit in der eigenen Firma sowie über die Vor- und Nachteile einer Nebentätigkeit.

Wenn Ihre Kameraden den wohlverdienten Dienstschluss genießen wartet auf Sie zu Hause noch die Arbeit in Ihrer eigenen kleinen Firma. Doch wie sieht Ihre nebenberufliche Tätigkeit eigentlich genau aus?

Als Oberbegriff könnte man wohl sagen, dass ich nebenbei eine Werbe- bzw. Internetagentur betreibe. Mit „Marketing-Würzburg" bin ich recht breit aufgestellt und habe in den letzten Jahren nach Dienst oder im Urlaub eine eigene kleine Marketing Agentur für den Raum Würzburg aufgebaut. Meine Arbeit ist dabei ziemlich abwechslungsreich, da von der Erstellung einer Website mittels HTML, CSS oder PHP über die Beratung und Durchführung von Online-Marketing bis hin zur Suchmaschinenoptimierung alles dabei ist. Auch der Bereich der Suchmaschinenwerbung und des Social Media Marketings wird durch mein Portfolio abgedeckt.

Und welchen konkreten Nutzen bietet das Online-Marketing für Ihre Kunden?

Eine gute Idee sowie das Betreiben einer Website reicht heute allein nicht mehr aus, um sich im Internet erfolgreich zu vermarkten und etwas verkaufen zu können. Schließlich müssen die Kunden erst einmal auf die betreffende Internetsite aufmerksam gemacht und von deren Nutzen überzeugt werden. Und genau hier komme ich ins Spiel! Denn um dieses Ziel zu erreichen gibt es im Bereich Online-Marketing diverse gute Möglichkeiten, die nur darauf warten eingesetzt zu werden. Hier kann man zum einen mit einer erfolgreichen Suchmaschinenoptimierung oder mit Google-Adwords-Kampagnen die Suchmaschinenwerbung deutlich nach vorn bringen. Das hat den großen Vorteil, dass man danach bei bestimmten Suchbegriffen schneller gefunden und dadurch öfter von der Zielgruppe „geklickt" wird. Zum anderen kann ein Unternehmen mit intelligentem Social-Media-Marketing, wie beispielsweise einer eigenen Facebook-Fanpage, seinen Bekanntheitsgrad in der Branche fühlbar erhöhen. Man kann also sagen, dass ich dafür sorge, dass die richtigen Kunden den Weg zum jeweiligen Unternehmen finden. Im Idealfall kaufen sie dann dort etwas ein oder nehmen die angebotenen Dienstleistungen in Anspruch.

Haben Sie damals auch Ihre Vorgesetzten über den Nebenberuf informiert?

Bereits vor der eigentlichen Anmeldung meines Gewerbes im Jahr 2008 habe ich jeweils am Wochenende für einen anderen Arbeitgeber gearbeitet. Das war natürlich der Zeitpunkt wo ich meinen Nebenberuf auch offiziell beim Dienstherrn angemeldet habe. Denn zum Ausüben einer Nebentätigkeit gibt es einen speziellen Antrag, der zwingend vom Kommandeur genehmigt werden muss. Der Antrag ist dann für drei Jahre gültig und muss anschließend erneut eingereicht werden. Dabei gibt es allerdings einige Dinge zu beachten. So darf die Nebentätigkeit nichts mit einer Firma zu tun haben, die wirtschaftliche Beziehungen zur Bundeswehr betreibt. Außerdem darf für die Nebentätigkeit eine gewisse Wochenstundenzahl nicht überschritten werden. Genauere Informationen dazu findet man aber im Paragraph 20 Soldatengesetz. Um sich vor unliebsamen Überraschungen zu schützen, sollte man auf Nummer sicher gehen und den entsprechenden Antrag stellen, bevor andere die nicht angezeigte Nebentätigkeit beim Vorgesetzten melden.

Gibt es darüber hinaus noch mehr was man beim Thema Nebenberuf beachten sollte?

Aus meiner Sicht ist das Wichtigste Spaß an der Arbeit zu haben. Bevor jedoch große Pläne für eine Geschäftsidee, eine Firma oder gar eine Existenzgründung geschmiedet werden, muss man es sich genau überlegen, ob man dafür wirklich jede Menge Freizeit opfern möchte. Davon abgesehen sollte man sich ebenfalls darüber im Klaren sein, dass man unter Umständen am Anfang erst mal kleine Brötchen backen muss und mit dem Nebenberuf kein oder nur wenig Geld verdient. Ganz im Gegenteil, denn je nach Art der Geschäftsidee entstehen gerade zu Beginn auch Kosten, die das Unternehmen verursacht. In meinem Fall war es zum Beispiel die Anschaffung teurer Software, auf die ich nur schwer verzichten konnte. Und wer im Bereich Webdesign und Online-Marketing tätig ist, wird recht schnell feststellen, dass es sich mit drei Monitoren einfach besser und effektiver arbeiten als nur mit einem. Das war letztlich einer der Gründe, warum ich in den ersten ein bis zwei Jahren unterm Strich nur wenig Gewinn erzielen konnte. Mittlerweile sieht die Sache aber anders aus und meine Firma wirft jetzt einen netten Nebenverdienst ab, der von Jahr zu Jahr wächst.

Übrigens kostet das Anmelden eines Gewerbes weniger als 100 Euro und kann im Rathaus des eigenen Wohnsitzes beantragt werden. Dabei würde ich es steuerlich auf keinen Fall empfehlen, die so genannte „Kleingewerbetreibendenregelung" zu nutzen. Das bedarf zwar ein paar Grundkenntnissen im Bereich Buchhaltung, die man sich aber beispielsweise im Rahmen eines Wochenendseminars der IHK aneignen kann. Zu Fragen über die Wahl der richtigen Rechtsform kann man sich als potentieller Existenzgründer zudem auch noch mal in Ruhe auf meiner Internetseite von „Jobs-Würzburg" informieren. 

Was waren Ihre Gründe sich neben der Bundeswehr für eine eigene Firma zu entscheiden?

Einer der Hauptgründe, warum ich mich 2003 für den Dienst in der Bundeswehr entschieden habe, waren die guten Möglichkeiten und Chancen des Berufsförderungsdienstes. Ich wusste nämlich schon damals, dass ich nicht nur Bürokaufmann bleiben wollte. Deshalb setzte ich mich bereits während meines zweiten Dienstjahres in die Abendschule, um nach Dienst meinen Wirtschaftsfachwirt IHK zu machen. Als ich diesen dann im Jahr 2007 erfolgreich abschloss, stand für mich sofort die Frage im Raum, was ich als nächstes in Angriff nehmen wollte. Da mein Bruder eine eigene Werbeagentur betrieb, konnte er mich während meines Auslandseinsatzes 2008 ein wenig in den Bereich des Webcodings und der Suchmaschinenoptimierung einführen. Bei dieser Gelegenheit habe ich damals meine Leidenschaft zum Online-Marketing entdeckt. Als ich im Jahr 2010 Vater einer Tochter wurde, wuchs in mir der Druck meiner Familie auch nach der Bundeswehr etwas bieten zu können. Der hohe finanzielle Anreiz ist wohl momentan der wichtigste Grund, warum ich mich so intensiv mit meiner Nebentätigkeit beschäftige und hierfür so viel Zeit investiere. Darüber hinaus plane ich momentan nach meinem Dienstzeitende in die Selbstständigkeit zu gehen. Daher ist meine Nebentätigkeit zugleich eine gute Übung für die Zukunft. Denn so vereinfacht mir alles was ich jetzt mache in ein paar Jahren den Wechsel in meine eigene Firma. Und je besser ich meine Arbeit erledige, desto leichter kann ich später meinen finanziellen Standard halten oder gar noch weiter verbessern.

Wie schaffen Sie es den täglichen Dienst, die eigene Firma und zudem die Familie unter einen Hut zu bringen?

Glücklicherweise habe ich die richtige Frau geheiratet. Sie hat vollstes Verständnis dafür, wenn ich abends nach Dienst oder am Wochenende noch am PC sitze. Das praktische an meiner Arbeit ist allerdings, dass ich sie mir selbst so einteilen kann wie ich es für richtig halte. Das hat zudem den großen Vorteil für die Familie, dass ich mir notfalls einfach ein paar Tage Auszeit gönnen kann. Ein weiterer Pluspunkt ist in diesem Zusammenhang sicherlich auch, dass ich einer der wenigen Soldaten bin, der seit der Einberufung vor knapp zehn Jahren dauernd heimatnah stationiert war. Alles in allem ist es dennoch nicht immer leicht die Familie und die eigene Karriere auf einen Nenner zu bekommen.

Lohnt sich der ganze Stress für Sie da letztlich überhaupt?

Ja, es lohnt sich definitiv! Schließlich hat es eine Menge Vorteile für mich, da ich täglich dazu lernen kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich hierbei um Neues aus dem Bereich des Online-Marketings oder um den Umgang mit den Kunden handelt. Je länger man ein Gewerbe betreibt, desto stärker entwickelt man ein Gefühl für sein Klientel und dessen Bedürfnisse. Und je besser man die jeweiligen Kundenaufträge erledigt, desto größer ist am Ende die Mundpropaganda. Daneben erhöht man durch die ständige Anwendung seiner Fähigkeiten ebenso das eigene Know-How. So gab es gerade zu Anfangszeiten Wochen und Monate, wo ich keine echten Aufträge hatte. Statt Däumchen zu drehen habe ich einfach eigene Websites erstellt, diese für Suchmaschinen optimiert und damit im Anschluss mit der platzierten Werbung Geld verdient. Heute habe ich hierfür allerdings nur noch sehr wenig Zeit, weil die Aufträge und eigenen Projekte gerade in den letzten Monaten einfach zu stark angestiegen sind. Aus Zeitmangel musste ich sogar schon die ersten Kundenanfragen ablehnen.

Ein weiterer Grund, warum sich der ganze Stress für mich lohnt ist mein stetig wachsendes Netzwerk. So kann natürlich keiner alles. Doch wenn man die entsprechenden Leute kennt erleichert das vieles. In den letzten Jahren habe ich mir ein eigenes kleines Netzwerk aufgebaut. Heute arbeite ich mit verschiedenen Grafikern, Webdesignern sowie Programmierern zusammen und kann somit für meine Kunden jeden Bereich professionell abdecken. Doch ein solches Netzwerk zu kreieren dauert natürlich seine Zeit und lässt sich nicht von heute auf morgen realisieren. Am Anfang stand ich noch alleine da. Aber mit der Zeit lernt man die unterschiedlichsten Leute kennen, mit denen man gemeinsame Projekte umsetzt kann. Insgesamt betrachtet würde ich jedem Soldaten empfehlen, sich bereits während seiner Dienstzeit etwas aufzubauen, sich weiterzubilden und eventuell in die Selbstständigkeit zu gehen. Schließlich fangen viele Zeitsoldaten nach der Bundeswehr bei null an und gerade Kameraden mit zwölf Jahren Dienstzeit haben es im Anschluss nicht leicht ohne gute Kontakte einen tollen Job zu finden.

Gab es innerhalb des dienstlichen Umfeldes auch negative Reaktionen?

Eigentlich eher weniger. Viele Kameraden wissen gar nicht was ich so nebenbei alles mache. Und diejenigen, die ich schon länger kenne oder mit denen ich enger zusammenarbeite, finden es glaube ich ganz gut was ich tue. Ich habe allerdings schon von anderen Soldaten gehört, die wegen ihrer Nebentätigkeit von den eigenen Kameraden beim Kompaniechef angeschwärzt wurden. Dort kam dann die große Frage auf, ob das mit der Arbeit nach Dienst denn alles so rechtens sei. Aber wahrscheinlich kommt es einfach darauf an, wie man sich selbst gibt. Denn würde ich mal mit einem Porsche oder ähnlichem Auto auf Arbeit kommen, so könnte ich mir gut vorstellen, dass damit nicht jeder zurecht käme. Allerdings wird mir das nicht passieren, da ich mein Geld dann doch lieber für etwas Sinnvolleres investiere. (lacht)

Welche persönlichen Zukunftspläne haben Sie für die Zeit nach dem Dienstzeitende?

Natürlich möchte ich mich im Bereich Online-Marketing weiterqualifizieren. Allerdings ist das nicht ganz einfach, da es hauptsächlich berufsbegleitende Weiterbildungen, aber nur sehr wenige Bildungsmaßnahmen in Vollzeit gibt. Glücklicherweise bin ich darauf gut vorbereitet, weil ich bereits während der Dienstzeit den Wirtschaftsfachwirt an der Abendschule absolviert habe und nebenbei immer wieder an Wochenendseminaren der IHK und Volkshochschule teilgenommen habe. Und durch meine praktischen Projekte kann ich ebenfalls zahlreiche gute Referenzen vorweisen. Was ich in diesem Zusammenhang auf jeden Fall noch machen möchte ist der Social Media Manager, ein Fernstudium zur Suchmaschinenoptimierung, sowie den Online-Marketing-Manager (DDA). Sofern alles passt, kann ich mir vielleicht auch ein Studium im Bereich Marketing oder E-Commerce vorstellen. Jedoch sind es bis zu meinem Dienstzeitende noch gut zwei Jahre und bis dahin kann noch viel Wasser den Main hinunter fließen. Daher heißt die Devise erst mal abwarten und schauen was die Zeit noch so mit sich bringt.

Haben Sie abschließend noch einen Tipp für alle Kameraden auf Lager, die vielleicht ebenfalls einen Nebenberuf ausüben möchten?

Sehr gerne! Ich bin das beste Beispiel dafür, dass es jeder schaffen kann, wenn er sich nur ein wenig damit beschäftigt. Ich hatte vor einigen Jahren noch überhaupt keine Ahnung was Programmierung und Online-Marketing betrifft. Doch je mehr man sich für eine Sache interessiert und sich wirklich reinkniet, desto leichter fällt es nach einigen Jahren damit auch Geld zu verdienen oder wieder in die freie Wirtschaft zu wechseln. Jedes Projekt, das man für sich oder einen Kunden umsetzt, kann der Schlüssel für den zivilen Erfolg sein. Egal ob als Angestellter oder als Selbstständiger. Denn am Ende ist Jeder für sein Leben und den persönlichen Erfolg selbst verantwortlich!  (sg)

„Update"

Im Februar 2013 begann mein Fernstudium an der AFS in Berlin, welches ich sechs Monate später mit dem begehrten SEO-Zertifikat in Händen beendete. Ab dem Juli 2013 konnte ich dann endlich meinen Vollzeit-BFD-Anspruch antreten und an zahlreichen Weiterbildungen bei der 121WATT an den Standorten München und Berlin teilnehmen. Darüber hinaus absolvierte ich zwischenzeitlich diverse Praktika bei den verschiedensten Werbe-, Marketing und Affiliate-Agenturen. Außerdem ließ ich mich der IHK München im Rahmen meiner Berufsförderungsansprüche zum Social Media Manager und Ecommerce-Manager ausbilden. So hatte ich bis März 2014 nicht nur mein komplettes BFD-Budget während und nach der Dienstzeit aufgebraucht, sondern ich entschloss mich auch einen Antrag auf Dienstzeitverkürzung zu stellen.

Dank des Reformbegleitgesetzes sowie dem genehmigten Verkürzungsantrag konnte ich zum 1. April 2014 die Bundeswehr verlassen und nun endlich meinen Tätigkeiten in Vollzeit nachgehen. Seit dem ersten Tag in meiner beruflichen Selbstständigkeit wurde ich durch einen SEO-Trainee unterstützt, der früher ebenfalls Soldat auf Zeit gewesen ist. Dabei kann ich mich über zu wenig Arbeit nicht beklagen. Im Gegenteil, es fehlt mir nicht an Aufträgen und meine Agentur ist voll ausgelastet. Das ist auch der Grund, warum wir ich mich nach wie vor noch auf der Suche nach weiteren Trainees befinde. Übrigens wurde meine frühere Werbeagentur webmatr1x einem kompletten Relaunch unterzogen und nennt sich nun offiziell Internetagentur Webfeinschliff.

Sollten sich Zeitsoldaten von mir und meiner Tätigkeit angesprochen fühlen und ich das Interesse geweckt haben, im Anschluss an die Bundeswehr im gleichen Bereich durchzustarten, dann freue ich mich über entsprechende Bewerbungen.

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Interviewt am von Stefan Geßner in der Kategorie: Ehemalige Zeitsoldaten berichten

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