Karriere-Blog für Zeitsoldaten der Bundeswehr

Januar 2015: Lebenslauf nach der Bundeswehr

Als Lebenslauf-Expertin und Gründerin von "Dein-Lebenslauf.com" weiß Britta Kiwit sehr genau, wie anstrengend die Bewerbungsphase ist. Jahrelang hat man sich während der Dienstzeit nicht mit dem Thema auseinandergesetzt, und dann kommt sie plötzlich: die Bewerbungsphase für die Karriere nach der Bundeswehr! Aber wie war das noch mit den Bewerbungsunterlagen? Welche Informationen erwähne ich und welche eben nicht? Und welche Fehler gilt es zu vermeiden?

1. Rechtschreibfehler

Direkt beim allerersten Punkt erwähnen wir hier die Königsdisziplin. In mehr als 56 Prozent aller Bewerbungsunterlagen in Deutschland befinden sich mittlerweile Rechtschreib- oder Flüchtigkeitsfehler. Diese bedeuten meist das direkte Aus, da der Personaler solche Fehler als unzureichende Sorgfalt interpretiert. Wenn sich der Bewerber noch nicht mal die Mühe gibt, seinen eigenen Lebenslauf zu korrigieren, so kann ihm offensichtlich auch die Stelle nicht so wichtig sein, ist die Auffassung in der Praxis.

Vier Augen sehen mehr als zwei. Am besten lässt man im finalen Schritt noch einmal alles mit dem 4-Augen-Prinzip kontrollieren. Sehr guter Tipp: den Lebenslauf einmal rückwärts lesen; so achtet man weniger auf Inhalt als auf die Rechtschreibung.

2. Unpassender Aufbau

Wenn es damals noch richtig war, den Lebenslauf chronologisch aufzubauen und die Auflistung der Stationen in der Grundschule zu beginnen, so ist das heute veraltet. Man merke sich: Das Aktuellste steht immer an erster Stelle - also ganz oben. Jeweils ältere Abschnitte folgen dann entsprechend darunter. „Chronologisch retrograd" wird das genannt und hilft vor allem dabei, dass der Personaler das Wichtigste auf einen Blick sieht.

Von Bedeutung ist beim Aufbau auch, dass eine übersichtliche Struktur den Inhalt noch stärker hervorhebt. Achten sollte man daher unbedingt auf prägnante Zwischenüberschriften, die den Lebenslauf gliedern. Ein Beispiel-Aufbau könnte wie folgt aussehen:

  ·  Persönliche Daten (Name, Wohnort, Geburtstag, Adresse, E-Mail, Telefon)
  ·  Berufliche Laufbahn
  ·  Akademischer und schulischer Werdegang (Realschulabschluss, Ausbildungen)
  ·  Qualifikationen und Weiterbildungen (Auszeichnungen, Ehrenmedaillen)
  ·  Sonstige Kenntnisse (EDV, Sprachen, Führerschein)

3.  Länge: So lang wie nötig, so kurz wie möglich

Die richtige Länge des Lebenslaufs spielt ebenfalls eine große Rolle. Meist konzentriert sich der Bewerber nicht auf die wesentlichsten Informationen, sodass der Lebenslauf den wichtigsten Fokus verliert. Auch ein zu kurzer oder oberflächlicher Lebenslauf kann wiederum nach hinten losgehen, da dem Personaler erst gar kein Bild vom Bewerber vermittelt wird. Als ideale Daumenregel gilt: 1 Seite Lebenslauf für 10 Jahre Berufserfahrung. Zusatztipp: Informationen wie zum Beispiel die Grundschule können in den meisten Fällen weggelassen werden; die Angabe hat keinen Mehrwert und macht das Dokument unnötig länger.

4. Lücken im Lebenslauf

Womit wir beim nächsten Punkt angelangt wären: den unerklärten zeitlichen Lücken im Lebenslauf. Eine Konzentration auf die wichtigsten beruflichen Stationen bedeutet nämlich nicht, dass man plötzlich eine 4 Jahres-Lücke aufweist, in der es den Anschein erweckt, als hätte man in diesen Jahren „gar nichts" getan.

Die Berufsstationen, die euch für die ausgeschriebene Stelle am wichtigsten vorkommen, betont ihr auch am stärksten und formatiert die Informationen, (z.B. mit fetter Schrift), dass sie stärker im Mittelpunkt steht. Die Stationen, die weniger relevant sind, werden nur knapp erwähnt, damit der Personaler einen Fokus sieht und der Lebenslauf dennoch keine Lücken aufweist.

5. Unverständliche Formulierungen

Für viele ist dieser Punkt etwas knifflig, da die Begriffe für einen selbst zum Alltag gehören. „Ausbildung zum Stabsunteroffizier", „Nachschubsoldat in der Einsatzunterstützungsstaffel" oder auch der „Erhalt einer Einsatzmedaille für xy" - viele Personaler verstehen bei diesen Fachtermini allerdings nur Bahnhof.  Man stelle sich Recruiter vor, die beruflich aus einer ganz anderen Sparte kommen und denen bei speziellem Wissen für Teilbereiche der Bundeswehr die Expertise fehlt.

Das soll nicht heißen, dass alle militärischen Begriffe zwingend durch verständliche Synonyme ersetzt werden müssen. Manchmal geht es einfach nicht anders. Trotzdem empfiehlt es sich, in der beruflichen Station verstärkt mit "zivilen" Worten darauf einzugehen, was sich hinter den Bezeichnungen versteckt. Dabei sollte auch auf militärische Abkürzungen wie "AGA", "MatBewFw SK" oder "DEU EinsKtgt ISAF" möglichst verzichtet werden.

Hier ein paar Beispiele:

Kompanieeinsatzoffizier = Stellvertretender Leiter einer militärischen Organisationseinheit mit etwa 120 Soldaten, der unter anderem für die Planung, Koordinierung und Durchführung von Ausbildungsprojekten verantwortlich ist. Bei längerer Abwesenheit des Leiters nimmt er sämtliche Führungsaufgaben war.

Materialbewirtschaftungsfeldwebel = Leiter des logistischen Fachbereichs, der für die Unterstützung einer etwa 120 Soldaten starken Organisationseinheit verantwortlich ist. Zu den Aufgaben gehört z.B. die selbstständige Abwicklung und Steuerung der materiellen sowie logistischen Prozessabläufe innerhalb der Organisationseinheit.

AGA-Gruppenführer = Eine für die militärische Grundlagenausbildung eingesetzte Fachkraft. Zu den Aufgaben gehört z.B. die Gestaltung und Durchführung einzelner Ausbildungsabschnitte mit einem Teilnehmerkreis von bis zu 10 Soldaten.

S1-Stabsdienstsoldat = Sachbearbeiter in der Personalabteilung einer militärischen Organisationseinheit mit über 650 Mitarbeitern. Zu den Aufgaben gehören z.B. die Bearbeitung personalspezifischer Angelegenheiten oder die Führung von Personalakten innerhalb der Organisationseinheit.

Quelle: Gastartikel von Britta Kiwit - Gründerin und Gesellschafterin von www.dein-lebenslauf.com.

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Geschrieben am von Stefan Geßner in der Kategorie: Arbeitsmarkt.
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