Karriere-Blog für Zeitsoldaten der Bundeswehr

September 2018: Jobsuche nach der Bundeswehr:

Jedes Jahr verlassen rund 15.000 Zeitsoldaten die Bundeswehr, weil ihre Zeitverträge mit den Streitkräften enden. Dabei haben alle eins gemeinsam: sie benötigen nach ihrem Dienstzeitende einen neuen Arbeitgeber für den reibungslosen Wiedereinstieg in die Wirtschaft. Doch die Branchen, die bei der Jobsuche im Fokus stehen, sind so unterschiedlich wie die individuellen Karriereziele oder beruflichen Qualifikationen der jeweiligen Soldaten. Im Rahmen unserer DZE-Online-Umfrage 2018 haben wir hier einmal nachgehakt und unter anderem nach den Präferenzen bei der Arbeitgebersuche nach dem Ende der Dienstzeit gefragt.  

Besonders wichtig für die Stellen- und Branchenwahl sind zunächst die beruflichen Qualifikationen der ausscheidenden Zeitsoldaten. Knapp die Hälfte der Soldaten verfügt am Entlassungstag mindestens über einen Facharbeiterabschluss und fast 30 Prozent über eine Aufstiegsqualifizierung auf der Ebene Fachwirt, Meister bzw. staatlich geprüfter Betriebswirt oder Techniker. Rund 10 Prozent der früheren Soldaten auf Zeit verfügt über einen akademischen Abschluss. Da die Berufsqualifizierung am Ende der Dienstzeit - insbesondere bei betrieblichen Ausbildungen oder Bachelor-Studiengängen - häufig noch nicht abgeschlossen ist, verbessern sich die Abschlüsse meist noch weiter. Schließlich qualifizieren sich viele Ex-Soldaten auch parallel zum Job berufsbegleitend weiter.

Öffentlicher Dienst als Arbeitgeber steht in der Beliebtheit ganz vorn

Ganz vorn bei den beliebtesten Arbeitgebern steht mit großem Abstand der öffentliche Dienst. Viele Soldaten interessieren sich zunächst für eine Stelle bei der Polizei, beim Zoll sowie in der Bundeswehr- oder Kommunalverwaltung. Das liegt sicherlich daran, dass viele Soldaten die finanzielle Sicherheit von öffentlichen Trägern schätzen und ihnen Behördenstrukturen vertraut sind. Doch längst nicht alle Soldaten schaffen am Ende die jeweiligen Auswahltests. Trotzdem wechselt jährlich fast jeder dritte Ex-Soldat zu einem öffentlichen Arbeitgeber.

Außerdem stehen die Berufsbranchen Wirtschaft & Verwaltung, Elektro & technische Berufe sowie IT & Medien oder Logistik & Verkehr bei den aktiven und ehemaligen Soldaten hoch im Kurs. Denn das sind für mehr als ein Drittel der Soldaten die vorrangigen Wirtschaftszweige, in denen sie ihre berufliche Zukunft nach der Bundeswehr sehen. Weniger im Vordergrund stehen die Bereiche Gastgewerbe & Tourismus, Handel & Vertrieb sowie Bau & Handwerk. Hier suchen nur etwa 10 Prozent der ausscheidenden Soldaten den Wiedereinstieg.

Im Groben orientieren sich die beliebtesten Berufsbranchen an den beruflichen Qualifikationsprofilen, die auch für die meisten Verwendungen innerhalb der Bundeswehr benötigt werden. Also gewerblich-technische, logistische, kaufmännische sowie IT-Abschlüsse. Offensichtlich scheinen die meisten Soldaten wieder zurück in die Branchen zu streben, in denen sie bereits vor oder während ihrer Dienstzeit berufliche Qualifikationen erworben haben oder über entsprechende Berufserfahrung verfügen. Es gibt aber ebenfalls Soldaten, die die umfangreichen Möglichkeiten zur Berufsförderung nutzen und sich nach der Dienstzeit komplett neu orientieren.

Regionalität und Spaß an der neuen Tätigkeit als wichtigste Kriterien bei der Jobsuche

Die drei entscheidenden Faktoren bei der Auswahl des Arbeitgebers für die Karriere nach der Bundeswehr sind sowohl für die aktiven als auch ehemaligen Soldaten insbesondere die Nähe des Arbeitgebers zum Wohnort, der Spaß an der neuen Tätigkeit bzw. Stelle sowie die Höhe des künftigen Gehalts. Bei letzterem wollen sich Soldaten finanziell nicht verschlechtern, so dass sie sich häufig am Netto-Einkommensniveau ihrer früheren Besoldung orientieren. Andere wichtige Aspekte wie die Unternehmensgröße oder der Bekanntheitsgrad des künftigen Arbeitgebers haben bei den meisten Soldaten hingegen nur einen geringen Einfluss auf die Jobsuche. Zusätzliche Gratifikationen wie Dienstwagen und Betriebsrente etc. oder eine hohe Work-Life-Balance spielen ebenfalls eine eher untergeordnete Rolle. Damit sind kleinere Unternehmen für Ex-Soldaten genauso interessant wie größere Firmen und Konzerne, sofern die regionalen Gegebenheiten und finanziellen Anreize stimmen.

Beim Thema Pendeln sind die meisten Soldaten durchaus flexibel und bereit auch weitere Strecken in Kauf zu nehmen. Knapp jeder dritte Ex-Soldat suchte sich nach der Dienstzeit einen Job am Heimatort, während etwa jeder Zehnte in die Nähe des neuen Arbeitgebers gezogen ist. Rund 60 Prozent der früheren Soldaten pendelt täglich mindestens 25 Kilometer zur Arbeit. Da zahlreiche Soldaten während der aktiven Bundeswehrzeit oft viel unterwegs sind und teilweise mehrfach versetzt werden, nutzen viele die Chance, um sich nach der Dienstzeit einen Job in der Heimat bzw. in der Nähe der Familie zu suchen. Dies unterstreicht die hohe Bedeutung der Regionalität bei der Arbeitgebersuche von Soldaten am Ende der Dienstzeit.  (sg)

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Geschrieben am von Stefan Geßner in der Kategorie: Arbeitsmarkt.
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