Mit dem Servicetechniker für Windenergieanlagen bietet der ELBCAMPUS eine innovative und zukunftssichere Weiterbildung im Bereich der Umwelttechnik an. Herr Reich, wie bewerten Sie den aktuellen Boom im Windenergiesektor?
REICH: Der Beschluss zum Ausstieg aus der Atomenergie sowie die stärkere Förderung von alternativen Energien hat die sehr positive Entwicklung der Windenergiebranche und den eh schon hohen Personalbedarf der letzten Jahre noch weiter angeheizt. Dieser Schub wird noch nachhaltiger werden, wenn endlich die von der Bundesregierung avisierten Fördermittel klar sind. Gerade im Servicebereich wird der Mangel an Fachkräften immer größer, da zum einen der Bestand der Anlagen ständig steigt und zum anderen die Wartungsintervalle konkret vorgegeben sind. Somit liegt nicht nur ein fester Auftragsbestand vor, den es zu erfüllen gilt, sondern die Branche wird auch zukünftig weiter wachsen. Vor diesem Hintergrund hat der Beruf eine sehr gute Perspektive, ist krisenfest und bietet zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten für die, die hoch hinaus wollen.
Können Sie uns die Ausbildung zum Servicetechniker für Windenergieanlagen einmal genauer vorstellen?
REICH: Wo fangen wir an? Wichtig zu wissen ist, dass diese Weiterbildung schon vor mehr als zehn Jahren in Deutschland Fuß gefasst hat. Die Gründung des Bildungszentrums für erneuerbare Energien (BZEE) in Husum ist der erste große Meilenstein gewesen. Der Bundesverband WindEnergie, die Industrie- und Handelskammer und zahlreiche Windenergieunternehmen sind Gründungsmitglieder des BZEE. Ziel war es, genügend Fachkräfte für die Branche zu gewinnen. Eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung ist natürlich der Schlüssel dazu. Seitdem wird weltweit das notwendige Personal für Service, Wartung und Reparatur von Windenergieanlagen fortgebildet. Kurz gesagt: Hier wurde der „Servicetechniker für Windenergieanlagen" als standardisierter und zertifizierter Bildungsgang geboren. Die Handwerkskammer Hamburg bietet die in der Branche weltweit anerkannte Weiterbildung seit dem Jahr 2007 an. Seit 2008 auch bei uns im ELBCAMPUS. Weit über 100 Servicetechniker sind bis jetzt allein in Hamburg qualifiziert worden und der Bedarf der Branche ist weiterhin enorm. Die Qualifizierung zum „Servicetechniker für Windenergieanlagen" dauert insgesamt rund sieben Monate. Die Teilnehmer lernen alles, was ein „Windmüller" in schwindelerregender Höhe auf einer Anlage wissen muss, um diese warten und reparieren zu können. Themen wie Mechanik, Elektrotechnik und Hydraulik werden in der Theorie gelehrt, in der praktischen Ausbildung vertieft und in einem sechswöchigen Praktikum angewandt. Nach der offiziellen Prüfung in Hamburg vor der Handwerkskammer erhalten alle ein Zertifikat - die Eintrittskarte in die Windenergiebranche. Nicht selten haben die Teilnehmer bereits weit vor der Prüfung schon Jobangebote in der Tasche.
Muss ein ehemaliger Zeitsoldat denn bestimmte Voraussetzungen mitbringen, um in diesem Berufsfeld Fuß zu fassen?
REICH: Definitiv ja! Neben der Höhentauglichkeit, die vor Beginn eines Lehrgangs geprüft wird, muss er natürlich notwendige Grundfertigkeiten und körperliche Fitness mitbringen. Wir erwarten eine abgeschlossene Ausbildung in einem Elektro- oder Metallberuf, egal ob als Geselle oder Facharbeiter. Ein Mechatroniker ist hier somit der ideale Kandidat. Wichtig ist zusätzlich die Bereitschaft „auf Achse zu sein", denn die Windenergieanlagen stehen selten direkt vor der Haustür. Unsere Absolventen sind also später auch auf Montage unterwegs. Vielleicht oder hoffentlich sogar im Ausland. Man könnte es deswegen durchaus als Abenteuerlust umschreiben. Wer sich nicht ganz sicher ist, ob er mit seinem erlernten Beruf die Eingangsvoraussetzungen erfüllt, sollte uns auf jeden Fall im ELBCAMPUS ansprechen. Denn: Falls es nicht „passen" sollte, wir haben sicherlich eine gute Alternative!
Und welche beruflichen Möglichkeiten eröffnen sich Ihren Absolventen nach dem Abschluss ganz konkret?
REICH: Die Servicetechniker für Windenergieanlagen wirken beim Aufbau und bei der Inbetriebnahme von neuen Windanlagen mit, sowohl an Land (Onshore) als auch auf See (Offshore). Typisch ist auch die Durchführung von regelmäßigen Service- und Wartungsaufgaben inklusive kleinerer Reparaturen. Eine weitere Einsatzmöglichkeit bietet sich bei Firmen, die sich auf umfangreiche Reparaturen, wie beispielsweise das Ausbessern von Rotorflügeln mit Hilfe von Faserverbundtechniken, spezialisiert haben. Zusätzliche Perspektiven bietet außerdem die Zulieferindustrie, z.B. bei der Herstellung von Anlagen und Komponenten. Oder aber unsere Absolventen arbeiten als Planer oder Gutachter für Windkraftanlagen. Hierfür benötigen sie entsprechende Berufserfahrungen in der Windbranche und Kenntnisse in der Planung und Projektierung. Alles in allem sind die Möglichkeiten vielfältig und werden in der Zukunft sicher noch weiter anwachsen.
Herr Carstens, warum haben Sie sich nach Ihrer Dienstzeit in der Bundeswehr beruflich neu orientiert und für eine Fortbildung zum Servicetechniker für Windenergieanlagen entschieden?
CARSTENS: Ich habe nach meiner Dienstzeit eine ganz neue Herausforderung gesucht und wollte mich für meine weitere Zukunft in eine Branche orientieren, die auch das notwendige Zukunftspotential aufweist.
Wie sieht eigentlich Ihr Arbeitsalltag bei einem der weltweit größten Windenergieanlagenhersteller aus?
CARSTENS: Bedeutend anders als in meiner Zeit bei der Bundeswehr. Ein Arbeitstag beginnt jetzt nämlich sehr flexibel und ist meist nur schwer planbar, da man sich nach der Natur und dem heutigen Stand der Technik richten muss. Jeden Morgen werden die täglichen Arbeiten mit den Einplanern per Mail oder Telefon besprochen. Dabei ist die Unterstützung anderer Teams, Anfahrten an Anlagen wegen Softwareüberarbeitungen oder diverser Störungen an der Tagesordnung. Bei den Arbeitszeiten verhält es sich ähnlich. Denn es kommt vor, dass der Tag nach erledigter Arbeit auch schon mal mittags oder gar vormittags vorbei ist. Aufgrund der Vielfalt von Anlagentypen und der Bandbreite der zu erledigenden Arbeiten ist es für technisch interessierte Leute eine Herausforderung sich den verschiedensten Aufgaben zu stellen und sie entsprechend professionell zu bewältigen.
Wie bewerten Sie denn den hohen Praxisanteil während Ihrer Weiterbildung?
CARSTENS: Die Ausbildungsinhalte sowie die Vorbereitung im Bereich der Windenergie entsprechen vornehmlich dem was einen später auch wirklich erwartet. Sehr positiv hervorzuheben ist dabei der praktische Teil direkt in den Unternehmen. Gerade in der durch den ELBCAMPUS ermöglichten Praktikumszeit hat man die Chance sich zu präsentieren, seine Stärken zu offenbaren und Kontakte zu knüpfen, die so sonst kaum möglich wären. Also eine erste Berührung mit Mensch und Maschine als kleiner, aber sehr wichtiger Schritt in den Bereich der Windenergie.
Haben Sie denn schnell Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern knüpfen können?
CARSTENS: Also hier kann ich mit einem ganz klaren Ja antworten! Denn in der Praktikumszeit trifft man unausweichlich auf verschiedene Unternehmen. Und wir Soldaten sind ja meistens nicht auf den Mund gefallen. Im Rahmen der eigenen Ausbildung haben viele Kameraden gelernt sich möglichst gut vor Leuten zu präsentieren. Gerade in diesen ersten, wichtigen Gesprächen mit potenziellen Arbeitgebern kann man viel Boden gut machen. Das vorhandene Interesse macht sich schnell bemerkbar, wenn man seitens des Unternehmens aufgefordert wird, doch mal seine Bewerbungsunterlagen abzugeben.
Hat Sie auch der Berufsförderungsdienst (BFD) bei der Realisierung Ihres Berufswunsches unterstützt?
CARSTENS: Der BFD hat seinen Teil dazu beigetragen und das ganze so unkompliziert wie möglich gehalten. Die Bearbeiter waren stets für mich da und haben sich sehr gut um meine Anliegen gekümmert. Egal ob es sich dabei um die Bearbeitung von Unterlagen oder um Fragen zur Reisekostenabrechnung gehandelt hat.
Der ELBCAMPUS ist in Hamburg, eine der aufregendsten Städte Deutschlands. Blieb da überhaupt noch Zeit zum Lernen?
CARSTENS: Für mich ist Hamburg die schönste Stadt Deutschlands und ich bin stolz hier geboren zu sein. Das hat wahrscheinlich den Vorteil, dass ich mich so besser auf das wesentliche konzentrieren konnte. Ich denke, dass eine „Gefahr" darin besteht, sich zu stark durch die unterschiedlichen Freizeitangebote ablenken zu lassen. Trotzdem geht es hier um eine Ausbildung, die den Einstieg ist Zivilleben erheblich erleichtert. Das sollte Motivation genug sein, sich abends auch mal auf den Hosenboden zu setzen. (sg)
DZE - Interview vom 14.10.2011
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Björn Carstens
Stabsunteroffizier d.R.
Björn Carstens wurde 1981 in Hamburg geboren und
absolvierte nach dem Abschluss der mittleren Reife zunächst eine Ausbildung zum
KFZ-Mechaniker. Im Jahr 2002 wurde er als Zeitsoldat zur Allgemeinen Grundausbildung
in die Heeresfliegertruppe einberufen und war anschließend im technischen Zug
einer Heeresfliegerversorgungsstaffel als Bergetruppführer eingesetzt. Der
Stabsunteroffizier d.R. war während seiner achtjährigen Dienstzeit gleich drei
Mal im Auslandseinsatz, ehe er die Bundeswehr im Jahr 2010 wieder verließ.
Da Björn Carstens nicht wieder in seinen alten Beruf zurück wollte, orientierte er sich noch vor Ablauf seines Dienstzeitendes neu und nutzte die vorhandenen BFD-Ansprüche für eine Ausbildung zum Servicetechniker für Windenergieanlagen.
Bereits während des Praktikums bekam Björn Carstens die ersten konkreten Jobangebote. Heute arbeitet er als Servicetechniker bei einem der weltgrößten Hersteller für Windenergieanlagen.
Wolfgang
Reich
Vertriebsleiter
Wolfgang
Reich hat in Hamburg Betriebswirtschaft studiert und war als Direktionsbevollmächtigter
eines bekannten Versicherungsunternehmens und später als
Unternehmensberater tätig, bevor er die Vertriebsleitung beim ELBCAMPUS übernahm.

ELBCAMPUS
Der
2008 in der Hansestadt Hamburg eröffnete ELBCAMPUS gehört zu den modernsten Bildungszentren für Handwerk
und Mittelstand in ganz Deutschland.
Auf insgesamt rund 23.000 Quadratmeter Gesamtfläche sind neben den Bildungseinrichtungen der Handwerkskammer Hamburg auch noch weitere Akademien und die Bildungszentren anderer Handwerksinnungen unter einem Dach vertreten.
Das mehrfach zertifizierte Unternehmen bietet ein umfangreiches und fundiertes Aus- und Weiterbildungsangebot für kaufmännische, gewerblich-technische und handwerkliche Berufsfelder an. Zudem richten sich die praxisnahen Lehrgänge und Seminare insbesondere auch an kleinere und mittelständische Unternehmen.
Im innovativ konzipierten Gebäude des ELBCAMPUS stehen den Teilnehmern rund 1.100 Ausbildungsplätze in modernen und bestens ausgestatteten Werkstätten und Seminarräumen zur Verfügung.
Kontakt:
Fon: +49 (0) 40. 35 905 777
